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Freitag, 18. September 2015

BETER AM STRASSENRAND

Morgen findet in Berlin
der MARSCH FÜRS LEBEN
statt.

Der New Yorker Priester Monsignore Philip J. Reilly (*1934) hatte fast zwanzig Jahre lang versucht, auf politischer Ebene etwas für den Schutz des menschlichen Lebens zu erreichen, besonders für die Ungeborenen. Am Ende war er völlig mutlos. Als der engagierte Priester nicht mehr weiter wusste, hörte er in seinem Herzen die Stimme Gottes: „Warum versuchst du es nicht mit beten?“ Nach einiger Zeit verstand Mons. Reilly, was Gott damit meinte: Das Gebet sollte an erster Stelle stehen und alles andere daraus erwachsen. So flehte er: „Herr, schenke mir eine Armee von Betern!“ Kurz darauf standen vor seiner Tür: ein Opa, drei Omas und ein Arbeitermädchen. Mit dieser Handvoll Leute, die am Fest Maria vom Sieg (7. Oktober, auch Rosenkranzfest genannt) vor die damals größte Abtreibungsklinik der westlichen Welt zogen, wurde 1989 der Grundstein für die Helfer für Gottes kostbare Kinder gelegt (...)

Innerhalb von elf Jahren verbreitete sich das Apostolat der Helfer auf allen fünf Erdteilen. Die Fakten sind eindeutig: Von zunächst 43 Abtreibungseinrichtungen in der Diözese Brooklyn sind heute nur noch 20 übrig geblieben! War die frühere Pro-Life-Arbeit von Mons. Reilly fruchtlos geblieben, so konnte man jetzt die Erfolge überall dort sehen, wo vor den Abtreibungsstätten gebetet wurde (...) In Deutschland wird in bisher 23 Städten gebetet; an sechs Abtreibungsorten wurde der„Tötungsbetrieb“ eingestellt.


Berichte der „Beter am Straßenrand“

Ein Priester und eine Ordensschwester hatten an einer Gebetsvigil vor einer Abtreibungsklinik teilgenommen und leise das Befreiungsgebet von Papst Leo XIII. gebetet. Während sie beteten, fuhr ein Paar in einem Auto vor die Klinik, auf dem Rücksitz saß ein Kleinkind. Die Frau auf dem Vordersitz wollte eine Abtreibung vornehmen lassen. Zwei Helfer sprachen durch das Wagenfenster mit dem Paar und bekamen eine nachdenkliche Antwort. Dann wendete das Auto und fuhr von der Kinik weg.
Innerhalb weniger Minuten hatte das Paar sich entschieden, nicht in die Klinik zu gehen. Beim Wegfahren lächelte das Kind auf dem Rücksitz und winkte den Helfern zu. Der Priester und die Nonne beendeten das Befreiungsgebet und standen auf. Nun berichteten ihnen die Helfer voller Freude, was während des Betens geschehen war. Noch lange erinnerte ich mich an das Lächeln des Kindes auf dem Rücksitz – als ob der Junge schon voller Vorfreude auf sein Brüderchen oder
Schwesterchen wäre.


Ein Umdenken bei Ärzten

Dr. Levantino machte 1976 seinen Abschluss am Albany Medical Centre in New York und war acht Jahre lang als Abtreibungsarzt beschäftigt, bevor er seine eigene Praxis eröffnete. Er redete sich ein,
dass er nicht unbedingt „für Abtreibung“, sondern „für die Frau“ sei, obwohl er manchmal Probleme damit hatte, beides miteinander zu vereinbaren: dass er den Frauen half, indem er ihre Kinder tötete. Er sagte, dass er sich bei der D&E-Methode (Erweitern des Muttermunds und Entfernen des Kindes), bei der das Baby buchstäblich auseinandergerissen wird, keine Sorgen darüber machen musste, dass das Baby lebend geboren wird. Bei Abtreibungen durch Salzlösung jedoch konnte es geschehen, dass das Kind lebend geboren wurde und er die winzigen Babys sah, wie sie nach Luft schnappten und mit ihren Füßen um sich traten, bis sie starben.
Beim Anblick dieser winzigen Körper verspürte Dr. Levantino jedes Mal ein plötzliches Unbehagen. Während er täglich etwa zehn solcher Babys „entsorgte“, versuchten er und seine Frau, ein Kind zu adoptieren. Nachdem sie schließlich eines adoptiert hatten, mussten sie den Schmerz erleben, dieses Kind durch einen Verkehrsunfall zu verlieren.
Schließlich konnte er sich der Realität nicht länger verschließen, dass der Körper eines Kindes bei der Abtreibung das „Kind von jemandem“ ist – so wie sein Kind, das er gerade verloren hatte. Ihm wurde bewusst, dass er das Kind von jemandem tötete – wie ein Auftragskiller. Diese Einsicht war der Wendepunkt in seinem Leben. Er erkannte, dass alles Geld der Welt diese Arbeit nicht wert war und veröffentlichte seine Geschichte.


