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Samstag, 19. März 2016

DER HEILIGE JOSEF

Traditionell gilt der Monat März als der „Josefsmonat“, dessen Festtag die Kirche am 19. März feiert.
Die große hl. Kirchenlehrerin TERESA VON AVILA erwähnt den hl. Josef häufig. Sie trug maßgeblich dazu bei, sein Andenken in der Kirche zu fördern und scheint die Erste gewesen zu sein, die Kirchen zu seiner Ehre erbauen ließ.

Nachdem Teresa mit jungen Jahren in das Karmelkloster in Avila eingetreten war, erkrankte sie an einer schmerzlichen Krankheit, die sie an den Rand des Grabes brachte. Nach mehrtägiger Ohnmacht war Teresa völlig gelähmt und erbat die Feier hl. Messen im Anliegen ihrer Heilung. Mit innigem Gebet wandte sie sich vertrauensvoll an den hl. Pflegevater Jesu. In ihrer Biographie schreibt sie:
„Er ließ seine Macht und Güte hell aufstrahlen. Ihm sei gedankt! Ich fühlte meine Kraft zurückkehren; ich konnte aufstehen und gehen, ich war nicht mehr gelähmt. Seine Hilfe offenbarte sich auf ganz greifbare Weise (...) Um das Glück voll zu machen, erhörte er mich jederzeit und über
alle meine Erwartungen hinaus.“


Später schrieb Teresa: „Schon seit Jahren erbitte ich mir für das Fest des hl. Josef stets eine besondere Gnade, und immer bin ich erhört worden. Ist meine Bitte weniger gut und nicht ganz der Ehre Gottes gemäß, so weiß er in bewundernswerter Weise sie zum Besseren zu lenken und so noch vorteilhafter für mich zu machen.“

Teresa empfiehlt: „Wer einen Führer auf dem Weg zum inneren Gebet und innerlichen Leben braucht, soll den hl. Josef als Führer nehmen, und er wird in ganz kurzer Zeit zum Ziel kommen. Wer immer meinen Worten nicht glauben will, den bitte ich um der Liebe Gottes willen, einen Versuch zu machen; er wird dann erfahren, welch großen Nutzen es bringt, wenn man sich diesem glorreichen Patriarchen empfiehlt und ihn mit Andacht verehrt.“

Im Blick auf den hl. Josef und all das, was sie im Vertrauen auf seine Fürbitte bei Gott erlebte, schreibt Teresa schließlich: „Ich erinnere mich nicht, ihn bis zum heutigen Tag je um etwas gebeten zu haben, das er mir nicht gewährt hätte. Ja, es ist zum Erstaunen, welch große Gnaden mir Gott durch die Vermittlung dieses glückseligen Heiligen verliehen und aus wie vielen Gefahren des Leibes und der Seele er mich durch ihn befreit hat!“

Traditionell ist der Mittwoch der Tag, an dem besonders des hl. Josef gedacht wird. Er wartet nur darauf, dass wir ihn in unser Leben einladen und seine Fürsprache in Anspruch nehmen, zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen. Verehrt den hl. Josef!

(Aus: Isenegger/Holböck, Verehrt den hl. Josef)

Freitag, 12. Juni 2015

Das Band zwischen Leib Christi und Wort Gottes

Die kanadische Ordensfrau Mutter Julienne du Rosaire (1911 - 1995) war geradezu „verliebt“ in die hl. Eucharistie und liebte die eucharistische Anbetung. Sie gründete 1948 die „Dominikaner-Missionarinnen von der Anbetung“, seit 2008 ist ihr Seligsprechungsverfahren in Rom anhängig.

Klein von Gestalt, mit einem großen Herzen für Gott und die Mitmenschen, wurde Mutter Julienne zur begeisterten Lehrerin aller, die wie der Lieblingsjünger Johannes nahe am eucharistischen Herzen Jesu ruhen möchten. In ihren oft spontan gehaltenen Betrachtungen umriss sie in wenigen Worten die Facetten des Mysteriums der Liebe Gottes. Dazu gehören folgende Auszüge aus Mutter Juliennes Ansprache, in der sie uns eine Fülle von tiefen Gedanken über das untrennbare Band schenkt, das den Leib Christi (die Eucharistie) mit dem Wort Gottes (dem Evangelium) verbindet:

 

Evangelium und Eucharistie


Zwei Tische sind uns bereitet: das Evangelium und die Eucharistie.
Das Evangelium: Christus in Seiner historischen Wirklichkeit.
Die Eucharistie: Christus in Seiner heutigen Wirklichkeit
Das Evangelium: Botschaft der Liebe.
Die Eucharistie: Testament der Liebe.
Das Evangelium: das heilige Buch.
Die Eucharistie: das heilige Zeichen.
Das Evangelium: lebendiges Beispiel.
Die Eucharistie: lebendiges Brot.
Das Evangelium: Wort des Lichtes unter dem Schleier des Wortes.
Die Eucharistie: Wort des Lebens unter dem Schleier des Brotes.
Das Evangelium: Es annehmen heißt, das Wort empfangen und sich ihm öffnen.
Die Eucharistie: Sie essen heißt, das Wort in sich aufnehmen und sich vom Wort aufnehmen lassen.
Das Evangelium: Nahrung unseres Geistes.
Die Eucharistie: Nahrung unseres Herzens.
Im Evangelium sehen wir Jesus. In der Eucharistie verkosten wir Jesus. Im Evangelium wirkt Er durch Sein Wort, in der Gestalt des Buchstabens. In der Eucharistie wirkt Er durch Seinen Leib, in der Gestalt des Brotes.

Im Evangelium muss man Ihn betrachten und auf Ihn hören, um zu tun, was Er getan hat. In der Eucharistie muss man Ihn essen und sich essen lassen, um zu dem zu werden, was Er ist. Das Evangelium gibt uns die Eucharistie, und die Eucharistie gibt uns das Evangelium. Beide sind ein und dieselbe Wirklichkeit: Jesus Christus, das Wort Gottes in Seiner Menschheit, die große Liebe, die ihr Leben hingibt. Um Ihn gut zu kennen und zu lieben, müssen wir von dem Wort und dem Brot essen.   
(Aus: Mutter Julienne du Rosaire, Das eucharistische Herz Jesu)

Mittwoch, 6. Mai 2015

DIE TUGENDEN MARIENS

Vor beinahe 400 Jahren schrieb die spanische Äbtissin Maria von Agreda ihre Offenbarungen über das Leben der Gottesmutter nieder. Dieses Werk beruht auf Visionen und beschreibt das Leben Mariens von ihrer Empfängnis bis zum Tod, wobei besonderes Gewicht darauf gelegt wird, wie sie durch ihre Tugenden Gott verherrlichte.
Dieses Werk, aus dem untenstehendes Zitat stammt, kann Laien und Ordensleuten Impulse für eine vertiefte Spiritualität schenken, um nach Mariens Beispiel in den Tugenden zu wachsen. Für die Mystikerin Maria von Agreda, die 1665 im Ruf der Heiligkeit starb und deren Leib bis heute unverwest in einem Schrein in Agreda zu sehen ist, wurde aufgrund ihrer Tugenden ein Seligsprechungsprozess eingeleitet.


