Sonntag, 29. Juni 2014

Der Tag des Herrn

Manchmal sagt eine wahre Geschichte mehr aus als lange Abhandlungen. Aus dieser Überzeugung heraus sammelte der französische Priester Pierre Lefèvre Dutzende Geschichten, die er in zwei Bänden publizierte: Kleine Geschichten – Große Wahrheiten. Diese richten sich an Jugendliche und Erwachsene und zeigen vor allem, welche Bedeutung die Zehn Gebote im Leben haben.

Ich laufe nicht!

Der junge Schotte Eric H. Liddell (1902–1945) war Meister im Sprint und gewann 1923 den 100-Meter-Lauf als bester englischer Athlet. Folglich wurde er 1924 ausgewählt, England bei der Olympiade in Paris zu vertreten. Doch der Wettkampf fiel auf einen Sonntag. Nach der Gewohnheit vieler Christen jener Zeit trieb Eric am Sonntag keinen Sport. Er verzichtete also auch auf den Olympiastart, um den Tag des Herrn zu ehren.

Seine Freunde konnten sich darüber nicht beruhigen. Da jedoch der 400-Meter-Lauf während der Woche stattfand, wurde Eric angeboten, daran teilzunehmen. Bevor er das Hotel verließ, um den Bus zum Stadion zu nehmen, gab ihm sein Masseur einen Zettel mit den Worten, er solle ihn direkt vor dem Lauf lesen. Als Eric im Stadion ankam, fühlten sich seine Füße an wie Blei. Er dachte: „Ich bin
zwar im 100-Meter-Lauf der Beste, vierhundert Meter sind jedoch viel zu viel für mich!“ Dann zog er das Papier aus der Tasche und las: „Im Alten Testament steht geschrieben: ,Wer mich ehrt, den werde auch ich ehren‘ (1 Sam 2, 30).“ Das machte ihm Mut, und er beschloss, sein Bestes zu geben. Vor dem Start gab er den Konkurrenten die Hand. Sein Masseur sagte: „Mit diesem Händedruck verabschiedete er sich buchstäblich von seinen Konkurrenten! Und tatsächlich, er lief derart schnell, dass keiner ihn einholen konnte. Er gewann die Goldmedaille.“
Versuchen auch wir, den Tag des Herrn in Ehren zu halten, dann wird Gott unsere ganze Woche segnen. Der Katechismus (2195) sagt: „Jeder Christ soll sich hüten, ohne Notwendigkeit andere zu etwas zu verpflichten, das sie hindern würde, den Tag des Herrn zu halten.“

Donnerstag, 26. Juni 2014

Frieden finden

In den letzten Jahrzehnten bahnte sich ein grundlegender Wandel in der Gesellschaft an, der noch nicht abgeschlossen ist. Der Australier Alan Ames (*1953) kommentiert in seinem neuen Buch Frieden finden die Friedensbewegung von 1968 und analysiert, wohin unsere Gesellschaft sich heute bewegt. Dabei legt er den Finger in die Wunden, die der Zeitgeist geschlagen hat, und weist auf mögliche Gefahren für die Zukunft hin. Hier ein Auszug aus dem Buch:

Die seelische Leere

In der Welt herrscht eine spirituelle Hungersnot, da die Herzen gegenüber dem Heiligen Geist Gottes verschlossen sind. Daher zog es viele Menschen hin zum Geist des New Age, zu östlichen Glaubensrichtungen, zur Hexerei und sogar zum Satanismus. Die Seele sehnt sich nach Erfüllung und deshalb sucht der Mensch, sofern er nicht in Beziehung mit dem wahren Gott, der Heiligen Dreifaltigkeit, steht, anderswo danach. So viele zieht es heute zu Glaubensrichtungen, in denen das Ich im Mittelpunkt steht und es darum geht, höhere Daseinsebenen zu erreichen. Es heißt oft, man könne schließlich gleichförmig werden mit dem, was als „das Göttliche“ präsentiert wird. Es ist kaum die Rede davon, Opfer zu bringen für andere oder anderen dabei zu helfen, ein heiliges und glückliches Leben zu erlangen. In der Regel geht es um das Ich und darum, wie man sein Ich verbessern und höhere Erkenntnisebenen erreichen kann (...)
Die New-Age-Philosophien sind lediglich eine Neuauflage alter heidnischer Vorstellungen, die auf verschiedene Weise präsentiert werden. Dazu gehört der Glaube an die Mutter Erde oder an eine Mutter-Göttin, an den Einfluss des Mondes, an die Macht der Kristalle, an Tier und Pflanzengeister. Man will mit dem „inneren Geist“ arbeiten, um seine Macht zu gebrauchen; den „Geist des Universums“ anzapfen; man glaubt an die Heilkraft und Macht verschiedener Götterfiguren; an Channelling durch Geister (Schreibmedium) usw. Das Kernstück all dieser und verschiedener anderer New-Age-Richtungen oder okkulter Praktiken besteht aus demselben alten Blendwerk des Bösen, und alle diese Praktiken führen von Gott weg und hinein in die Finsternis.
Zu nennen ist auch die Zauberei, die mancherorts inzwischen als eine Religion anerkannt ist (...) Der Böse bietet den Menschen durch die Zauberei Macht an, und einige Menschen verlangen in ihrer Blindheit nach dieser Macht und meinen, dadurch etwas Besonderes zu werden, über anderen zu stehen und andere kontrollieren und benutzen zu können.
Manche haben die irrige Vorstellung, mit Hilfe der so genannten „Weißen Magie“ im Stande zu sein, Gutes zu tun – doch vom Bösen kommt nichts Gutes! Auch wenn man dem Bösen einen anderen Namen gibt, um es attraktiver erscheinen zu lassen – Böses bleibt dennoch Böses (...) Jede Macht, die man durch Zauberei erhält, hat ihren Ursprung in der Macht des Bösen. Jedweder Geist, der mit Hilfe der Zauberei kontaktiert wird, ist ein böser Geist (...)
Während Christus, unser Herr, verleugnet wird, hat der Böse Christus also auf verschiedene Weise im Leben der Menschen ersetzt, und zwar so, dass die Menschen immer tiefer hinein in die Finsternis des Bösen und in den Schmerz geführt werden, der sie dort erwartet.
Wie traurig ist es doch, dass Menschen Gott ablehnen, der die Liebe, Frieden und Freude anbietet, und stattdessen denjenigen einladen, der Elend, Leiden und Aufruhr mit sich bringt!