Das Leiden der „Überlebenden“

Der kanadische Psychiater und Kinderpsychologe Philip Ney weist auf das Leiden derer hin, die direkt oder indirekt „Überlebende“ einer Abtreibung sind. Es sind Menschen, die z.B. nach einer künstlichen Befruchtung im Reagenzglas (IVF) ausgewählt wurden, während viele ihrer Geschwister ausgelöscht wurden. Oder diejenigen, die für einen bestimmten Zweck „erzeugt“ wurden, wie z.B. um ein Geschwister mit Knochenmark zu versorgen. Was wird ein IVF-Kind empfinden, wenn es erfährt, dass es ausgewählt wurde und vielleicht fünf, acht, zwölf oder sogar noch mehrere Geschwister dabei vernichtet wurden? hilip Ney und Marie Peeters zitieren in ihrer Studie über PASS, Überlebende einer Abtreibung, die Worte einer Frau, deren Bruder oder Schwester durch eine Abtreibung getötet wurde: „Ich hatte kein Recht darauf, da zu sein (...) Ich hänge an nichts und hatte auch nie eine verlässliche Beziehung. Ich fühlte mich allein und bedroht. Mein Leben, mein Dasein war in Frage gestellt. Ich hatte irrsinnige Zornesausbrüche und eine unkontrollierbare Wut (...) Erst jetzt, im Alter von 55 Jahren, beginne ich zu verstehen. Vor ein paar Jahren, kurz bevor meine Mutter starb, erzählte sie mir, dass sie vor meiner Geburt eine Abtreibung hatte ...“
Es gibt in unserer Gesellschaft viele solcher Überlebender, deren Geschwister abgetrieben wurden. Zu meinen Beratungsgesprächen kamen Jugendliche, die mir stockend und verstört von den Abtreibungen ihrer Mütter erzählten und wie sie versuchten, einen Sinn darin zu finden. Einmal erzählte mir eine Jugendliche, ihre Mutter habe ihr gesagt, dass sie eigentlich hätte abgetrieben werden sollen ...“

Es ist wichtig zu begreifen, dass eine Abtreibung sich nicht nur auf die Frau und ihr Kind auswirkt, sondern auch auf ihre engere und weitere Umgebung: auf den Vater, die Großeltern, Tanten und Onkel, da sie alle diesen Verlust spüren; ganz besonders jedoch auf die späteren Kinder.

(Aus: Wanda Skowronska, Beter am Straßenrand
zu beziehen beim Miriam-Verlag)

Montag, 17. August 2015

Ein eucharistisches Wunder

Am 21. August 1888, bei der großen französischen Nationalwallfahrt nach Lourdes, hatte es fast keine Heilungen gegeben. Ein Gewitter machte am Abend die Lichterprozession unmöglich. Angesichts der betrübten Pilgerschar kam ein frommer Geistlicher auf den Gedanken, das Allerheiligste Sakrament durch die Reihen der Kranken zu tragen, um dasselbe in vertrauensvollen Anrufungen zu feiern. Gesagt – getan. Bereits tags darauf, am Fest Maria Königin, wurde die erste Krankenprozession mit dem hochwürdigsten Gut gehalten.

Damals ertönten zum ersten Mal die ergreifenden Rufe: „Herr! Wenn du willst, kannst du mich gesund machen!“ – „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich unser!“ Und was geschah? Kaum waren diese Flehrufe an den eucharistischen Herrn ergangen, erhoben sich vor der Grotte nicht weniger als acht Kranke, die ihre Gesundheit plötzlich wiedererlangt hatten. Wer kann den Jubel beschreiben, der nun unter Tränen der Dankbarkeit zum Himmel stieg? Ohne Unterlass erschallt seit diesem Tag dieser Jubel der Herzen zu Ehren des Allerheiligsten Altarsakraments in Lourdes weiter.

Dr. Boissarie schrieb darüber: „Im Jahr 1888 begannen wir die Heilungen zu registrieren, die sich während der eucharistischen Prozession ereigneten (...) Sehr oft konnte man bei den Bädern keine Besserung feststellen, während die Heilung plötzlich vor dem Allerheiligsten
geschah ...“

(Aus: Die schönsten eucharistischen Wunder, Heft 1
Zusammengetragen von Pfr. Karl M. Harrer, zu beziehen bei uns im Miriam-Verlag)

Freitag, 12. Juni 2015

Das Band zwischen Leib Christi und Wort Gottes

Die kanadische Ordensfrau Mutter Julienne du Rosaire (1911 - 1995) war geradezu „verliebt“ in die hl. Eucharistie und liebte die eucharistische Anbetung. Sie gründete 1948 die „Dominikaner-Missionarinnen von der Anbetung“, seit 2008 ist ihr Seligsprechungsverfahren in Rom anhängig.