Die Tugend der Mäßigkeit

Sanftmut bezähmt den Zorn, Milde mäßigt die Strafe. Maria hatte keinen Zorn zu bezähmen. Diese natürliche Anlage gebrauchte sie nur in Starkmut gegen die Sünde und gegen den Satan. Sie verlangte nie, Menschen zu bestrafen. Kein Anlass erregte ihren Zorn. Immer blieb ihre innere und äußere Ruhe vollkommen sanft, unveränderlich und unnachahmlich. Bei ihr gab es keine Veränderung der Miene, in der Stimme oder in den Bewegungen, die Regungen des Zornes bekundet hätten. Der Herr benützte diese ihre Sanftmut und Milde als Werkzeug für Seine eigene und teilte durch sie alle Wohltaten und Wirkungen Seiner ewigen Erbarmungen aus.
Darum musste die Milde unserer lieben Frau im Verhältnis zur Milde unseres Herrn stehen (...) Um von den andern in der Mäßigung eingeschlossenen Tugenden würdig zu sprechen, namentlich von der Demut, Lebensstrenge und Armut der seligsten Jungfrau, bedürfte es Engelszungen und vieler Bücher. Von dem, was ich darüber zu sagen vermag, ist die ganze vorliegende Lebensgeschichte voll. Aus allen Handlungen Mariä leuchtet vor jeder anderen Tugend ihre unvergleichliche Demut hervor (...) Wunderbar war auch ihre Anmut und Lebensstrenge. Sie konnte über alle Geschöpfe als Herrin verfügen, aber sie verzichtete auf alles, was der Herr in ihre Hände gelegt hatte, um ihren heiligen Sohn nachzuahmen. Gleichwie der Vater seinem Sohn alles in die Hände gegeben hatte, so legte dieser alles in die Hände Seiner Mutter. Sie aber tat wie Er und verzichtete auf alles im Herzen und in der Tat zur Ehre Gottes.
Über ihre Sittsamkeit im Benehmen, ihre Sanftmut im Reden und ihr ganzes Äußeres genügt zu sagen, dass man sie wegen der unaussprechlichen Würde, die in alldem zutage trat, für ein übermenschliches Wesen hätte halten können, wenn der Glaube nicht gelehrt hätte, dass sie ein bloßes Geschöpf war.
 
(Aus: Maria von Agreda, Leben der jungfräulichen Gottesmutter Maria, Band 1, S. 424ff)

Samstag, 4. April 2015

Heiligkeit im Heiligen Land

Der 17. Mai 2015 ist für die Christen in den Ländern des Nahen Ostens ein Freudentag, denn es ist der Tag der Heiligsprechung von Mutter Maria Alphonsine Ghattas vom Rosenkranz sowie der Karmelitin Mirjam von Abellin.

 

Mirjam von Abellin


Mirjam von Abellin, die „kleine Araberin“, wurde am 5. Januar 1846 unweit von Nazaret im Dorf Abellin geboren, von wo aus man eine wundervolle Aussicht auf das Karmelgebirge und das Mittelmeer hat. Ihre armen Eltern hatten schon zwölf Kinder verloren. Mirjam war die Frucht inständigen Gebets und einer Wallfahrt nach Betlehem. Sie war noch keine drei Jahre alt, als ihre Eltern innerhalb weniger Tage starben, und wuchs bei einem Onkel in Ägypten auf. Dort überlebte sie auf wunderbare Weise das Attentat eines fanatischen Muslims, der ihr ihres christlichen Glaubens wegen die Kehle durchgeschnitten hatte.
Gott führte Mirjam schließlich in den Libanon und von dort nach Frankreich, wo sie bei den Josefsschwestern eintrat. Mit 20 Jahren empfing sie die Wundmale Jesu. Vom Josefskloster wechselte sie in den Karmel von Pau, unweit von Lourdes, und erhielt den Namen Sr. Maria von Jesus dem Gekreuzigten.
Ein kurzer Aufenthalt in Indien folgte, danach reiste sie in ihre Heimat, wo sie in Betlehem einen Karmel gründete, wie Gott es ihr in Visionen gezeigt hatte. Kurz vor Vollendung des Baus starb sie am 27. August 1878 mit 33 Jahren im Ruf der Heiligkeit. Ihr Leben war reich an Wundern, an Eingebungen des Heiligen Geistes und übernatürlichen Phänomenen (Ekstasen, Levitationen, Prophezeiungen etc.). Am 13. November 1983 erklärte der hl. Papst Johannes Paul II. sie anlässlich der Seligsprechung zur Friedenspatronin für den Nahen Osten. Sr. Mirjam von Abellin ist eine Art „Vorläuferin“ ihrer hl. Mitschwester Theresia von Lisieux (1873–1897).


Mutter Maria Alphonsine Ghattas


Eine in Europa wenig bekannte Heilige ist die 1843 in Jerusalem geborene Mutter Maria Alphonsine Ghattas vom Rosenkranz. Sie war nur drei Jahre älter als die hl. Mirjam von Abellin und zeichnete sich wie diese von Kindheit an durch ihre Frömmigkeit aus. Beide traten unabhängig von einander zuerst in ein dem hl. Josef geweihtes Kloster ein. Mutter Alphonsine gründete 1880 einen neuen Orden – den einzigen, der im Jerusalemer Patriarchat entstanden ist – die Rosenkranzschwestern. Es ist ein Orden für arabische Frauen, gegründet von einer katholischen Ordensfrau arabischer
Muttersprache.
Bereits zu Lebzeiten geschahen Wunder, so z.B. am 14. April 1886, als die 12-jährige Schülerin Nathira I‘d bei Bauarbeiten für ein Schwesternhaus in die Zisterne fiel und ertrank. Das ganze Dorf war in Aufruhr, doch niemand konnte die Schülerin retten. Nachdem Mutter Alphonsine in der Kapelle den Rosenkranz gebetet und die Gottesmutter um Hilfe angefleht hatte, warf sie ihren großen Rosenkranz ins Wasser. Wenig später tauchte die Schülerin aus der Tiefe auf, den Rosenkranz um den Hals. Sie berichtete, auf den Grund der Zisterne gesunken zu sein, wo sie plötzlich ein helles Licht und eine Leiter sah, die die Form eines Rosenkranzes hatte. Nathira betete fortan täglich den Rosenkranz mit den Schwestern.
Mutter Alphonsine starb am 25. März 1927 beim Rosenkranzgebet im Ruf der Heiligkeit. Erst nach ihrem Tod wurden ihre Visionen und mystischen Erlebnisse bekannt.