Aus: Alan Ames, Frieden finden

26.Juni - Gedenktag des heiligen Josemaria Escrivá

"Der katholische Glaube sei veraltet und deshalb nicht mehr annehmbar... Noch älter ist die Sonne, und sie hat nicht verloren an Licht; noch urtümlicher ist das Wasser, und es stillt nach wie vor den Durst und erfrischt."
Josemaria Escrivá de Balaguer y Albás
(1902 - 1975, Gründer des Opus Dei)

Mittwoch, 25. Juni 2014

Verborgene Quellen für die Heilung

Sr. Usha SND aus Indien, seit Jahren engagiert im Heilungsdienst, beschrieb, wie der Friede in unsere Beziehungen kommen und verwundete Erinnerungen geheilt werden können. Dabei verknüpft sie Elemente aus der Psychotherapie wirkungsvoll mit den Heilungsgaben des Heiligen Geistes. Inzwischen liegt eine Neuauflage der Kleinschrift "Verborgene Quellen für die Heilung" vor. Eine Leseprobe:

Innere Heilung


Auf unserem Lebensweg sollten wir vor allem in der Kraft des Heiligen Geistes mit Jesus gehen. Unsere Heimat ist der Himmel, wo nichts Böses existiert. Oft ist unser Weg auf Erden sehr dunkel, und wenn wir durch dieses „finstere Tal“ gehen, stoßen wir zwangsläufig mit anderen zusammen und geraten in Konflikte. Oft werden wir von unserer Umgebung nicht verstanden. Wir geben uns ehrliche Mühe, mit unseren Mitmenschen zu reden, aber unsere sprachlichen und außersprachlichen Bemühungen halten andere auf Abstand. Wir reagieren mit Erstaunen und Verwirrung, und hierdurch wird wiederum die Verständigung gestört. Als Beispiel möchte ich eine persönliche Erfahrung weitergeben:
Eine Schwester sagte etwas, womit ich mich in Gedanken sehr beschäftigte. Ich war mir dessen nicht bewusst, bis jemand anderes mich fragte: „Was ist geschehen? Du siehst so besorgt aus?“ Ich antwortete: „Nein, ich bin überhaupt nicht besorgt.“ Aber der Fragende konnte die Irritation auf meinem Gesicht sehen. Dabei beruhte alles auf einem belanglosen Ereignis:Ich ging gerade durch den Haupteingang meines Konvents hinaus und sah, dass eine andere Schwester hereinkommen wollte. Deshalb ließ ich die Tür für sie offen. Eine andere Schwester hinter mir, die nicht sehen konnte, dass jemand herein wollte, platzte heraus: „Oh, du lässt immer die Tür offen!“ Ich versuchte, ihr den Grund zu erklären, aber sie antwortete schnell: „Das ist nur deine Ausrede!“ Ich erfuhr, dass ich einer einfachen Geste wegen von der einen Person für freundlich und aufmerksam gehalten wurde, von der anderen jedoch für gedankenlos und unverantwortlich. Und dieser Person muss ich vergeben, nur so kann meine Verletzung geheilt werden. Bedingungslos zu vergeben und Vergebung zu empfangen, ist der Schlüssel, der die Tür zum inneren Frieden öffnet.Kehren wir zu der Schwester zurück, die sich über mich geärgert hatte. Sie ist eine Perfektionistin. Für sie ist eine Regel eine Regel, und jede, die sie nicht einhält, ist ungehorsam. An diesem Tag kannte sie den Grund nicht, weshalb ich die Tür offengelassen hatte; sie war in dem Moment auch nicht bereit, meine Erklärung
anzuhören und sich daraufhin mit mir zu versöhnen.
Deshalb ist der beste und schnellste Weg meiner Versöhnung, dass ich mich mit ihr in der Gegenwart des Herrn in meinem Herzen versöhne: Ich beruhige mich, sehe diese Schwester in meiner Vorstellung vor mir und sage zu ihr: „Schwester, ich vergebe dir, dass du so mit mir gesprochen hast. Du hast nicht gesehen, weshalb ich die Tür offen ließ. Deshalb vergebe ich dir.“ Es ist nicht schwierig, sich die Antwort dieser Schwester vorzustellen: „Bitte vergib mir, Sr. Usha, dass ich dich auf diese Weise verletzt habe. Aber aufgrund der Umstände war mir in diesem Moment nicht bewusst, was ich zu dir gesagt habe.“
Als ich auf diese Weise vergeben und Vergebung empfangen hatte, war ich von den negativen Gefühlen befreit. Ich bat Jesus, mich und die andere Schwester mit seinem kostbaren Blut zu heilen und freizusetzen. Durch meinen Glauben weiß ich, dass ich geheilt und freigesetzt bin. Dafür danke ich Jesus!

aus: Sr. Usha: "Verborgene Quellen für die Heilung"

Dienstag, 24. Juni 2014

Das Bild des Herrn

2015 wird das berühmte Turiner Grabtuch wieder der Öffentlichkeit gezeigt. Trotz vieler Kontroversen weisen die Indizien darauf hin: Es ist das wahre Bild Christi, das schon die Apostel, die Gottesmutter und viele Urchristen betrachtet haben.
Eine Theorie besagt, ein starker, extrem kurzer Lichtblitz, ausgehend vom Körper des Toten bei der Auferstehung, habe Sein Abbild so fein, aber doch so klar in das antike Tuch „gebrannt“. Die Besonderheit des Bildes besteht darin, dass es ein Fotonegativ ist, d. h. erst die moderne Fotografie konnte im Jahr 1898 den plastischen „Abzug“ dieses Negativs liefern.


Lebendige Abbilder Jesu

Noch wertvoller als das Grabtuch als „Ikone Christi“ ist aber ein anderes Bild: Der Abdruck Jesu Christi in unserem Herzen, in unserer Seele. Jeder von uns sollte ein „Grabtuch“ sein – ein Abbild Jesu und ganz von Ihm geprägt: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit!“ Dieses Gebet sprechen wir in jeder heiligen Messe. Es ist ein „Grabtuch-Gebet“, denn gleich diesem Tuch sind wir in dieser Welt eine Erinnerung an den Tod, die Auferstehung und die Wiederkunft Christi in Herrlichkeit.
Wie das Tuch den Leib des Erlösers umgab und durch die Kraft des Heiligen Geistes das Bild Jesu in der Welt lebendig gehalten hat, ist es unsere Berufung, unser Berührt-Sein von Jesus in die Welt zu strahlen. Wenn andere uns sehen oder begegnen und sich ein Bild von uns machen, so mögen sie nicht nur den schlichten Stoff sehen, aus dem wir gewoben sind, sondern einen Abzug des Antlitzes Jesu erkennen.