Klein von Gestalt, mit einem großen Herzen für Gott und die Mitmenschen, wurde Mutter Julienne zur begeisterten Lehrerin aller, die wie der Lieblingsjünger Johannes nahe am eucharistischen Herzen Jesu ruhen möchten. In ihren oft spontan gehaltenen Betrachtungen umriss sie in wenigen Worten die Facetten des Mysteriums der Liebe Gottes. Dazu gehören folgende Auszüge aus Mutter Juliennes Ansprache, in der sie uns eine Fülle von tiefen Gedanken über das untrennbare Band schenkt, das den Leib Christi (die Eucharistie) mit dem Wort Gottes (dem Evangelium) verbindet:

 

Evangelium und Eucharistie


Zwei Tische sind uns bereitet: das Evangelium und die Eucharistie.
Das Evangelium: Christus in Seiner historischen Wirklichkeit.
Die Eucharistie: Christus in Seiner heutigen Wirklichkeit
Das Evangelium: Botschaft der Liebe.
Die Eucharistie: Testament der Liebe.
Das Evangelium: das heilige Buch.
Die Eucharistie: das heilige Zeichen.
Das Evangelium: lebendiges Beispiel.
Die Eucharistie: lebendiges Brot.
Das Evangelium: Wort des Lichtes unter dem Schleier des Wortes.
Die Eucharistie: Wort des Lebens unter dem Schleier des Brotes.
Das Evangelium: Es annehmen heißt, das Wort empfangen und sich ihm öffnen.
Die Eucharistie: Sie essen heißt, das Wort in sich aufnehmen und sich vom Wort aufnehmen lassen.
Das Evangelium: Nahrung unseres Geistes.
Die Eucharistie: Nahrung unseres Herzens.
Im Evangelium sehen wir Jesus. In der Eucharistie verkosten wir Jesus. Im Evangelium wirkt Er durch Sein Wort, in der Gestalt des Buchstabens. In der Eucharistie wirkt Er durch Seinen Leib, in der Gestalt des Brotes.

Im Evangelium muss man Ihn betrachten und auf Ihn hören, um zu tun, was Er getan hat. In der Eucharistie muss man Ihn essen und sich essen lassen, um zu dem zu werden, was Er ist. Das Evangelium gibt uns die Eucharistie, und die Eucharistie gibt uns das Evangelium. Beide sind ein und dieselbe Wirklichkeit: Jesus Christus, das Wort Gottes in Seiner Menschheit, die große Liebe, die ihr Leben hingibt. Um Ihn gut zu kennen und zu lieben, müssen wir von dem Wort und dem Brot essen.   
(Aus: Mutter Julienne du Rosaire, Das eucharistische Herz Jesu)

Samstag, 4. April 2015

Heiligkeit im Heiligen Land

Der 17. Mai 2015 ist für die Christen in den Ländern des Nahen Ostens ein Freudentag, denn es ist der Tag der Heiligsprechung von Mutter Maria Alphonsine Ghattas vom Rosenkranz sowie der Karmelitin Mirjam von Abellin.

 

Mirjam von Abellin


Mirjam von Abellin, die „kleine Araberin“, wurde am 5. Januar 1846 unweit von Nazaret im Dorf Abellin geboren, von wo aus man eine wundervolle Aussicht auf das Karmelgebirge und das Mittelmeer hat. Ihre armen Eltern hatten schon zwölf Kinder verloren. Mirjam war die Frucht inständigen Gebets und einer Wallfahrt nach Betlehem. Sie war noch keine drei Jahre alt, als ihre Eltern innerhalb weniger Tage starben, und wuchs bei einem Onkel in Ägypten auf. Dort überlebte sie auf wunderbare Weise das Attentat eines fanatischen Muslims, der ihr ihres christlichen Glaubens wegen die Kehle durchgeschnitten hatte.
Gott führte Mirjam schließlich in den Libanon und von dort nach Frankreich, wo sie bei den Josefsschwestern eintrat. Mit 20 Jahren empfing sie die Wundmale Jesu. Vom Josefskloster wechselte sie in den Karmel von Pau, unweit von Lourdes, und erhielt den Namen Sr. Maria von Jesus dem Gekreuzigten.
Ein kurzer Aufenthalt in Indien folgte, danach reiste sie in ihre Heimat, wo sie in Betlehem einen Karmel gründete, wie Gott es ihr in Visionen gezeigt hatte. Kurz vor Vollendung des Baus starb sie am 27. August 1878 mit 33 Jahren im Ruf der Heiligkeit. Ihr Leben war reich an Wundern, an Eingebungen des Heiligen Geistes und übernatürlichen Phänomenen (Ekstasen, Levitationen, Prophezeiungen etc.). Am 13. November 1983 erklärte der hl. Papst Johannes Paul II. sie anlässlich der Seligsprechung zur Friedenspatronin für den Nahen Osten. Sr. Mirjam von Abellin ist eine Art „Vorläuferin“ ihrer hl. Mitschwester Theresia von Lisieux (1873–1897).