Visionen der Mutter M. Alphonsine

Pater Benedikt Stolz OSB (1895–1986) aus Düsseldorf, der selbst zwanzig Jahre in Jerusalem wirkte, lernte die hl. Mutter Alphonsine kurz vor ihrem Tod kennen. In seinem Büchlein "Heiligkeit im Heiligen Lande"gibt er einige ihrer Visionen wider. Eine Vision, in der die Gottesmutter Sr. Alphonsine die Gründung des neuen Ordens zeigte, den Maria wünschte, beschreibt Sr. Alphonsine wie folgt:
"Ich sah dort (im neuen Konvent) einen geschmückten Rosenkranzaltar. Eine Schwester betete kniend den Rosenkranz. Dann kam eine andere, um ihren Platz einzunehmen, Tag und Nacht. Meine Mutter, die Jungfrau, wiederholte immer, wie notwendig es sei, dass der Rosenkranz beständig im Konvent gebetet werde, von den Schwestern und den Mädchen. Ich sah alle Schwestern, wie sie den vollkommenen Gehorsam ausübten zu Ehren der freudenreichen Geheimnisse, eine große Armut zu Ehren der schmerzhaften Geheimnisse und eine reine Keuschheit zu Ehren der glorreichen Geheimnisse. Durch diese drei Tugenden verehren sie Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Diese freute sich darüber und schmückte ihre Seelen mit himmlischen Gunsterweisen (...) Jedes Mal, wenn ich die Gelegenheit hatte, sei es bei Tag oder bei Nacht, warf ich mich zu Füßen meiner Mutter Maria nieder und rief aus: „Mutter, Mutter, steh mir bei; lehre mich, wie und was ich tun soll!“ Da kam mir meine Mutter zu Hilfe. Sie erschien mir im Licht, strahlend in unvergleichlicher Schönheit. Sie kam mit dem Rosenkranz in der Hand. Sie gab mir ein, dass der Rosenkranz meine Waffe, meine Stärke und mein Schatz bei Gott sei ..."
(Aus: P. Benedikt Stolz, "Heiligkeit im Heiligen Lande)

Samstag, 6. September 2014

Nie müde, nie mutlos!


„Nie müde, nie mutlos! Die Geduld, sagt der Heiland zur hl. Katharina, lebt nur von Mühseligkeiten und ist die unzertrennliche Gefährtin der Liebe. Gott alle Ehre, meinen Schwestern alle Freude, und mir alle Arbeit! Wer durchhält und tut, was er kann, immer im Vertrauen auf Gott, dem gelingt alles.“

Sr. M. Bertilla

Mittwoch, 3. September 2014

Maria Bertilla - Helferin der Kranken

Im Jahr 1888 in Brendola nahe Venedig geboren, wuchs Anna Francesca Boscardin als ältestes Kind einer Bauernfamilie auf. Sie besuchte die Schule nur drei Jahre lang und arbeitete hart auf dem Feld. Von klein auf hatte sie eine Vorliebe für Gott und das Gebet, so dass sie – was damals eine große Ausnahme war – bereits mit acht Jahren zur hl. Kommunion zugelassen wurde. Doch ihr Leben war nicht einfach: Ihr Vater Angelo sagte später im Seligsprechungsprozess aus, er sei eifersüchtig, gewalttätig und oft betrunken gewesen. Darunter litt seine Familie sehr. Die kleine Anna, die keine herausragenden Talente zu besitzen schien, stieß trotz ihres friedlichen, ausgeglichenen Wesens sogar in ihrer Umgebung auf Ablehnung. Sie wurde das Ziel so mancher Spöttelei, man rief ihr nach, sie sei eine lahme Gans und dumm.

Mit 16 Jahren erfüllte sich für sie ein großer Traum, als die Dorotheenschwestern sie ins Noviziat aufnahmen. Zur Novizenmeisterin sagte Anna, die nun den Namen Sr. Maria Bertilla angenommen hatte: „Ich kann nichts. Ich bin ein armes Ding, eine Gans. Lehren Sie mich! Ich möchte eine Heilige werden!“

Im Kloster wirkte die Heilige zuerst in der Küche und in der Wäscherei, bis sie zur Krankenschwester ausgebildet wurde. Während des Ersten Weltkriegs zeigte sich die wahre Heiligkeit der einfachen Schwester, die sich sonst stets im Hintergrund hielt und nur durch ihre Frömmigkeit, unendliche Geduld und liebende Güte aufgefallen war. Sie betreute Kinder in der Isolierstation des Spitals, die an Diphterie litten, aber auch TB-Kranke, Kriegsverletzte und viele andere.

Nachdem bei ihr ein Tumor festgestellt worden war, starb sie im Alter von 34 Jahren nach einer Operation und heldenmütig ertragenem Leiden. Nur 42 Jahre später wurde sie von Papst Johannes XXIII. zur Ehre der Altäre erhoben. Auf die Fürbitte der hl. Maria Bertilla geschahen viele Heilungen.

Zeugenberichte über Sr. M. Bertilla

Eine Mitschwester bezeugt: „Während der Kriegszeit war ich mit Sr. Bertilla in einem Lazarett mit 60 Kranken, die ansteckende Krankheiten hatten. Wir waren dort drei Schwestern in der Zeit, als Treviso geräumt werden musste, als die Flugzeuge, das Donnern der Kanonen und das Knattern der Maschinengewehre überall Schrecken verbreiteten und Kugeln Tag und Nacht durch die Fenster flogen. Was aber tat Sr. Bertilla beim ersten Alarmzeichen? Schweigend griff sie zum Rosenkranz und ging ganz bleich durch die Baracken, um die Kranken zu holen.

Die, die nicht gehen konnten, nahm sie auf ihre Arme und trug sie in die Kirche, wobei sie immer wieder sagte: ,Habt keine Furcht, meine Lieben, wir sind bei Jesus.‘ (Die Kirche befand sich im Erdgeschoß, und dorthin trug sie die Kranken aus den oberen Stockwerken.) Nachts überquerte sie unter dem Feuer der Geschütze unerschrocken und voll Vertrauen den Hof. Die Splitter der Granaten schlugen ringsum ein. Wir sagten ihr immer wieder: Genug, Sr. Bertilla, passen Sie auf, dass wir nicht noch im Hof verbrennen! Sie antwortete, sie könne nicht ruhen, bevor sie nicht alle in Sicherheit gebracht habe. Ihre Liebe war heroisch!“

In ihrer freien Zeit versammelte Sr. Bertilla die Kinder um sich, die nicht das Bett zu hüten brauchten, und führte sie in die Kapelle des Hospitals. Dort hieß sie die Kinder entweder an der Kommunionbank oder auf der ersten Stufe des Altars niederknien und betete mit ihnen leichte und kurze Gebete. Die Allerkleinsten hob sie sogar in die Höhe, um ihnen das Türchen des Tabernakels zu zeigen, und belehrte sie, dass der Heiland darinnen sei, der uns so sehr liebt.

Ein Mädchen von acht Jahren brach beim Verlassen des Krankenhauses in bitteres Weinen aus. „Warum weinst du?“, fragten die Ärzte, „freust du dich nicht auf zu Hause?“ Das Kind antwortete: „Ich weine, weil ich die Schwester so lieb habe!“ Sie meinte Sr. Bertilla. Wie oft riefen die Kranken voll Erstaunen: „Diese Schwester verliert nie die Geduld!“ Professor Rubinati, der Chefarzt, sagte über sie: „Welche Ergebenheit bei Zurechtweisung! Nie ein Wort der Rechtfertigung, nie eine Widerrede! ... Sie war eine ideale Schwester, eine Krankenpflegerin ohnegleichen!“

Aus Sr. Maria Bertillas Tagebuch

„Alles für Jesus und seine Liebe; alles sei zur größeren Ehre Jesu!“

„Gehorsam in allem, besonders in den kleinsten Dingen! Ich will mir immer vor Augen halten, dass eine Schwester ohne Gehorsam nichts anderes ist als eine Maske.“