Maria – ein Abbild der Liebe Jesu

Versuchen wir, die Beziehung zwischen Maria und ihrem Sohn Jesus zu erfassen, können wir nur staunend sagen: „Mein Gott, wie sehr hat sie Dich geliebt!“ Wer sich umschaut und betrachtet, wie innig eine ganz gewöhnliche Mutter ihr Kind liebt, sich für es aufopfert, es liebevoll an sich drückt – von welcher Dimension muss dann die Liebe Marias zu Jesus gewesen sein: Schon bei der Verkündigung vom Heiligen Geist überschattet (vgl. Lk 1,35), muss sie Jesus nicht nur rein mütterlich, sondern aus der brennenden Liebe des Heiligen Geistes heraus geliebt haben. Und Er, Jesus, liebte Seine menschliche Mutter mit kindlicher und zugleich göttlicher Liebe ... welch ein Mysterium!
Doch seit den Worten des greisen Simeon im Tempel (vgl. Lk 2,35), die durch Jesu Ankündigung Seines Leidens und Sterbens (vgl. Lk 18,31ff) bestätigt wurden, wusste Maria, dass ihre Liebe auch Quelle ihres größten Leidens sein würde. Sie wusste, dass sie ihren Lebensinhalt, Jesus, loslassen musste. „Stark wie der Tod ist die Liebe“, singt das Hohelied (8,6). Wie sehr trifft das auf die Mutter unter dem Kreuz zu! Den Tod des geliebten Kindes vor Augen, prägt sich jedes seiner Worte, jede Geste durch den Laserstrahl der leidenden Liebe ins Herz ein. Maria konnte nicht anders als vor Ort sein an jenem Karfreitag, an dem Jesus sich hingab. Ihr Leben lang würde sie diesen Tag nicht mehr vergessen und selbst vom Kreuz geprägt sein, bis in Ewigkeit ...
Als die Gottesmutter Jahrhunderte später, im Jahr 1858, der hl. Bernadette in Lourdes erschien, gab Maria dem Mädchen eine Kurzkatechese über das Kreuzzeichen. Zeugen berichteten, dass Bernadette seit der Begegnung mit Maria das Kreuzzeichen mit besonderer Andacht machte. Später fragte eine Ordensfrau die Heilige: „Was muss man tun, um ganz sicher in den Himmel zu kommen?“ Bernadette antwortete ohne zu zögern: „Wenn man das Kreuzzeichen richtig macht, ist schon vieles gewonnen!“ Für Bernadette, aber auch für die Heiligen aller Jahrhunderte (z.B. Benedikt, Franziskus, Teresa von Avila) war das Kreuz zeichen ein lebendiges Bild der Liebe Jesu zu uns. Auch wir sind eingeladen, uns beim Kreuzzeichen im Geiste neben Maria zu stellen und es wie sie betend zu erleben.
Was muss im Herzen der Mutter vorgehen, wenn sie das Zeichen des Kreuzes mit der Hand über Kopf, Brust und Schultern zeichnet? Gewiss steigen Bilder auf, wie Jesus sie vom Kreuz herab ansah – die Qual in Seinen Augen, gleichzeitig Seine unsterbliche Liebe ...

Mutter Maria, dir war Jesus aus dem Gesicht geschnitten. Seit Seinem Tod bis heute sind die Worte, das Leiden und die Verherrlichung Jesu in dein Herz und in deine Seele eingeprägt. Hilf uns beten und leben wie du – mit einem Echo Seiner Stimme im Herzen, mit einer überirdischen Sehnsucht, auf ewig bei Ihm zu sein! Wenn du Psalmen gebetet hast, sprach dein Mund die Worte aus, die du so oft aus dem Mund Jesu hörtest, und beim Vaterunser war deine Stimme ein Echo Seiner Worte ... Vor deiner Seele standen unzählige Erinnerungen daran, wie Er dieses Gebet zum Vater rief, in Seinem unvergesslichen Tonfall und Seinen Handbewegungen, mit der barmherzigen Liebe in Seinen Augen... Mutter Maria, führe uns und bete mit uns, damit wir am Ende unseres irdischen Lebens vor den Vater im Himmel treten und Er in uns ein wahres Abbild Jesu erkenne.
Amen

von Beatrix Zureich

Zuerst erschienen in "MARIA - Das Zeichen der Zeit" (MZZ) Nr. 140

Mittwoch, 18. Juni 2014

Pfr. Karl Maria Harrer († 18. Juni 2013)

Vor genau einem Jahr wurde unser langjähriger Autor und Freund

Pfarrer Karl Maria Harrer

zu Gott heimgerufen.

* 9.11.1926 in Ruhpolding
† 18.6.2013 in Altötting

Freitag, 13. Juni 2014

Pfingsten erleben

Am Beginn unserer Kirche steht der folgenreichste Missbrauch in der Menschheitsgeschichte: Judas, einer der Auserwählten, ein enger Freund des Herrn und Gottes Jesus Christus, missbraucht dessen Liebe, Vertrauen und Freundschaft. Gott wird zum Opfer missbrauchter menschlicher Freiheit. Der Tod Jesu erschüttert nicht nur das Herz Seiner Mutter und Freunde, sondern auch die Natur. Dem Erdbeben folgt eine unheimliche Stille.

Nach diesen traumatischen Ereignissen sind alle Zeugen der Passion – auch jene, die geflohen sind – auf sich selbst gestellt. Jesus ist tot; was bleibt, ist die Schuld und das Versäumnis der Menschen. Die Zeit bis zur Auferstehung Jesu wird zur Chance, in sich zu gehen. Von Petrus, der zerknirscht und erschüttert bereut, berichtet Lukas 22,62: „Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“ In unserem ältesten Gebetbuch, dem Buch der Psalmen, heißt es: „Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen, er hilft denen auf, die zerknirscht sind“ (Ps 34,19). Diese Wahrheit erlebte Petrus am eigenen Leib, ebenso die anderen Jünger, und sie gilt für alle Generationen. Diese Chance, durch die Konfrontation mit meiner ganz persönlichen Schuld und meiner Lieblosigkeit zerknirscht um die Vergebung des Herrn zu bitten, ist der erste Schritt auf Pfingsten zu!