Mutter Maria Alphonsine Ghattas


Eine in Europa wenig bekannte Heilige ist die 1843 in Jerusalem geborene Mutter Maria Alphonsine Ghattas vom Rosenkranz. Sie war nur drei Jahre älter als die hl. Mirjam von Abellin und zeichnete sich wie diese von Kindheit an durch ihre Frömmigkeit aus. Beide traten unabhängig von einander zuerst in ein dem hl. Josef geweihtes Kloster ein. Mutter Alphonsine gründete 1880 einen neuen Orden – den einzigen, der im Jerusalemer Patriarchat entstanden ist – die Rosenkranzschwestern. Es ist ein Orden für arabische Frauen, gegründet von einer katholischen Ordensfrau arabischer
Muttersprache.
Bereits zu Lebzeiten geschahen Wunder, so z.B. am 14. April 1886, als die 12-jährige Schülerin Nathira I‘d bei Bauarbeiten für ein Schwesternhaus in die Zisterne fiel und ertrank. Das ganze Dorf war in Aufruhr, doch niemand konnte die Schülerin retten. Nachdem Mutter Alphonsine in der Kapelle den Rosenkranz gebetet und die Gottesmutter um Hilfe angefleht hatte, warf sie ihren großen Rosenkranz ins Wasser. Wenig später tauchte die Schülerin aus der Tiefe auf, den Rosenkranz um den Hals. Sie berichtete, auf den Grund der Zisterne gesunken zu sein, wo sie plötzlich ein helles Licht und eine Leiter sah, die die Form eines Rosenkranzes hatte. Nathira betete fortan täglich den Rosenkranz mit den Schwestern.
Mutter Alphonsine starb am 25. März 1927 beim Rosenkranzgebet im Ruf der Heiligkeit. Erst nach ihrem Tod wurden ihre Visionen und mystischen Erlebnisse bekannt.

Visionen der Mutter M. Alphonsine

Pater Benedikt Stolz OSB (1895–1986) aus Düsseldorf, der selbst zwanzig Jahre in Jerusalem wirkte, lernte die hl. Mutter Alphonsine kurz vor ihrem Tod kennen. In seinem Büchlein "Heiligkeit im Heiligen Lande"gibt er einige ihrer Visionen wider. Eine Vision, in der die Gottesmutter Sr. Alphonsine die Gründung des neuen Ordens zeigte, den Maria wünschte, beschreibt Sr. Alphonsine wie folgt:
"Ich sah dort (im neuen Konvent) einen geschmückten Rosenkranzaltar. Eine Schwester betete kniend den Rosenkranz. Dann kam eine andere, um ihren Platz einzunehmen, Tag und Nacht. Meine Mutter, die Jungfrau, wiederholte immer, wie notwendig es sei, dass der Rosenkranz beständig im Konvent gebetet werde, von den Schwestern und den Mädchen. Ich sah alle Schwestern, wie sie den vollkommenen Gehorsam ausübten zu Ehren der freudenreichen Geheimnisse, eine große Armut zu Ehren der schmerzhaften Geheimnisse und eine reine Keuschheit zu Ehren der glorreichen Geheimnisse. Durch diese drei Tugenden verehren sie Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz. Diese freute sich darüber und schmückte ihre Seelen mit himmlischen Gunsterweisen (...) Jedes Mal, wenn ich die Gelegenheit hatte, sei es bei Tag oder bei Nacht, warf ich mich zu Füßen meiner Mutter Maria nieder und rief aus: „Mutter, Mutter, steh mir bei; lehre mich, wie und was ich tun soll!“ Da kam mir meine Mutter zu Hilfe. Sie erschien mir im Licht, strahlend in unvergleichlicher Schönheit. Sie kam mit dem Rosenkranz in der Hand. Sie gab mir ein, dass der Rosenkranz meine Waffe, meine Stärke und mein Schatz bei Gott sei ..."
(Aus: P. Benedikt Stolz, "Heiligkeit im Heiligen Lande)

Mittwoch, 3. September 2014

Maria Bertilla - Helferin der Kranken

Im Jahr 1888 in Brendola nahe Venedig geboren, wuchs Anna Francesca Boscardin als ältestes Kind einer Bauernfamilie auf. Sie besuchte die Schule nur drei Jahre lang und arbeitete hart auf dem Feld. Von klein auf hatte sie eine Vorliebe für Gott und das Gebet, so dass sie – was damals eine große Ausnahme war – bereits mit acht Jahren zur hl. Kommunion zugelassen wurde. Doch ihr Leben war nicht einfach: Ihr Vater Angelo sagte später im Seligsprechungsprozess aus, er sei eifersüchtig, gewalttätig und oft betrunken gewesen. Darunter litt seine Familie sehr. Die kleine Anna, die keine herausragenden Talente zu besitzen schien, stieß trotz ihres friedlichen, ausgeglichenen Wesens sogar in ihrer Umgebung auf Ablehnung. Sie wurde das Ziel so mancher Spöttelei, man rief ihr nach, sie sei eine lahme Gans und dumm.

Mit 16 Jahren erfüllte sich für sie ein großer Traum, als die Dorotheenschwestern sie ins Noviziat aufnahmen. Zur Novizenmeisterin sagte Anna, die nun den Namen Sr. Maria Bertilla angenommen hatte: „Ich kann nichts. Ich bin ein armes Ding, eine Gans. Lehren Sie mich! Ich möchte eine Heilige werden!“

Im Kloster wirkte die Heilige zuerst in der Küche und in der Wäscherei, bis sie zur Krankenschwester ausgebildet wurde. Während des Ersten Weltkriegs zeigte sich die wahre Heiligkeit der einfachen Schwester, die sich sonst stets im Hintergrund hielt und nur durch ihre Frömmigkeit, unendliche Geduld und liebende Güte aufgefallen war. Sie betreute Kinder in der Isolierstation des Spitals, die an Diphterie litten, aber auch TB-Kranke, Kriegsverletzte und viele andere.