„Ich will die Augen beherrschen, besonders in der Kirche. Ich will nur umherschauen, wenn es notwendig ist ... Wieviel Unheil stiftet die Phantasie an und hat sie schon angestiftet! Heute will ich immer entweder an Jesus denken oder an das, was mein Amt von mir verlangt.“

Heilung auf Fürsprache Sr. Bertillas

Der 15-jährige Ottogrino Grigolato stürzte im Mai 1923 vom Fahrrad und fiel ins Koma. Die Ärzte stellten später eine Gehirnentzündung fest. Nach vier Tagen waren der linke Arm und das linke Bein gelähmt. Kurz darauf wurden ihm die Sterbesakramente gespendet, denn die Ärzte hielten den Fall für verloren. Sie sagten, nur ein Wunder könne noch helfen. Die Krankenschwester riet den verzweifelten Eltern, die wenige Monate zuvor im Ruf der Heiligkeit verstorbene Sr. Maria Bertilla anzurufen. Man begann sofort mit einer Novene, um die Heilung zu erbitten. Am selben Abend trat eine Besserung ein, tags darauf war das Fieber verschwunden. Am dritten Tag der Novene verschwand die Lähmung, am sechsten Tag wurde der Junge von den Ärzten entlassen, da er völlig gesundet war.

Im März 1925 wurde beim Landwirt Sebastian Fasan aus San Martino di Lupari ein bösartiger Tumor am Oberkiefer diagnostiziert. Bald darauf konnte Sebastian nicht mehr schlucken. Die Ärzte rechneten mit seinem Tod innerhalb einer Woche. Eine Krankenschwester gab ihm ein Bild der Sr. Bertilla, das er mit nach Hause nahm. Am selben Abend betete seine Familie mit den Nachbarn die ersten Gebete einer Novene zu Sr. Bertilla. Am Schluss der Gebete fühlte der Kranke ein Nervenzucken, und es schien ihm, als ob sich etwas entspanne. Er bat um Wasser und konnte es schlucken. Danach konnte er sogar Suppe zu sich nehmen. Er hatte keine Schmerzen mehr. Am folgenden Tag aß er mit seiner Familie ohne irgend eine Schwierigkeit: Er war geheilt.

Aus: P. Benedikt Stolz OSB, "Maria Bertilla"

Samstag, 30. August 2014

Sich dem Willen Gottes anvertrauen


"Lebendiger Glaube ist, sich dem Willen Gottes anvertrauen; überzeugt sein, dass die Gnade, die Gott schenkt oder nicht, dass das, was geschieht, immer dass Bessere für uns ist."

Heiliger Josef von Copertino

Montag, 25. August 2014

Die vergessene Familie


„Die Familie ist das Vaterland des Herzens“, sagt ein geflügeltes Wort. Ohne Familie wird unser Herz über kurz oder lang an Heimweh erkranken. Das Heimweh der Herzen nach der Liebe einer Familie scheint heute zu einer Volkskrankheit geworden zu sein. Das Heer der Einsamen wächst, Alleinsein wird zur Epidemie. Selbst wer eine wundervolle Familie hat, ist nicht gefeit vor Zeiten der Einsamkeit. Denn auch die beste Familie kann nicht stets da sein, wenn wir sie brauchen. Trotzdem sind wir nie allein. In jedem Moment sind wir mit der „vergessenen Familie“ verbunden – mit unseren Eltern und Geschwistern in Christus, die uns in die Ewigkeit vorausgegangen sind. Obwohl sie zur „Gemeinschaft der Heiligen“ gehören, denken wir wenig an sie. In Christus aber bilden sie unsere Familie, die Kirche, zu der die auf Erden lebenden Christgläubigen genauso gehören wie die Verstorbenen, die noch in der Läuterung befindlich sind, sowie all jene, die sich bereits in der himmlischen Seligkeit befinden (vgl. KKK 962).

Die Gemeinschaft der Heiligen

Von der seligen Anna Katharina Emmerick († 1824) wissen wir, dass sie als kleines Mädchen oft den hl. Johannes der Täufer in Gestalt eines Kindes sah, der sie begleitete in ihrem Beten und Arbeiten. In neuerer Zeit leuchtet das Beispiel des nordvietnamesischen Bruders Marcel Van auf: Nach der Lektüre der Geschichte einer Seele, dem Tagebuch der hl. Theresia von Lisieux († 1897), bat er Gott um die Gnade, dass diese Heilige ihm auf seinem Lebensweg beistehe. Wie staunte Bruder Marcel, als die hl. Theresia kurz darauf selbst zu ihm zu sprechen begann! Wie eine leibliche Schwester stand sie ihm bei auf seinem Weg zur Heiligkeit, bis er mit nur 31 Jahren im Jahr 1959 in einem kommunistischen Arbeitslager starb (vgl. Bruder Marcel Van – Kurzbiographie).„Selig sind, die nicht sehen, aber doch glauben“ (Joh 20,29), sagte Jesus. Wir haben keine Visionen von den Heiligen, sind aber eingeladen, an die Gemeinschaft der Heiligen zu glauben, unseren Weg im Alltag „an der Hand der Heiligen“ zu gehen, sie kennenzulernen, ihre Biographie zu lesen. Ihr Vorbild kann und will uns Mut, Inspiration und Hilfe schenken auf unserem Weg.
Warum bitten wir die Heiligen nicht häufiger um ihren Beistand? Sie kennen die Versuchungen und Prüfungen des Lebens und warten nur darauf, vor Gott fürbittend für uns einzutreten. Doch nicht nur in Notlagen sind die Heiligen verlässliche Begleiter. Man kann z.B. den Patron der Heimatpfarrei oder des Wohnorts bitten, uns auch im Alltag beizustehen und uns zu inspirieren, wie wir nach seinem Beispiel die Liebe zu Gott und den Mitmenschen leben können, auch wenn es oft nicht leicht ist. Wer sich um Angehörige sorgt, kann deren Namenspatrone um besonderen Schutz für sie bitten. Steht eine schwierige Begegnung bevor, dürfen wir die Namenspatrone beider Parteien einladen, betend „dabei zu sein.“
Wer Kranke pflegt, wird im hl. Bruder Konrad von Parzham eine Stütze finden, und wer Kinder betreut, dem sei der hl. Don Bosco ein Freund und Helfer. Ein Blick zu den Heiligen, die auch in schweren Zeiten Gott und die Menschen liebten, schenkt uns neuen Mut und vertreibt das Selbstmitleid sowie die Einsamkeit.