Verharren im Gebet

Als der auferstandene Herr sich Seinen Freunden zeigte, war Sein erstes Wort „Friede“ (Lk 24,36). Dieser Friede war die Frucht ihrer Reue und Seiner Vergebung. Doch Er hatte noch einen Wunsch: Sie sollten in Jerusalem bleiben und dort auf die Herabkunft des Heiligen Geistes warten (Apg 1,8). Im Obergemach verharrten sie einmütig im Gebet (Apg 1,14) Dieser Wunsch des Herrn hallt durch alle Zeiten und ergeht an jede Generation. Im 19. Jh. legte Gott der italienischen Ordensfrau Elena Guerra ins Herz (†1914), zur Erneuerung der Kirche durch die Rückkehr zum Heiligen Geist aufzurufen. Die Selige schrieb 13 Briefe an Papst Leo XIII., der daraufhin eine Enzyklika über den Heiligen Geist veröffentlichte. Elena jedoch war traurig, weil die Bischöfe und Gläubigen die Enzyklika und die Rolle des Heiligen Geistes im eigenen Leben so wenig berücksichtigten. Die Einladung ergeht daher immer noch – und heut an uns –, uns geistigerweise ins Obergemach zu begeben und um den Heiligen Geist zu flehen.

Mit Maria den Heiligen Geist erbitten

Jesus lebte im ständigen Gebet zum Vater, Seine Worte und Taten waren ein Echo dessen, was Er vom Vater gehört und gesehen hatte. Nach der Himmelfahrt Jesu blieb den Jüngern nur noch die Mutter Jesu, Maria. Sie war die lebendige Erinnerung an Jesus, Ihm ähnlich im Wesen, Beten und Lieben. Obwohl das Echo der Passion immer in ihrem Herzen blieb, verfiel Maria nicht in Anklage, Bitterkeit oder Hass. Davor bewahrte sie die reine Liebe, welche Paulus besingt (1 Kor 13) und die in Maria Realität wurde: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig ...Sie lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach ... Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf." Können Sie sich vorstellen, wie brennend Maria um den Heiligen Geist gebetet haben muss? Als einziger Mensch wusste sie, was es heißt, vom Heiligen Geist überschattet zu werden: So hatte sie Jesus 33 Jahre zuvor empfangen ... Maria hatte alles verloren und losgelassen: Ihren verstorbenen Mann Josef sowie Jesus, ihren Sohn, Meister und Erlöser. Was ihr blieb, waren Seine Worte im Herzen, Erinnerungen und ihre Liebe. Wenn Maria das Vaterunser betete, muss sie den ganzen Himmel auf die Erde herabgezogen haben. „Dein Wille geschehe“ – wie schwer mögen ihr diese Worte unter dem Kreuz gefallen sein, doch wie flehentlich mag sie dieselben Worte inmitten der 120 Jünger gebetet haben, getrieben von der Sehnsucht nach dem Heiligen Geist der Liebe des Vaters und des Sohnes.
Jesus ist der größte Beter unter allen Menschen, Ihm gleich wurde Maria. Jesus betete noch am Kreuz die ersten Worte des Psalmes 22: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Maria und die im Obergemach um sie Versammelten verkörperten die Verheißung, mit welcher der Psalm 22 schließt: „Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn! ... Vor ihm allein sollen niederfallen die Mächtigen der Erde ... Vom Herrn wird man dem künftigen Geschlecht erzählen, seine Heilstat verkündet man dem kommenden Volk; denn er hat das Werk getan!“ Mit gewaltigem Brausen kam der verheißene und ersehnte Geist auf alle herab und erfüllte das ganze Haus. Erfüllt vom Heiligen Geist, begannen alle in fremden Sprachen zu reden – „Seine Heilstat verkündeten“ sie, die Prophetie des Psalmes 22 erfüllend.
Der Leib Christi, die Kirche, leidet noch heute unter Verrat, Missbrauch und der Feigheit der heutigen „Jünger Jesu“ – das sind wir. Bitten wir um die Fürsprache unserer heiligen Vorbilder Petrus, Maria und der seligen Elena Guerra, damit wir lernen, uns nach ihrem Beispiel vom Heiligen Geist ergreifen zu lassen. Die Erneuerung der Kirche ist dringend nötig: Sie kann und muss bei mir und dir beginnen.
Der Geist Gottes wartet nur darauf!

Beatrix Zureich

Zuerst erschienen in Maria - Das Zeichen der Zeit Nr. 141

Donnerstag, 12. Juni 2014

Liebe

„Mach, mein Gott, dass ab sofort alles in mir Liebe sei. Der Glaube sei die Liebe, die vertraut. Die Hoffnung sei die Liebe, die erwartet. Die Anbetung sei die Liebe, die sich niederwirft. Das Gebet sei die Liebe, die mit dir spricht. Die Mühe sei die Liebe, die arbeitet. Das Opfer sei die Liebe, die sich hingibt. Nur deine Liebe sei Herr meines Willens.“
Sel. Elena Guerra

Leben aus dem Heiligen Geist

Nicht wenige Menschen fragen sich, wie sie richtig beten sollen. Eine Anregung kann der australische Mystiker Alan Ames geben, der nach seiner Umkehr im Alter von 40 Jahren das Beten mit Hilfe der Gottesmutter neu lernte. Hier ein Auszug aus seinem neuen Buch Leben aus dem Heiligen Geist:

Eine „dreifaltige“ Art des Betens

Da ich mit der Zeit viel betete und so viele Gnaden erlebte, dachte ich in meinem schrecklichen Stolz: „Ich weiß alles über das Gebet!“ Doch die Heiligen beschlossen, mir zu zeigen, dass dem nicht so war. Sie zeigten mir, dass es noch viele andere Arten des Betens gibt und dass sie alle beabsichtigten, mich Gott zu öffnen. Unsere heilige Mutter Maria zeigte mir eine „dreifaltige“ Art des Gebets. Sie sagte: „Es gibt noch eine Art zu beten, diese solltest du ausprobieren. Wenn du die Worte deines Gebets sprichst, denke sie gleichzeitig mit. Und während du sie denkst, lässt du sie aus deinem Herzen und deiner Seele aufsteigen.“ Ich versuchte es, aber irgendwie schaffte ich es nicht. Nachdem ich mich sehr bemüht hatte, gelang es mir schließlich, meine Worte und Gedanken zusammenzubekommen. Trotzdem spürte ich nicht dieselbe Freude wie bei anderen Gebeten. Ich konnte einfach nicht mein Herz und meine Seele in mein Gebet legen. Da erklärte mir die Gottesmutter: „Du hast etwas vergessen. Du hast den Heiligen Geist nicht gebeten, dir dabei zu helfen, aus dem Herzen und mit der Seele zu beten.“ Wie dumm ich doch war! Sofort bat ich den Heiligen Geist um Hilfe, und schon bald, mit etwas Ausdauer, gelang es: Beim Beten bildeten meine Worte, meine Gedanken und jeder Herzschlag eine Einheit mit jedem Wort. Während ich ein Wort sprach, dachte ich es auch. Und während ich das Worte dachte, fühlte ich es tief in mir.
Plötzlich konnte ich meine Worte, meine Gedanken und jeden Herzschlag in jedes meiner Gebete hineinlegen. Sie wurden eins, ein vollkommener Ausdruck meiner Liebe zu Gott. Mein ganzes Wesen steckte in jedem Wort eines jeden Gebets. Ich spürte, wie die Liebe Gottes mich erfüllte, mich umgab, mich immer näher zu Ihm hinzog und – oh, wie hat Er mich emporgezogen! Es war wundervoll ...
In dieser Weise gab ich mich in jedem Gebet Gott ganz hin – durch Gottes Gnade, weil Er mich liebt und mich Seine Liebe auf neue Art durch das Gebet erfahren lassen wollte. Die Mutter Gottes erklärte: „Nun ist dein Gebet vollständig und du legst dein ganzes Wesen in einer dreifaltigen Weise hinein: physisch, d.h. mit deinen Worten, sowie mit deinem Denken und deiner Seele. Auf diese Weise erhebt deine Seele deine Worte (d.h. dein physisches Wesen) und deine Gedanken zu Gott. Deine Seele ruft die Liebe nach Ihm hinaus, und wenn du in dieser Weise betest, kommt Sein göttlicher Geist tief in dich hinein, weil du jetzt ganz nach Ihm verlangst, dich Ihm im Gebet ganz hingibst, und im Gegenzug gibt Er sich dir."

aus: Alan Ames, Leben aus dem Heiligen Geist

Mittwoch, 11. Juni 2014

Jesus lebt heute

Im Jahr 1998 kam die ursprünglich aus Indien stammende Josefsschwester Margaritha Valappila mit ihrer deutschen Mitschwester Kiliana nach Bad Soden-Salmünster, wo ihr die ehemalige Kurklinik von der Eigentümerin geschenkt wurde. Dieses Haus ist seit über zehn Jahren ein aktives Evangelisationszentrum, in dem monatlich mehr als tausend Menschen an Gebets- und Einkehrtagen oder anderen geistlichen Angeboten teilnehmen. Welche Wunder sie erlebte, schildert die Schwester in ihrem Buch Jesus lebt heute:

Bei Dir ist Vergebung

Als ich noch als junge Krankenschwester in einer Gemeinde tätig war, wurde ich zu einem Schwerkranken gerufen. Bevor ich in sein Zimmer ging, informierte mich seine Frau über seine Situation: Er lebte seit über 40 Jahren getrennt von der Kirche. Eine Woche vor meinem Besuch hatte ihn der Ortspfarrer besucht. Kaum hatte dieser das Zimmer betreten, rief ihm der Kranke zu, er wolle ihn nicht sehen, und warf eine Kaffeetasse nach ihm. Seine Frau bete darum, dass ihr betagter Mann vor seinem Tod zu Gott zurückfinden möge. Der Mann war schwach und abgemagert, hatte hohes Fieber und war sterbenskrank. Ich betete in meinem Herzen und gab ihm eine Spritze gegen das Fieber. Nach einer Stunde sah ich wieder nach ihm. Er war froh, dass es ihm etwas besser ging und war schon in der Verfassung, mir Komplimente zu machen.
Bei dieser Gelegenheit wagte ich die Bemerkung, dass ich nur etwas für seinen vergänglichen Leib getan hätte, nicht aber für seine unsterbliche Seele. Sofort wurde mein Patient böse und wollte mich aus dem Zimmer werfen. Da sagte ich: „Bevor ich gehe, habe ich noch eine Frage. Was hast du gegen Gott und die Kirche?“ Aufgewühlt erzählte er: Als er aus dem Krieg zurückkam, habe er, wie viele andere, vom damaligen Pfarrer ein Grundstück haben wollen, um ein Haus zu bauen. Aber er bekam keines, und in seiner Enttäuschung habe er die Verbindung zur Kirche abgebrochen. Da nahm ich seine Hand und sagte: „Das war sicher vom Pfarrer nicht recht.“ Damit wollte ich ihn trösten. Dann fuhr ich fort: „Du weißt, dass wir alle einmal sterben müssen. Und wenn wir vor Gott stehen, wird er uns nicht fragen: Was haben die anderen gemacht? Gott wird fragen: Wo warst du, was hast du gemacht? Er macht dich nicht für die Taten des Pfarrers verantwortlich, sondern dafür, wie du reagiert hast.“ Da sah er mich mit großen Augen an und sagte ganz leise: „Hol den Pfarrer!“ Dieser kam sofort, und während er beim Kranken war, beteten dessen Frau und ich um die Bekehrung des Kranken. Nach einer Beichte mit großer Reue empfing der Kranke nach vielen Jahren die hl. Kommunion und die Krankensalbung. Am gleichen Tag starb der Mann um im Beisein von uns allen, ganz friedlich und mit Gott versöhnt. preiset den Herrn!

Ein Ausschnitt aus dem Buch "Jesus lebt heute" von Schwester Margaritha Valappila

Offizielle Homepage des Evangelisationszentrums

Dienstag, 10. Juni 2014

Die kleine Araberin

Ein Ausschnitt aus dem Buch "Mirjam - Die kleine Araberin" von Sr. Emmanuel Maillard

Welche Freude, Mirjam von Betlehem zu kennen und sie bekannt zu machen! Für gewöhnlich die kleine Araberin genannt, mit dem Ordensnamen Schwester Maria von Jesus dem Gekreuzigten wurde sie am 13. November 1983 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Ihr Leben war ein wahres Epos, eine Geschichte des Sieges vom Licht über die Dunkelheit, vom Licht des Heiligen Geistes über die Übel in dieser Welt. Ein wunderbares helles Licht, wie wir es heute so dringend brauchen.