Nachdem bei ihr ein Tumor festgestellt worden war, starb sie im Alter von 34 Jahren nach einer Operation und heldenmütig ertragenem Leiden. Nur 42 Jahre später wurde sie von Papst Johannes XXIII. zur Ehre der Altäre erhoben. Auf die Fürbitte der hl. Maria Bertilla geschahen viele Heilungen.

Zeugenberichte über Sr. M. Bertilla

Eine Mitschwester bezeugt: „Während der Kriegszeit war ich mit Sr. Bertilla in einem Lazarett mit 60 Kranken, die ansteckende Krankheiten hatten. Wir waren dort drei Schwestern in der Zeit, als Treviso geräumt werden musste, als die Flugzeuge, das Donnern der Kanonen und das Knattern der Maschinengewehre überall Schrecken verbreiteten und Kugeln Tag und Nacht durch die Fenster flogen. Was aber tat Sr. Bertilla beim ersten Alarmzeichen? Schweigend griff sie zum Rosenkranz und ging ganz bleich durch die Baracken, um die Kranken zu holen.

Die, die nicht gehen konnten, nahm sie auf ihre Arme und trug sie in die Kirche, wobei sie immer wieder sagte: ,Habt keine Furcht, meine Lieben, wir sind bei Jesus.‘ (Die Kirche befand sich im Erdgeschoß, und dorthin trug sie die Kranken aus den oberen Stockwerken.) Nachts überquerte sie unter dem Feuer der Geschütze unerschrocken und voll Vertrauen den Hof. Die Splitter der Granaten schlugen ringsum ein. Wir sagten ihr immer wieder: Genug, Sr. Bertilla, passen Sie auf, dass wir nicht noch im Hof verbrennen! Sie antwortete, sie könne nicht ruhen, bevor sie nicht alle in Sicherheit gebracht habe. Ihre Liebe war heroisch!“

In ihrer freien Zeit versammelte Sr. Bertilla die Kinder um sich, die nicht das Bett zu hüten brauchten, und führte sie in die Kapelle des Hospitals. Dort hieß sie die Kinder entweder an der Kommunionbank oder auf der ersten Stufe des Altars niederknien und betete mit ihnen leichte und kurze Gebete. Die Allerkleinsten hob sie sogar in die Höhe, um ihnen das Türchen des Tabernakels zu zeigen, und belehrte sie, dass der Heiland darinnen sei, der uns so sehr liebt.

Ein Mädchen von acht Jahren brach beim Verlassen des Krankenhauses in bitteres Weinen aus. „Warum weinst du?“, fragten die Ärzte, „freust du dich nicht auf zu Hause?“ Das Kind antwortete: „Ich weine, weil ich die Schwester so lieb habe!“ Sie meinte Sr. Bertilla. Wie oft riefen die Kranken voll Erstaunen: „Diese Schwester verliert nie die Geduld!“ Professor Rubinati, der Chefarzt, sagte über sie: „Welche Ergebenheit bei Zurechtweisung! Nie ein Wort der Rechtfertigung, nie eine Widerrede! ... Sie war eine ideale Schwester, eine Krankenpflegerin ohnegleichen!“

Aus Sr. Maria Bertillas Tagebuch

„Alles für Jesus und seine Liebe; alles sei zur größeren Ehre Jesu!“

„Gehorsam in allem, besonders in den kleinsten Dingen! Ich will mir immer vor Augen halten, dass eine Schwester ohne Gehorsam nichts anderes ist als eine Maske.“

„Ich will die Augen beherrschen, besonders in der Kirche. Ich will nur umherschauen, wenn es notwendig ist ... Wieviel Unheil stiftet die Phantasie an und hat sie schon angestiftet! Heute will ich immer entweder an Jesus denken oder an das, was mein Amt von mir verlangt.“

Heilung auf Fürsprache Sr. Bertillas

Der 15-jährige Ottogrino Grigolato stürzte im Mai 1923 vom Fahrrad und fiel ins Koma. Die Ärzte stellten später eine Gehirnentzündung fest. Nach vier Tagen waren der linke Arm und das linke Bein gelähmt. Kurz darauf wurden ihm die Sterbesakramente gespendet, denn die Ärzte hielten den Fall für verloren. Sie sagten, nur ein Wunder könne noch helfen. Die Krankenschwester riet den verzweifelten Eltern, die wenige Monate zuvor im Ruf der Heiligkeit verstorbene Sr. Maria Bertilla anzurufen. Man begann sofort mit einer Novene, um die Heilung zu erbitten. Am selben Abend trat eine Besserung ein, tags darauf war das Fieber verschwunden. Am dritten Tag der Novene verschwand die Lähmung, am sechsten Tag wurde der Junge von den Ärzten entlassen, da er völlig gesundet war.