Erinnerung an die Entschlafenen

Zur „vergessenen Familie“ gehören heute vor allem unsere Verstorbenen: aus den Augen, aus dem Sinn ... Das gilt vor allem für die vor langer Zeit Verstorbenen. Der Katechismus (KKK 958) stellt fest: „Unser Gebet für die Verstorbenen kann nicht nur ihnen selbst helfen: wenn ihnen geholfen ist, kann auch ihre Fürbitte für uns wirksam werden.“ Die Mystikerin Mechthild Thaller-Schönwerth († 1919) bezeugt die Dankbarkeit der Seelen im Fegefeuer, für die sie Gebete und Werke der Sühne aufopferte. Nachdem ihnen dadurch geholfen worden war, wurde die Fürbitte dieser Armen Seelen wirklich „wirksam“: Mechthild bezeugt, dass diese Seelen ihr sogar ganz real bei schwerer Arbeit halfen, die sie allein kaum geschafft hätte. „Die geringste unserer Handlungen wirkt sich, wenn sie aus Liebe geschieht, zum Vorteil aller aus. Dies geschieht in der Solidarität mit allen lebenden und toten Menschen, die auf der Gemeinschaft der Heiligen gründet“ (KKK 953).
Der Alltag bietet jedem von uns zahl reiche Gelegenheiten, diesen Vorteil zugunsten aller Lebenden und Verstorbenen praktisch umzusetzen. Vielleicht strapaziert jemand meine Geduld, dann kann ich z.B. den hl. Franz von Sales durch ein Stoßgebet um seine Sanftmut bitten. Gleichzeitig wird der Vorfall zu einem Gebet, wenn ich Gott bitte, den Seelen im Fegfeuer dadurch eine Gnade zu schenken. Auch alles Frohe können wir mit unserer „vergessenen Familie“ teilen und die Heiligen bitten, unsere Freude wie ein Geschenk vor Gott zu tragen und ihn zu bitten, dadurch einem Leidenden Gnade zu schenken.
„Wer glaubt, ist nie allein!“, sagte Papst Benedikt XVI. Wir sind eingeladen, unsere Bande der Freundschaft zu erneuern, die uns mit den Heiligen und mit den Verstorbenen verknüpfen. Wenn wir weltlich leben, bleibt das Leben flach und eindimensional, weil die Welt uns lehrt, vor allem an uns selbst zu denken. Die Gemeinschaft der Heiligen, zu der wir uns jeden Sonntag im Credo bekennen, macht unser Leben noch reicher, tiefer und dreidimensional, dreifaltig. Deshalb sagt Paulus (Eph 3,17ff): „In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt.“

Beatrix Zureich

Zuerst erschienen in "Maria - das Zeichen der Zeit" (MZZ) Nr. 163

Sonntag, 17. August 2014

Die Göttliche Liebe



Wer in sich das Feuer der göttlichen Liebe wünscht, muss den Rauch der Dinge der Welt bei sich vertreiben.

Heiliger Josef von Copertino

Donnerstag, 14. August 2014

Kleine Geschichten - Große Wahrheiten

Band 3 der beliebten Kurzgeschichten-Reihe von P. Pierre Lefèvre ist erschienen!

83 Kurzgeschichten, die illustrieren, was es heißt, das Vaterunser und die Sakramente im Alltag zu leben. Heilige wie Kyrill und Methodius oder der selige Frédéric Ozanam gehören ebenso zu den "Helden" der Geschichten wie Menschen aus Europa, Amerika oder Asien, die im Alltag, im Krankenhaus oder am Arbeitsplatz ihren Mann stehen. 
210 Seiten, broschiert / Art.Nr.: 1405 / Preis: € 10.00

Mittwoch, 13. August 2014

Der fliegende Heilige

Zu den faszinierendsten Heiligen gehört der Franziskanerpater Josef Maria von Copertino (1603 - 1663) aus der Provinz Apulien in Süditalien. In einem Stall geboren, erlebte er schon in jungen Jahren Armut, Krankheit und Ablehnung. Der Schüler aber konnte auch in tiefes Staunen versinken – beim Klang der Orgel, bei der Erwähnung des Namens Jesus ... Fasziniert vom Leben des hl. Franziskus wollte er diesem nachfolgen. Doch sein Weg ins Kloster war dornig, mehrfach wurde er „wegen Unfähigkeit“ abgewiesen, bis er endlich Franziskanerminorit werden durfte. Er schien zwei linke Hände zu haben, tat sich schwer beim Lernen und schien oft geistesabwesend zu sein. Mit äußerster Mühe, durch viel Gebet und die Hilfe der Mutter Gottes schaffte er das Priesterstudium schließlich doch.
Bald merkten die Menschen nun, wie hoch er, der „Unfähige“, begnadet war: Unzählige Male schwebte er verzückt in der Luft, er hatte Visionen über die Zukunft, besaß die Gabe der Heilung und der Herzensschau. Seine charismatischen Gaben waren dermaßen spektakulär, dass viele ihn aufsuchten, einfaches Volk wie Gelehrte und Adlige. Doch der Heilige litt auch unter Verdächtigungen und Unverständnis und wurde, um dem Ansturm der Massen zu begegnen, von Kloster zu Kloster geschickt und immer mehr vor der Öffentlichkeit abgeschottet. Noch heute erfährt der hl. Josef von Copertino vor allem in seiner Heimat eine große Verehrung. Eine Kurzbiographie mit Novene und Gebeten, aus der die folgende Leseprobe stammt, möchte ihn auch hierzulande bekanntmachen.

Die letzten Jahre

Auf Bitten seiner Mitbrüder wird Pater Josef im Jahr 1657 in dem Kloster der Franziskaner-Konventualen in Osimo aufgenommen, das in der Mark Ancona liegt. Bereits bei seiner Ankunft sieht er über der Basilika von Loreto die Engel auf- und niedersteigen. Bei diesem Anblick gerät er in Ekstase und fliegt hinauf zum Giebel einer Scheune – zum heillosen Entsetzen der mitreisenden Brüder. Obwohl er auch dort ein Gefangener seiner Zelle ist, weiß er dennoch um die Gebetsanliegen, die an die Gemeinschaft herangetragen werden, um sich den Beistand des berühmten Heiligen und Wundertäters zu sichern. Br. Josef versöhnt Zerstrittene, heilt Kranke, spricht Prophezeiungen aus, hebt immer wieder in Verzückung ab, tanzt mit einer Nachbildung des Jesuskindes in seinen Armen und singt dabei vor Glück. Er hört nicht auf, für die Anliegen seiner Mitmenschen zu beten und zu opfern.

Nach monatelangem Fieber stirbt Josef Maria von Copertino am 18. September 1663 in Osimo im Kreis seiner Mitbrüder. Ein sanftes Lächeln umspielt seine Lippen. Plötzlich wird sein Haupt von einem hellen Licht umstrahlt. Friedlich und entspannt ruht sein Leib, wie im Schlaf, ohne eine Spur des Leidens oder eines Todeskampfes. Pater Josef hat seine Seele dem Schöpfer zurückgegeben.

Die Verehrung des Heiligen

Schon bald kommt es am Grab von Pater Josef in der Klosterkirche von Osimo zu auffälligen Gebetserhörungen und Wundern. Das einfache Volk verehrt den, der im Ruf der Heiligkeit starb, als einen mächtigen Fürsprecher. Auch die Kirche bestätigt sein heiligmäßiges Leben: Im Jahr 1753 wird Josef Maria von Copertino von Papst Clemens XIII. selig- und vierzehn Jahre später heiliggesprochen. Besonders in seiner süditalienischen Heimat erfreut sich der „fliegende Heilige“ bis heute großer Popularität. Er ist ein Patron der Schüler und Studenten, die ihn bei Prüfungen um Hilfe anrufen. Auch die Piloten, vor allem der (argentinischen) Luftwaffe, wenden sich an ihn als ihren Schutzpatron. Im Jahr 1963 wird er schließlich zum Schutzpatron der Weltraumfahrer ernannt. Josef von Copertino gilt als einer der bemerkenswertesten Heiligen der christlichen Mystik, doch auch zu den am wenigsten verstandenen. Er wollte nur das Eine: den Willen Gottes erfüllen. Ja, er war geradezu verrückt nach Gott. Diese Verrücktheit erfasste nicht nur seine Seele, sondern auch den ganzen Leib, der buchstäblich hinaufgezogen wurde zu Gott. Unzählige Gläubige aller Stände suchten ihn auf. Aufgrund seiner Gabe der Herzensschau wurde er vor allem von dem einfachen Volk verehrt, das seine Nähe suchte und seinen Rat annahm. Seine von Gott eingegossene Wissenschaft setzte selbst gelehrte Theologen immer wieder ins Staunen. Die Zeit seiner Isolation nutzte P. Josef zu Gebet, Gesang und Dichtung. So ist von ihm eine umfangreiche geistliche Spruchsammlung erhalten.