Mirjam war jung, einfallsreich und originell. Sie ging auf völlig unkonventionellen Wegen, was besonders erstaunlich ist, da sie nie lesen und schreiben gelernt hatte. Sie ist eine Abenteurerin erster Klasse, aber auch eine gute Freundin. Und trotzdem führte sie ein Jahrhundert lang ein Schattendasein. Es bedurfte unseres geliebten Johannes Paul II., um sie aus der Vergessenheit zu holen. Wenn die Kirche sie uns jetzt vor Augen führt, so ist dies vor allem ein Sieg im großen Kampf gegen die Finsternis, eines Kampfes gegen das Vergessen. Dies erinnert uns an Schwester Faustyna Kowalska, die im dritten Jahrtausend als erste Frau heiliggesprochen wurde. Auch sie war zunächst mit ihren Schriften unbeachtet geblieben, bevor Johannes Paul II. sie der ganzen Welt bekannt machte.

Wir müssen dem Leben und der Botschaft von Mirjam große Bedeutung beimessen. Denn nach diesem langen Schattendasein hat das, was jetzt augenfällig wieder zum Vorschein kommt, bereits viele gestärkt und erleuchtet, die um jeden Preis nach der Wahrheit suchen, besonders aber die Jugend. Wir können es als Vorsehung betrachten, dass Mirjam so lange unbekannt geblieben ist, denn dadurch wirkt ihre Botschaft heute um so stärker. Ich spreche hier von einem Sieg, weil Mirjam in ihrem Leben schwere Kämpfe bestehen musste. Vom Himmel erhielt sie wunderbare Gnaden, die sie darin stärkten. Oft musste sie sich mit Satan persönlich auseinandersetzen – in ihren Lehren klärt sie uns deshalb besonders über diesen geistigen Kampf auf.

Eine kleine Anekdote

Während meines Aufenthaltes in Israel erfuhr ich von dieser kleinen Schwester und war sogleich von dem Ausmaß des geistigen Kampfes ergriffen – ja betroffen. Ein Priester aus Betharam, Pater Jeangrand (†), hielt sich im Jahr 1977 ebenfalls in Nazaret auf. Er war Seelsorger im dortigen Karmeliterkloster und besaß ein tiefgehendes Wissen über Mirjam, die er auf rührende Weise verehrte. Wenn man Pater Jeangrand über Mirjam erzählen hörte, so meinte man, direkt mit dem Himmel verbunden zu sein! Mein Herz hüpfte vor Freude. Er lieh mir ein wunderbares Buch über Mirjam, das von ihrem geistlichen Vater, Pfarrer Estrate, geschrieben worden war. Da dieses Buch (auf Französisch) nur schwer zu finden ist, bat er mich: „Schwester Emmanuel, geben Sie gut auf dieses Buch acht. Behandeln Sie es wie Ihren Augapfel!“ Ich versprach ihm, ganz besonders gut darauf aufzupassen.
Auf dem Weg nach Hause hielt ich bei einem Lebensmittelgeschäft an, um etwas Brot für die Gemeinschaft einzukaufen. Als ich zum Auto zurückkam – war das Buch verschwunden!

Die Geschichte von der Schlange

Eines Tages saß Mirjam in der Küche und aß ihren Brei, ganz allein. Auf einmal kroch eine große Schlange langsam auf sie zu, schlängelte sich hinauf auf den Tisch und fing an, aus Mirjams Teller zu fressen. Beim Anblick der Schlange fiel Marjam keineswegs in Panik – höchstwahrscheinlich war sie sich der Gefahr gar nicht bewusst – sie packte sogar den Kopf der Schlange, um ihr zu helfen, tauchte ihn in den Teller und begann, gemeinsam mit der Schlange zu essen. Dann kam die Magd herein ... Sie stieß einen lauten Schrei aus und scheuchte, von panischer Angst ergriffen, die Schlange fort. Mirjam aber blieb äußerst ruhig.
Anhand dieser Episode können wir schon erraten, wie Mirjam in Zukunft ihre Siege über die Mächte der Finsternis erringen wird: durch ihre Unschuld und ihre Reinheit! Satan kann Unschuld nicht ausstehen. Aber Mirjam besaß diese erstklassige Waffe: Durch ihre Unschuld und ihre Demut, durch den Frieden ihrer Seele, die ganz in Gott versunken war, stellte sie sicher, dass der Böse keine Macht über sie hatte. Freilich wird er sich zeigen, er wird Mirjam von Anbeginn an bis zum Ende auf den Fersen sein, um sie anzugreifen und zu versuchen, sie zu Fall zu bringen. Aber dies wird nicht gelingen, weil Mirjam ihre Seele mit Gott vereint hat, in Unschuld und Reinheit.