Im März 1925 wurde beim Landwirt Sebastian Fasan aus San Martino di Lupari ein bösartiger Tumor am Oberkiefer diagnostiziert. Bald darauf konnte Sebastian nicht mehr schlucken. Die Ärzte rechneten mit seinem Tod innerhalb einer Woche. Eine Krankenschwester gab ihm ein Bild der Sr. Bertilla, das er mit nach Hause nahm. Am selben Abend betete seine Familie mit den Nachbarn die ersten Gebete einer Novene zu Sr. Bertilla. Am Schluss der Gebete fühlte der Kranke ein Nervenzucken, und es schien ihm, als ob sich etwas entspanne. Er bat um Wasser und konnte es schlucken. Danach konnte er sogar Suppe zu sich nehmen. Er hatte keine Schmerzen mehr. Am folgenden Tag aß er mit seiner Familie ohne irgend eine Schwierigkeit: Er war geheilt.

Aus: P. Benedikt Stolz OSB, "Maria Bertilla"

Montag, 1. September 2014

Die Mutter Jesu - Worte Mariens

Die Mutter Gottes will uns wirklich eine Mutter sein, uns beistehen im täglichen Leben und uns zu Gott hin führen. Dies wird deutlich in den Worten, die der australische Mystiker Alan Ames (*1953) von der Gottesmutter Maria empfing. Im Folgenden zitieren wir einige davon:

Leiden lindern

Als Jesus als Baby in meinen Armen lag und in meine Augen schaute, spürte mein Herz, wie Seine Liebe mich berührte, und meine Seele spürte, wie Sein Geist den meinen erfüllte. Dann, als Er mir zulächelte, wusste ich, dass ich nie Seine Liebe verlassen wollte, dass ich nie von Ihm getrennt werden wollte. Ich wusste auch tief in meinem Herzen, dass ich Ihn eines Tages vor meinen Augen leiden und sterben sehen musste. Ich wusste um Seinen Schmerz, und doch erfüllte mich Seine Liebe und hob mich darüber hinweg. So kann es für jene sein, die heute leiden. Indem sie in Jesu liebevolle Augen blicken und sich im Herzen an Seinem gütigen Lächeln erfreuen, werden sie die Kraft finden, Ihm, der am Kreuz hängt, ihren Schmerz zu geben, und sie werden die Kraft finden, ihren Schmerz freudig und mit Liebe zu tragen.

Schwanger mit Jesus

Als ich Jesus in meinem Schoß trug, konnte ich Seine Liebe in meinem Innern wachsen fühlen. Jeder Augenblick war ein Augenblick der Glückseligkeit, ein Augenblick, der zu schätzen war, und ein Augenblick der Liebe. Alle Beschwerden waren gering, als ich den Sohn Gottes in mir trug. Aller Schmerz schien so klein, als Jesus mich mit Seiner Gegenwart erfüllte. Alles, was ich durchmachte, wurde zu wundervollen Gnaden, als der Heilige mich stärkte, während Er in meinem Schoß lag.
Bald erkannte ich, dass Jesus es war, der mich trug und jeden Augenblick zu einem Geschenk Seiner Liebe zu mir machte. Ich wusste, dass Jesus, sobald Er geboren war, vom ersten Augenblick an damit beginnen würde, die ganze Menschheit zu tragen als Sein Geschenk der Liebe an sie.

Zusammen feiern

Da war ein kleiner Junge, der eines Tages kam und sich auf meinen Schoß setzte. Er schaute mit großen, runden Augen zu mir auf und sagte: „Dein Jesus ist ein lieber Mann! Er kam und spielte mit mir.“ Während ich dieses Kind ansah, sagte ich sanft mit einem Lächeln: „Ja, Jesus ist lieb, und Er liebt es, mit Kleinen wie dir zu spielen.“ - „Er spielte lange Zeit, und es hat Spaß gemacht“, sagte der Junge ehrlich. Dann legte er seinen Kopf an meine Schulter und sagte: „Du bist auch lieb! Ich mag dich.“ Ich strich ihm übers Haar und sagte: „Ich hoffe, dass alle Jesus so sehen werden wie du.“ Der Junge schlief ein, als ich ihn sanft wiegte und ihm leise einen Psalm vorsang. Die Wärme und Liebe, die ich von diesem Kind ausgehen fühlte, erfüllten mein Herz mit Freude, und mit dem Singen des Psalms übergab ich diese Freude Gott. Ich sah dann, wie Jesus das Herz dieses Jungen auf eine Weise berührt hatte, die ihn zu mir führte, damit ich mich in Liebe mit dem Kind vereinen und unsere Liebe Gott übergeben konnte. Wie viele Menschen denken, dass ich es bin, die sie zu Gott bringt, und vergessen, dass es Gott ist, der sie zu mir bringt, damit wir zusammen die Barmherzigkeit Gottes feiern können!

 Aus "Worte Mariens" von Alan Ames

Im September 2014 besucht Alan Ames Österreich, Südtirol und die Schweiz. Genauere Infos finden Sie hier.

Freitag, 29. August 2014

"Reicht das so?"