Aus: Gottfried Egger, Heiliger Josef von Copertino – Patron der Studenten

Montag, 11. August 2014

Heiliger Josef von Copertino - Patron der Studenten

Aktuell ist ein neues Büchlein im Miriam-Verlag erschienen, in dem Pater Gottfried Egger aus dem Leben des Heiligen Josef von Copertino erzählt.


Der aus dem süditalienischen Apulien stammende Franziskaner führte ein sehr bewegtes Leben. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine außergewöhnlichen Charismen: er besaß die Gabe der Herzensschau, der Prophetie, der Heilung und der Levitation (Schweben). Letzteres brachte ihm den Namen "Heiliger der Flüge" ein. Der vor allem in Italien sehr verehrte Josef von Copertino ist der Patron der Schüler und Studenten und wird auch in schweren Anliegen um Fürbitte angerufen.

Zu beziehen beim Miriam-Verlag

48 Seiten, geheftet / Artikelnummer: 1404 / ISBN 978-3874494045 / Preis: € 2.00

Dienstag, 8. Juli 2014

1873: Ein Josefswunder in Santa Fé

Welch außerordentliche Früchte das Gebet um die Fürbitte des hl. Josef haben kann, zeigt ein Ereignis aus dem Jahr 1873 in Santa Fé, USA. Schwester M. Florian berichtet.

Unsere Schwestern hatten beschlossen, von mexikanischen Zimmerleuten eine Kapelle nach dem Muster der „Sainte Chapelle“ in Paris bauen zu lassen. Nach den Plänen des Architekten P. Mouly wurde das Gebäude in fünf Jahren errichtet. Die Kapelle war 22,5m lang, 7,5m breit und 25,5m hoch. Als der Bau fast fertig war, bemerkte man mit Erschrecken einen Konstruktionsfehler. Die Kapelle war sehr schön geworden, ebenso auch die Empore an der Rückwand. Doch es gab keinen Weg, um von unten nach oben zu kommen, man hatte den Treppenaufgang vergessen! Verschiedene Fachleute wurden zu Rate gezogen, und von allen kam dieselbe Antwort: „Nichts zu machen! Für eine Treppe reicht der Platz nicht aus. Es gibt nur eine Lösung: entweder eine Leiter benützen oder die ganze Empore neu bauen.“
Man kann sich die Entäuschung und Ratlosigkeit der Schwestern vorstellen. Doch als Frauen mit starkem Glauben beschlossen sie, vorerst nichts zu unternehmen, sondern statt dessen eine Novene zum hl. Josef zu beten und die Hilfe der göttlichen Vorsehung abzuwarten.
Am letzten Tag der Novene klopfte ein Mann mit grauem Haar und einem Esel, der mit einer Werkzeugkiste beladen war, an die Tür und wünschte mit Schwester Magdalena, der damaligen Oberin, zu sprechen. Er wollte sich gern beim Bau der besagten Treppe nützlich machen, worüber die Mutter Oberin geradezu entzückt war. Nach dem Zeugnis mehrerer Schwestern, die ständig beim Bau zugegen waren, benutzte der geheimnisvolle Handwerker für seine Arbeit nur eine Säge, ein Winkelmaß und einen Hammer. Anstelle von Nägeln verwendete er hölzerne Nieten. Sie entsannen sich, auch einige Bottiche gesehen zu haben, in welchen Holzstücke in Wasser eingeweicht lagen.
Als Mutter Magdalena den unbekannten Baumeister nach erfolgreicher Arbeit entlohnen wollte, war dieser nicht mehr aufzufinden. Alle Nachforschungen blieben erfolglos, und im Bauholzlager vor Ort gab es nicht einmal einen Kaufbeleg für das verwendete Holz.
Die Treppe ist eine Konstruktion mit 36 Stufen in zwei Spiralen von genau 360 Grad, ohne jegliche Zentralstütze. Sie läuft von der Empore nach unten auf den Fußboden, und wird nur von diesen gestützt. Man spürt beim Begehen der Treppen eine gewisse Elastizität, was sich in einer leichten vertikalen Schwingung äußert, wie etwa bei einer großen Sprungfeder. Viele Architekten und Konstrukteure aus dem Ausland haben im Laufe der Jahre dieses Meisterwerk der Baukunst besichtigt und untersucht. Sie alle sind erstaunt, dass diese Treppe nicht in sich zusammengestürzt ist. Doch sie steht nach über 100 Jahren täglicher Benutzung immer noch. Das Holz weist eine große Härte auf und stammt mit Sicherheit nicht aus New Mexiko. Seine Herkunft konnte bis heute noch nicht abschließend geklärt werden.
Ist der hl. Josef selbst der Baumeister? Die Schwestern sind davon überzeugt, dass diese Treppe die Antwort auf ihr vertrauensvolles Bitten zum glorreichen Bräutigam der Gottesmutter war. –

Dieser Bericht will uns ermutigen, den hl. Josef in allen Nöten vertrauensvoll anzurufen. Dies empfiehlt auch die Kirchenlehrerin Teresa von Avila (†1582). Wenn auch Sie eine Novene zum hl. Josef beten wollen, finden Sie eine große Auswahl an Gebeten im Buch „Verehrt den hl. Josef“.

Dienstag, 10. Juni 2014

Die kleine Araberin

Ein Ausschnitt aus dem Buch "Mirjam - Die kleine Araberin" von Sr. Emmanuel Maillard

Welche Freude, Mirjam von Betlehem zu kennen und sie bekannt zu machen! Für gewöhnlich die kleine Araberin genannt, mit dem Ordensnamen Schwester Maria von Jesus dem Gekreuzigten wurde sie am 13. November 1983 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Ihr Leben war ein wahres Epos, eine Geschichte des Sieges vom Licht über die Dunkelheit, vom Licht des Heiligen Geistes über die Übel in dieser Welt. Ein wunderbares helles Licht, wie wir es heute so dringend brauchen.

Mirjam war jung, einfallsreich und originell. Sie ging auf völlig unkonventionellen Wegen, was besonders erstaunlich ist, da sie nie lesen und schreiben gelernt hatte. Sie ist eine Abenteurerin erster Klasse, aber auch eine gute Freundin. Und trotzdem führte sie ein Jahrhundert lang ein Schattendasein. Es bedurfte unseres geliebten Johannes Paul II., um sie aus der Vergessenheit zu holen. Wenn die Kirche sie uns jetzt vor Augen führt, so ist dies vor allem ein Sieg im großen Kampf gegen die Finsternis, eines Kampfes gegen das Vergessen. Dies erinnert uns an Schwester Faustyna Kowalska, die im dritten Jahrtausend als erste Frau heiliggesprochen wurde. Auch sie war zunächst mit ihren Schriften unbeachtet geblieben, bevor Johannes Paul II. sie der ganzen Welt bekannt machte.