Mirjams Eheversprechen

Mirjam wuchs heran. Sie war etwa acht Jahre alt, als ihr Onkel Ibillin verließ, um sich mit seiner Familie und Mirjam in Alexandrien niederzulassen. Er war immer sehr nett zu Mirjam und behandelte sie wirklich wie ein Kind seiner Familie. Aber ohne ihr Wissen war Mirjam bereits mit einem Jungen verlobt worden. Solche von den Eltern arrangierte Eheversprechen waren wie in den meisten arabischen Familien der Gegend auch in dieser Familie etwas ganz Normales. Es war im Jahr 1858, als ihr Onkel und ihre Tante diesem kleinen zwölfjährigen Mädchen ankündigten, dass es schon bald einen Jungen, den der Onkel bereits vor mehreren Jahren für es ausgewählt hatte, heiraten sollte.
Man kleidete sie nun in prächtige Kleider, man schenkte ihr Schmuck, frisierte ihre Haare auf elegante Weise – kurz und gut, man machte aus ihr eine strahlende Braut. Mirjam aber erinnerte sich, dass sie mit fünf Jahren ihr Leben dem Herrn geweiht und tief in ihrem Herzen beschlossen hatte, nie jemand anderem zu gehören als Jesus allein. Noch eine Woche bis zum Hochzeitstag, und Mirjam flehte die Jungfrau Maria an, ihr zu Hilfe zu eilen und diesem Heiratsplan ein Ende zu bereiten.
Sie redete mit ihrem Onkel, aber der Onkel blieb sehr bestimmt, er wich nicht von seiner Entscheidung ab. Für ihn war es unbedingt erforderlich, seine verwaiste Nichte zu verheirateten, sie wäre dann gut versorgt. Entsprechend der Mentalität der damaligen Zeit und dem patriarchalischen Gesellschaftssystem war das die einzige Zukunft, die er für sie planen konnte.
Aber die Mutter Gottes wachte über die zukünftige Braut ihres Sohnes. So flüsterte sie ihr in der Nacht eine kleine List ins Ohr, eine klassische List, die man auch im Leben der heiligen Katharina von Siena finden kann. Mirjam verstand sie sofort, und gleich am nächsten Morgen schnitt sie sich ihre schönen langen Haare ab. Denn es war undenkbar, dass ein Orientale eine Frau so ohne Haare heiratet! Das gab es nicht, es wäre eine Schande gewesen!
So brachte Mirjam ihrer Familie, den Gästen und ihrem versprochenen Bräutigam am Hochzeitsmorgen ihre Haare schön geschmückt auf einem Tablett dar. Die List hatte gut funktioniert. Doch ihr Onkel wurde vor Ärger gewalttätig: Er schlug sie, bis sie blutete. Mirjam wird fortan die Spuren dieser brutalen Schläge auf ihrem Körper zurückbehalten. Dann wurde sie aus der Familie verstoßen und fand sich wieder als Sklavin der Sklaven. Denn es traf sich, dass einige schwarze Dienerinnen dem Onkel zu Diensten standen. Nun, diese Dienerinnen bekamen den Auftrag, Mirjam nicht zu schonen und ihr die schwersten Arbeiten zu übertragen.
Für die nächsten drei Monate wird Mirjam diesem Regime von Verfolgungen und Demütigungen ausgesetzt. Gott allein weiß, was sie damals auszuhalten hatte! Aber anstatt zu rebellieren und sich über ihr Schicksal zu beklagen, nimmt Mirjam diese neue Bürde mit großer Freude auf sich, so sehr war sie mit dem Herrn und den himmlischen Mächten vertraut. Und obwohl ihr Leben nach außen hin äußerst hart erscheint, trägt Mirjam den Himmel in ihrem Herzen und bleibt voller Freude inmitten der gröbsten Arbeiten. Sie empfindet eine echte Glückseligkeit und nimmt ihr Schicksal an als eine Gnade. Denn diese harten Arbeiten und diese Prüfung, verstoßen worden zu sein, werden es ihr ermöglichen, ihre Zugehörigkeit zu Gott zu stärken.

Ausschnitt aus dem Buch "Mirjam - Die kleine Araberin" von Sr. Emmanuel Maillard

Freitag, 6. Juni 2014

Medjugorje-Monatsbotschaft vom 25.Mai 2014

„Liebe Kinder! Betet und seid euch bewusst, dass ihr ohne Gott Staub seid. Deshalb wendet eure Gedanken und euer Herz Gott und dem Gebet zu. Vertraut auf seine Liebe! Im Geist Gottes seid ihr, meine lieben Kinder, alle aufgerufen, Zeugen zu sein. Ihr seid wertvoll und ich rufe euch, meine lieben Kinder, zur Heiligkeit, zum ewigen Leben, auf. Deshalb, seid euch bewusst, dass dieses Leben vergänglich ist. Ich liebe euch und rufe euch zu einem neuen Leben der Bekehrung auf. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!“

(Monatsbotschaft der Gottesmutter Maria, der „Königin des Friedens“ an die Seherin Marija Pavlović-Lunetti vom 25. Mai 2014)

Die Welt aus der richtigen Perspektive sehen

Heute erinnert uns die Gottesmutter daran, dass wir „ohne Gott Staub“ sind. In unserem Zeitalter, das technisch und wissenschaftlich zu immer neuen Höhenflügen ansetzt, laufen auch gläubige Menschen Gefahr zu meinen, die Welt liege uns zu Füßen und wir könnten alles erreichen. Oft sind es Schicksalsschläge, die uns daran erinnern, wie klein und hilflos wir sind – wenn wir Gott nicht haben.
Der hl. Papst Johannes XXIII. praktizierte das, was die Jungfrau Maria uns empfiehlt: Unentwegt wandte er seine Gedanken und sein Herz Gott und dem Gebet zu. So wurde dieser Papst ein Zeuge der Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes. Johannes XXIII. war ein demütiger Mann, der zugab, ohne Gott ein Nichts zu sein.

Unendlich wertvoll

Jeder Mensch ist wertvoll in Gottes Augen, denn jeder ist berufen, Gott auf eine Weise zu verherrlichen, wie kein anderer Mensch es tun kann. Wir sind wertvoll, weil Gott uns liebt. Wer Gottes Liebe erwidert, geht den Weg der Heiligkeit und der Umkehr.

Ein neues Leben der Bekehrung

Eine einmalige Umkehr reicht nicht. Wer dabei stehen bleibt, fällt automatisch zurück im geistlichen Leben. Da wir Sünder sind, müssen wir täglich umkehren. Der hl. Papst Johannes XXIII. beschreibt in seinem Tagebuch, wie er täglich neu versuchte, Gott und die Nächsten zu lieben und nur Gutes zu reden. Er sei uns Vorbild und Fürsprecher!


Zuerst erschienen im ECHO von Medjugorje

Donnerstag, 5. Juni 2014

Eintauchen in die Esoterik

Wieder einmal ein kurzer Auszug aus dem Buch "GEFÄHRLICHE MEDITATION" von Renate Frommeyer

Die Autorin, die 20 Jahre in der Esoterik-Szene gefangen war, berichtet, wie sie durch Yoga zur Transzendentalen Meditation kam, wie sie als Geistheilerin erfolgreich wirkte, wie sie von Gurus und der Götzin Meera abhängig wurde und Gesundheit, Familie und Vermögen aufs Spiel setzte. Ein spannender, informativer und wahrer Insiderbericht, der warnen und Hilfe aufzeigen möchte.