Geschichten, die das Leben schrieb, können den Glauben und das, worauf es im Christentum wirklich ankommt, oft besser verdeutlichen als theoretische Abhandlungen. Abbé Pierre Lefèvre stellt uns – im dritten Band von „Kleine Geschichten – große Wahrheiten“ – solche Geschichten vor:

Wenn man auf den Bus warten muss, hat man oft das Gefühl, Zeit zu verlieren. Aber nicht immer ist es verlorene Zeit. Eine Frau aus Deutschland erzählt:

Vor drei Jahren wartete ich in einer Großstadt auf den Bus. Er kam und kam nicht. Da näherte sich eine Prostituierte. Als sie versuchte, sich an die Männer in unserer Nähe heranzumachen, rief ich innerlich zu Jesus: „Du bist der Retter, rette sie!“ Als die Frau bei den Männern keinen Erfolg hatte, kam sie auf mich zu. Ich wischte sorgfältig die Regentropfen vom Sitzplatz neben mir weg. Sie staunte über meine Geste und fragte, weshalb ich das tue. – „Ich möchte verhindern, dass Sie sich schmutzig machen.“ Sie steht staunend da und sagt: „Das ist aber nicht gerade häufig, diese Aufmerksamkeit für andere.“ – „Das stimmt, und deshalb ist man ja auch oft allein.“ Sie stößt einen tiefen Seufzer aus und sagt: „Einsamkeit, das kenne ich!“ – Ich entscheide mich, sie zu duzen, und wage den ersten Schritt: „Du kennst die Einsamkeit, aber kennst du auch Jesus?“ Sie überlegt. „Ist das der, den sie Christus nennen?“ – „Ja, er ist dein Retter.“ – „Er kann mich retten? Wann?“ – „Ich weiß es nicht, bitte ihn darum. Er kommt und rettet dich.“
Sie steht auf, faltet die Hände, schließt die Augen und fleht laut: „Jesus, rette mich!“ Dann wendet sie sich wie ein kleines Mädchen, das sein Bestes versucht hat, an mich und fragt: „Reicht das so?“ „Ja, das reicht. Mach das oft so, dann wird er dich retten.“ Da gerade der Bus kam, kritzelte ich schnell meine Telefonnummer auf einen Zettel und gab ihn ihr.
Mehrere Monate vergingen. Eines Abends rief sie mich an und bat darum, mich mit ihr zu treffen. Sie fügte hinzu, sie sei nicht allein. In der Tat, als ich ankam, waren da fünf Prostituierte. Sie erzählten mir, jeden Tag träfen sie sich, um eine halbe Stunde lang zu wiederholen: „Jesus, du bist der Retter. Komm und rette uns!“ Sie luden mich ein, mich ihnen anzuschließen, wenn ich könnte.
In den folgenden Monaten wuchs die Gruppe. Schließlich waren es 27 Personen. Manchmal versuchte ich, ihnen eine kleine Katechese zu halten, doch sie antworteten mir: „Das wissen wir schon. Jesus hat es uns gelehrt!“
Heute, nach zwei Jahren, haben diese Prostituierten im Sakrament der Versöhnung eine Antwort auf ihr Beten empfangen und beschlossen, ihr Leben radikal zu ändern. Oft haben sie auf ganz unerwartete Weise Arbeit gefunden, viele haben kirchlich geheiratet, Kinder bekommen und führen ein Familienleben in Treue und im Gebet. Einige machen sogar eine Katechetenausbildung, um dann Zeugnis zu geben von der wunderbaren Begegnung, die ihr Leben verändert hat. Für Gott ist nichts unmöglich!

Aus "Kleine Geschichten - Große Wahrheiten (Band 3)" von P. Pierre Levebvre

Freitag, 22. August 2014

Maria Magdalena


Aus den Erlebnissen mit Resl von Konnersreuth

Rund 30 Jahre lang war Anni Spiegl eine Freundin der Familie Neumann und besonders der stigmatisierten Resl († 1962). Ein Jahr nach dem frühen Tod der Mystikerin veröffentlichte sie ihre Erinnerungen, in denen sie die gemeinsamen Unternehmungen, den Widerstand gegen die Nazis, die Wohltätigkeit der Familie Neumann gegenüber Armen und Verfolgten sowie viele Visionen und übernatürliche Erlebnisse Resls beschreibt. Am 13. Februar 2005 leitete der damalige Regensburger Bischof Gerhard L. Müller ihren Seligsprechungsprozess ein. Im Folgenden zitieren wir aus Anni Spiegls Aufzeichnungen:

Die hl. Maria Magdalena

Resl hegte eine besondere Liebe zur hl. Maria Magdalena. Sie muss sehr schön gewesen sein. Resl begegnete ihr in mehreren Visionen. Nach Resls Erzählung ist sie die Schwester von Martha und Lazarus. Sie ließ sich ihr Erbteil auszahlen und nahm Wohnung auf ihrem Gut Magdala, wo sie ein sehr leichtes Leben führte. Magdalena war schön gekleidet und geschmückt. Die Fußkettchen klirrten leise beim Gehen. Bei ihrer ersten Begegnung mit Jesus wollte sie nur den schönen, interessanten Mann sehen, von dem die ganze Stadt sprach. Bei Magdalena war es keine plötzliche Bekehrung wie bei Paulus. Bei ihr war es Liebe, die erst geläutert werden musste.