Wir müssen dem Leben und der Botschaft von Mirjam große Bedeutung beimessen. Denn nach diesem langen Schattendasein hat das, was jetzt augenfällig wieder zum Vorschein kommt, bereits viele gestärkt und erleuchtet, die um jeden Preis nach der Wahrheit suchen, besonders aber die Jugend. Wir können es als Vorsehung betrachten, dass Mirjam so lange unbekannt geblieben ist, denn dadurch wirkt ihre Botschaft heute um so stärker. Ich spreche hier von einem Sieg, weil Mirjam in ihrem Leben schwere Kämpfe bestehen musste. Vom Himmel erhielt sie wunderbare Gnaden, die sie darin stärkten. Oft musste sie sich mit Satan persönlich auseinandersetzen – in ihren Lehren klärt sie uns deshalb besonders über diesen geistigen Kampf auf.

Eine kleine Anekdote

Während meines Aufenthaltes in Israel erfuhr ich von dieser kleinen Schwester und war sogleich von dem Ausmaß des geistigen Kampfes ergriffen – ja betroffen. Ein Priester aus Betharam, Pater Jeangrand (†), hielt sich im Jahr 1977 ebenfalls in Nazaret auf. Er war Seelsorger im dortigen Karmeliterkloster und besaß ein tiefgehendes Wissen über Mirjam, die er auf rührende Weise verehrte. Wenn man Pater Jeangrand über Mirjam erzählen hörte, so meinte man, direkt mit dem Himmel verbunden zu sein! Mein Herz hüpfte vor Freude. Er lieh mir ein wunderbares Buch über Mirjam, das von ihrem geistlichen Vater, Pfarrer Estrate, geschrieben worden war. Da dieses Buch (auf Französisch) nur schwer zu finden ist, bat er mich: „Schwester Emmanuel, geben Sie gut auf dieses Buch acht. Behandeln Sie es wie Ihren Augapfel!“ Ich versprach ihm, ganz besonders gut darauf aufzupassen.
Auf dem Weg nach Hause hielt ich bei einem Lebensmittelgeschäft an, um etwas Brot für die Gemeinschaft einzukaufen. Als ich zum Auto zurückkam – war das Buch verschwunden!

Die Geschichte von der Schlange

Eines Tages saß Mirjam in der Küche und aß ihren Brei, ganz allein. Auf einmal kroch eine große Schlange langsam auf sie zu, schlängelte sich hinauf auf den Tisch und fing an, aus Mirjams Teller zu fressen. Beim Anblick der Schlange fiel Marjam keineswegs in Panik – höchstwahrscheinlich war sie sich der Gefahr gar nicht bewusst – sie packte sogar den Kopf der Schlange, um ihr zu helfen, tauchte ihn in den Teller und begann, gemeinsam mit der Schlange zu essen. Dann kam die Magd herein ... Sie stieß einen lauten Schrei aus und scheuchte, von panischer Angst ergriffen, die Schlange fort. Mirjam aber blieb äußerst ruhig.
Anhand dieser Episode können wir schon erraten, wie Mirjam in Zukunft ihre Siege über die Mächte der Finsternis erringen wird: durch ihre Unschuld und ihre Reinheit! Satan kann Unschuld nicht ausstehen. Aber Mirjam besaß diese erstklassige Waffe: Durch ihre Unschuld und ihre Demut, durch den Frieden ihrer Seele, die ganz in Gott versunken war, stellte sie sicher, dass der Böse keine Macht über sie hatte. Freilich wird er sich zeigen, er wird Mirjam von Anbeginn an bis zum Ende auf den Fersen sein, um sie anzugreifen und zu versuchen, sie zu Fall zu bringen. Aber dies wird nicht gelingen, weil Mirjam ihre Seele mit Gott vereint hat, in Unschuld und Reinheit.

Mirjams Eheversprechen

Mirjam wuchs heran. Sie war etwa acht Jahre alt, als ihr Onkel Ibillin verließ, um sich mit seiner Familie und Mirjam in Alexandrien niederzulassen. Er war immer sehr nett zu Mirjam und behandelte sie wirklich wie ein Kind seiner Familie. Aber ohne ihr Wissen war Mirjam bereits mit einem Jungen verlobt worden. Solche von den Eltern arrangierte Eheversprechen waren wie in den meisten arabischen Familien der Gegend auch in dieser Familie etwas ganz Normales. Es war im Jahr 1858, als ihr Onkel und ihre Tante diesem kleinen zwölfjährigen Mädchen ankündigten, dass es schon bald einen Jungen, den der Onkel bereits vor mehreren Jahren für es ausgewählt hatte, heiraten sollte.
Man kleidete sie nun in prächtige Kleider, man schenkte ihr Schmuck, frisierte ihre Haare auf elegante Weise – kurz und gut, man machte aus ihr eine strahlende Braut. Mirjam aber erinnerte sich, dass sie mit fünf Jahren ihr Leben dem Herrn geweiht und tief in ihrem Herzen beschlossen hatte, nie jemand anderem zu gehören als Jesus allein. Noch eine Woche bis zum Hochzeitstag, und Mirjam flehte die Jungfrau Maria an, ihr zu Hilfe zu eilen und diesem Heiratsplan ein Ende zu bereiten.
Sie redete mit ihrem Onkel, aber der Onkel blieb sehr bestimmt, er wich nicht von seiner Entscheidung ab. Für ihn war es unbedingt erforderlich, seine verwaiste Nichte zu verheirateten, sie wäre dann gut versorgt. Entsprechend der Mentalität der damaligen Zeit und dem patriarchalischen Gesellschaftssystem war das die einzige Zukunft, die er für sie planen konnte.
Aber die Mutter Gottes wachte über die zukünftige Braut ihres Sohnes. So flüsterte sie ihr in der Nacht eine kleine List ins Ohr, eine klassische List, die man auch im Leben der heiligen Katharina von Siena finden kann. Mirjam verstand sie sofort, und gleich am nächsten Morgen schnitt sie sich ihre schönen langen Haare ab. Denn es war undenkbar, dass ein Orientale eine Frau so ohne Haare heiratet! Das gab es nicht, es wäre eine Schande gewesen!
So brachte Mirjam ihrer Familie, den Gästen und ihrem versprochenen Bräutigam am Hochzeitsmorgen ihre Haare schön geschmückt auf einem Tablett dar. Die List hatte gut funktioniert. Doch ihr Onkel wurde vor Ärger gewalttätig: Er schlug sie, bis sie blutete. Mirjam wird fortan die Spuren dieser brutalen Schläge auf ihrem Körper zurückbehalten. Dann wurde sie aus der Familie verstoßen und fand sich wieder als Sklavin der Sklaven. Denn es traf sich, dass einige schwarze Dienerinnen dem Onkel zu Diensten standen. Nun, diese Dienerinnen bekamen den Auftrag, Mirjam nicht zu schonen und ihr die schwersten Arbeiten zu übertragen.
Für die nächsten drei Monate wird Mirjam diesem Regime von Verfolgungen und Demütigungen ausgesetzt. Gott allein weiß, was sie damals auszuhalten hatte! Aber anstatt zu rebellieren und sich über ihr Schicksal zu beklagen, nimmt Mirjam diese neue Bürde mit großer Freude auf sich, so sehr war sie mit dem Herrn und den himmlischen Mächten vertraut. Und obwohl ihr Leben nach außen hin äußerst hart erscheint, trägt Mirjam den Himmel in ihrem Herzen und bleibt voller Freude inmitten der gröbsten Arbeiten. Sie empfindet eine echte Glückseligkeit und nimmt ihr Schicksal an als eine Gnade. Denn diese harten Arbeiten und diese Prüfung, verstoßen worden zu sein, werden es ihr ermöglichen, ihre Zugehörigkeit zu Gott zu stärken.