Getrieben von einer tiefen unbewussten Unerfülltheit probierten wir – wie fast alle TM-Praktizierenden – zusätzlich mehr oder weniger intensiv alle möglichen esoterischen und okkulten Praktiken und Heilmethoden aus, z.B. Astrologie, Reiki, Pendeln, Rutengehen, Bach-Blütentropfen, Homöopathie und vieles andere mehr. So legte ich mir vor dem morgentlichen Meditationsprogramm erst einmal die Tarot-Karten und schaute in dem Buch Yì Jīng * nach, was der Tag mir wohl bringen werde. Unter den Meditierenden kursierten auch Namen und Anschriften verschiedener Medien, Wahrsager und Hellseher. Wie fast alle unsere Bekannten aus der Szene fuhren auch wir überall hin. Wir ließen uns beraten, besprechen, „heilen“ sowie die Vergangenheit und die Zukunft weissagen. Sogenannte Hellseher erzählten uns, wer oder was wir in früheren Leben gewesen sein sollten.
Von einem uns bekannten Mädchen wurde behauptet, es sei das Kind gewesen, welches Jesus in die Mitte der Apostel gestellt habe. Ich selbst bildete mir ein, dass ich unter anderem Kleopatra gewesen sei; alle hatten ähnliche kuriose Vorstellungen.
Wenn ich darüber Zeugnis gebe, fällt es vielen Menschen schwer, das zu verstehen. Wir lebten in einer Scheinwelt, einer absolut illusionären Szene. Nach unserer Be-kehrung erkannten wir, dass wir weder mit den Füßen auf dem Boden der Realität, noch mit dem Kopf und der Seele bei Gott waren. Heute wissen wir: Unsere Seele stammt von dem Dreifaltigen Gott, dem Vater, Sohn und Heiligen  Geist. Auf ihn hin ist sie für die Ewigkeit ausgerichtet. Sie sehnt sich nach dem einen wahren Gott, deshalb können ihr all die tausenderlei esoterischen Praktiken und Gurus keine Erfüllung bringen. So irrt die Seele immer weiter, auf der Suche nach dem wahren Glück. Auch unser jahrzehntelanger Weg in der Esoterik war eigentlich eine Suche nach Gott.
Während dieser Zeit machten wir erstaunliche und teils gefährliche Erfahrungen. Mehrmals bin ich z.B. aus meinem Körper ausgestiegen. Dies geschah immer, wenn ich an mehrwöchigen Intensivkursen teilnahm. Das erste Mal lag ich nach dem Meditationsprogramm zur Entspannung auf meinem Bett. Auf einmal spürte ich, wie mein Bewusstsein wie ein feiner Faden aus meinem Kopf herausgezogen wurde. Von der Zimmerdecke herab sah ich meinen Körper auf dem Bett liegen. Da meine Kinder während dieses Kurses bei Verwandten untergebracht waren, kam mir der Gedanke, dass ich sie jetzt eigentlich besuchen könnte. In diesem Augenblick überkam mich jedoch Angst bei der Vorstellung, welchen Geistern ich dabei wohl begegnen würde. Im gleichen Moment zog es mich zurück in meinen Körper.
Das zweite Mal machte ich diese Erfahrung während eines mehrwöchigen Kurses, in dem wir durch stundenlanges Meditieren auf die Einweihung in die Flugtechnik vorbereitet wurden. Während ich meditierend auf meinem Bett saß, fühlte ich, dass mein Bewusstsein aus dem Körper gezogen wurde. Ich befand mich weit oben in der Luft, eine unbeschreibliche Leichtigkeit und Freiheit erfüllte mich. Beim Anblick meines Körpers dachte ich: „In diesen Betonklotz gehe ich nie wieder zurück!“ Im gleichen Moment hatte ich den Eindruck, folgende Worte zu hören: „Wo im ganzen Universum willst du dich verstecken, um am Schicksal dieser Erde nicht beteiligt zu sein?“
Da ich zu erkennen glaubte, dass es für mich nirgendwo einen Flucht- oder Rückzugsort geben würde von meiner Erdenaufgabe, unter der ich damals die Verwirklichung der Ziele der TM und ihres Gründers Maharishi verstand, kehrte ich im gleichen Augenblick wieder in meinen Körper zurück. All dies geschieht in Gedankenschnelle. Kaum entsteht ein Impuls, ist er auch schon umgesetzt.
Mein Mann machte ähnliche Erfahrungen. Er fand sich oft im Weltraum wieder, wobei er dieses Losgelöstsein als beglückende Freiheit empfand. Anders als bei Nahtoderfahrungen von Christen kamen wir nicht geläutert oder mit einer tiefen Sehnsucht nach Gott erfüllt zurück. In der TM-Szene ist es vorgekommen, dass Menschen nicht wieder in ihren Körper zurückfanden und starr liegen blieben. In diesem Zustand wurden sie zu MMY in die Schweiz gefahren. Ich weiß nicht, was dort mit diesen Menschen geschah. Da wir ein absolutes Vertrauen zu dem Guru hatten, haben wir niemals nachgefragt.
In dieser Zeit übte ich auch einen Sprachengesang aus, doch betete nicht der Heilige Geist in mir (vgl. Röm 8,26), sondern die Geister der Unterwelt. Nach der Bekehrung schauderte es uns, wenn dieser esoterische Gesang mir noch einmal über die Lippen kam. Auf meine Bitte hin schenkte Gott mir dann ein christliches Sprachengebet, in dem ich ihn als den Schöpfer allen Seins lobe und preise. Wir haben erkannt, dass Satan wirklich der Affe Gottes ist und alles nachzuahmen versucht. Wenn wir ihm nur einen kleinen Spalt unserer Seele öffnen, nimmt er nach und nach immer mehr Raum ein, bis er die Seele ganz besetzt hat.
Ein geflügeltes Wort in der Meditations-Szene lautet: „Wir sind eben offen für alles.“ Und auf diese Offenheit waren wir stolz. Später sagte mir einmal ein Priester: „Wer offen ist für alles, der kann nicht ganz dicht sein!“ Diese Erkenntnis wurde wohl auch dem Akademieleiter zuteil, der als TM-Lehrer viele Menschen in die Praxis der TM eingeführt hatte. Für uns alle ganz überraschend verließ er nach etwa drei Jahren plötzlich die Akademie, um in ein Priesterseminar einzutreten. Heute ist er Priester und ein bekannter christlicher Autor, der eine bestimmte Gebetsweise in Seminaren vermittelt und in vielen christlichen Medien präsent ist.
Die Akademie wurde von der TM-Bewegung übernommen und unter wechselnder Leitung weitergeführt. Man riss alte Gebäude ab, andere wurden umgebaut für weitere Aktivitäten im Geiste der TM. Inzwischen musste Insolvenz angemelden werden.
(...)

*Das Yì Jīng (I Ging) ist der älteste Text der chinesischen Klassik (10. bis 8. Jh. v. Chr., der Kommentar stammt aus dem 4. bis 2. Jh. v. Chr.). Es heißt soviel wie „Buch der Wandlungen“ und enthält Zeichnungen (Hexagramme) und zugeordnete kommentierte Sprüche, die als Orakel dienen.


Auszug aus dem Buch "GEFÄHRLICHE MEDITATION" von Renate Frommeyer, erhältlich beim Miriam Verlag