Ausschnitt aus dem Buch "Mirjam - Die kleine Araberin" von Sr. Emmanuel Maillard

Montag, 26. Mai 2014

26. Mai - Heiliger Philipp Neri

Das beste Heilmittel gegen geistige Trockenheit besteht darin, uns wie Bettler in die Gegenwart Gottes und der Heiligen zu stellen. Und wie ein Bettler von einem Heiligen zum anderen zu gehen und um ein geistliches Almosen zu bitten, mit der selben Zudringlichkeit, wie ein Armer auf der Straße um Almosen bitten würde...
(Philipp Neri)

In diesem Sinne: Bitte für uns!

Befehlsverweigerung

Auf einem amerikanischen Kriegsschiff fiel einem Matrosen seine Jacke ins Meer. Er fragte einen Offizier, ob er ins Meer springen dürfe, um die Jacke wiederzuholen. Der Offizier sagte: „Nein“, denn das Schiff stand kurz vor dem Einsatz. Der Matrose sprang aber doch in das Meer, erwischte die Jacke und kam wieder auf das Schiff .
Als der Offizier das sah, ging er voll Zorn auf ihn zu und sagte: „Das ist Befehlsverweigerung. Sie kommen vor das Kriegsgericht!“ Und wirklich: Nach dem Einsatz kam der Matrose vor das Kriegsgericht und der Kapitän legte ihm eine schwere Strafe auf. Er fragte aber: „Nun sagen sie mir doch, warum haben Sie wegen dieser lumpigen Jacke den Befehl verweigert?“ Da zog der Matrose ein Bild aus der Jacke. Es war das Bild seiner Mutter und er sagte: „Wegen dieses Bildes habe ich es getan!“ Da war der Kapitän so gerührt, dass er sagte: „Ein Soldat, der so seine Mutter ehrt, den kann ich nicht bestrafen!“, und er nahm die Strafe zurück.
Wer eine Medaille bei sich trägt, trägt das Bild seiner himmlischen Mutter bei sich. Er ehrt dadurch seine himmlische Mutter und stellt sich unter ihren besonderen Schutz und Maria kann ihr Versprechen einlösen: „Wer eine geweihte Medaille trägt, wird große Gnaden erlangen!“

Karl M. Harrer
Zuerst erschienen in "Erlebnisse mit der Wunderbaren Medaille."

Montag, 12. Mai 2014

Marianische Heilige

Pfarrer Rudolf Keith, der in den Nachkriegsjahren im unterfränkischen Elsenfeld wirkte, verfasste das Buch Königin aller Heiligen. Für jeden Tag des Monats Mai stellt er zwei Heiligenportraits sowie passende Gebete vor. Dadurch bringt er uns nicht nur die Heiligen näher, sondern ermöglicht uns, jeden Tag ein Gebet von oder zu diesen Heiligen zu beten. Aus diesen Portraits stellen wir hier den deutschen Mystiker Heinrich Seuse vor:

Der selige Heinrich Seuse

Um 1300 wurde in Konstanz am Bodensee der selige Heinrich Seuse geboren. Mit dreizehn Jahren brachte ihn seine tiefgläubige Mutter in das Inselkloster des hl. Dominikus, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte. Schon als Kind brachte Heinrich der Gottesmutter Blumen zum Schmuck. Als er wieder einmal die Maienkönigin mit einem Kranz der ersten Blumen gekrönt hatte, erschien ihm die Gottesmutter. Heinrich sah die Engel auf und nieder steigen in lichtem Gewand. Er hörte einen himmlisch schönen Gesang zu Ehren Mariens. Die Königin selbst schwebte über dem himmlischen Heer in Würde und Herrlichkeit.

Heinrich wurde Dominikanermönch. Bis zum vierzigsten Lebensjahr übte er eine unglaubliche Buß-Strenge. Es folgte eine Schule des Leidens: Verlust seiner Ehre, Untreue der Freunde, ein Gefühl der Verlassenheit von Gott. Gelassen ertrug er alles und wurde dafür zuletzt mit einem tiefen Seelenfrieden beschenkt. Als Dominikaner stellte er sich ganz in den Dienst Mariens. Öfter besuchte sie ihren Diener in seiner Zelle. Heinrich wollte sein Glück als Marienverehrer mit allen teilen. Seinen Beichtkindern gab er den Rat, täglich neun Ave Maria zu beten. Das erste am Morgen kniend, um alle guten Werke der Himmelskönigin in die Hände zu legen, damit sie diese kostbar mache und dem himmlischen Vater darbringe. Sieben Ave sollten den Tag über gebetet werden, damit das reinste Herz Mariens die Sünder zu Gott bringe und allen eine gute Sterbestunde erbitte. Das letzte Ave betete er am Abend in dem Anliegen, dass Maria alles gut mache, was wir tagsüber versäumt haben. Doch Heinrich ehrte auch alle Frauen um der Gottesmutter willen. Als er wieder einmal unterwegs war, kam er zu einem schmalen Steg, der über eine große Pfütze führte. Da kam ihm eine arme Frau entgegen, und Heinrich verließ sogleich den Steg und trat in die Pfütze, um auszuweichen. Da fragte die Frau: „Ehrwürdiger Vater, wie kommt es, dass Ihr mir Platz macht, da ich doch gern Euch ausgewichen wäre?“ Heinrich antwortete: „Es ist meine Gewohnheit, allen Frauen Ehre zu erweisen um der zarten Gottesmutter willen.“

Auszug aus dem Buch Königin aller Heiligen von Rudolf Keith
Zuerst erschienen in MARIA - Das Zeichen der Zeit (MZZ) Nr 161. 2. Quartal 2014

Montag, 5. Mai 2014

Über den „höchsten Weg“ – das Gebet

„Je mehr du betest, desto mehr wirst du erleuchtet werden; je mehr du erleuchtet wirst, desto gründlicher und klarer wirst du das höchste Gut erkennen, das in höchstem Maße gute Sein; je gründlicher und klarer du ihn erkennen wirst, desto mehr wirst du ihn lieben; je mehr du ihn lieben wirst, desto mehr wird er dich erfreuen; und je mehr er dich erfreuen wird, desto besser wirst du ihn erfassen und in der Lage sein, ihn zu verstehen. Danach wirst du zur Fülle des Lichts gelangen, weil du verstehen wirst, dass du ihn nicht erfassen kannst.“
Heilige Angela von Foligno

http://www.miriam-verlag.de/detail.php?id=60558