Magdalena merkte bald, dass Jesus anders war als die anderen, sie suchte seine Nähe. Ihre Bekehrung war endgültig, als er im Haus des Simon zu ihr sagte: „Deine Sünden sind dir vergeben, geh hin in Frieden!“ Nun gab es für sie keine Furcht und kein Zurück mehr.

Resl sah Magdalena unter dem Kreuz, von Blut benetzt, und am Ostermorgen als Erste zum Grab eilen. Sie ist gelaufen. Ihr schönes, volles Haar fiel ihr ins Gesicht, so dass sie es immer wieder hinausstrich. Auch Resl machte die gleiche Bewegung mit (als sie die Vision schaute). Maria kam als Erste zum Grab, während die anderen Frauen in einiger Entfernung stehenblieben. Sie fand das Grab leer und lief suchend durch den Garten. Da sah sie einen Mann vor sich, den sie für den Gärtner hielt. Ihn fragte sie: „Wo habt ihr ihn hingelegt?“ Dann die Antwort: „Myriam!“ Da erkannte auch Resl den Heiland. Ihr Gesicht strahlte (...)

Aus: Anni Spiegl, Leben und Sterben der Therese Neumann von Konnersreuth

Mittwoch, 20. August 2014

Sie riskieren viel!


Geschichten, die das Leben schrieb, können den Glauben und das, worauf es im Christentum wirklich ankommt, oft besser verdeutlichen als theoretische Abhandlungen. Abbé Pierre Lefèvre stellt uns – im dritten Band von „Kleine Geschichten – große Wahrheiten“ – solche Geschichten vor:

Ein Pfarrer in Paris konnte die letzten Momente im Leben einer Frau aus seiner Pfarrei nicht vergessen. Diese Frau hatte den Sakramentenempfang abgelehnt, doch auf die Bitte ihrer Tochter hin erklärte sie sich schließlich mit einem Besuch des Pfarrers einverstanden. Der Priester merkte schnell, dass die Sterbende verbittert und nicht im Frieden war. Er fragte sie, ob er etwas tun könne, um es ihr leichter zu machen. Sie gab keine Antwort. Er fragte sie, ob es vielleicht jemanden gäbe, dem sie böse wäre. Nach einem Augenblick des Schweigens sagte sie: „Ja, ich bin meinem Bruder böse. Er hat mir meinen Erbteil gestohlen, das werde ich ihm nie verzeihen!“
Der Priester erinnerte sie an die Warnung des Heilands: „Wenn ihr nicht vergebt, wird auch euer himmlischer Vater euch nicht vergeben.“ Die Antwort ließ nicht auf sich warten: „Ich weiß, dass Gott mir nicht vergeben wird, aber das ist mir egal.“ – „Also da riskieren Sie aber viel“, meinte der Priester. Die Frau antwortete kalt: „Ich weiß, dass ich verdammt werde, aber dann kann ich wenigstens die ganze Ewigkeit lang meinen Bruder hassen.“
Der Priester wusste nicht weiter. Er fiel schließlich auf die Knie und betete: „Heilige Maria, Mutter Gottes, jetzt, in der Stunde unseres Todes, bitte für uns!“ Da brach die Frau plötzlich in Tränen aus und rief: „Ich vergebe, ich vergebe! Herr, vergib auch mir!“ Mit einem Lächeln verstarb sie nach wenigen Minuten.


Aus "Kleine Geschichten - Große Wahrheiten (Band 3)" von P. Pierre Levebvre

Freitag, 15. August 2014

Das heilende Sakrament


Der irische Missionar P. Kevin Scallon berichtet von seinem ersten Erlebnis mit der Macht Jesu durch die Krankensalbung:

Mitte der sechziger Jahre weilte ich als junger Priester in Nigeria, wo ich Einkehrtage für die Pfarrei in einer sehr armen Gegend gehalten hatte. Eines Morgens stand ich nach der hl. Messe vor der kleinen Kirche und unterhielt mich mit den Menschen, als ein Mann zu mir trat, der einen in eine Decke gewickelten kleinen Jungen auf dem Arm trug. Der Reaktion der Umstehenden konnte ich entnehmen, dass der Junge sehr krank war, dem Tode nahe. Der Vater legte ihn sanft vor meinen Füßen auf den Boden und sagte: „Pater, bitten Sie doch Gott darum, meinen Sohn zu heilen!“
Noch nie im Leben hatte jemand so etwas zu mir gesagt, und ich wusste wirklich nicht, wie ich reagieren sollte. Plötzlich, wie inspiriert, dachte ich an die Krankensalbung. Ich holte mein Römisches Rituale hervor und begann, die lateinischen Gebete des „Sakraments der Letzten Ölung“ zu beten, wie es damals hieß. Ich salbte die Augen, Ohren, Nase, Lippen, Hände und Füße des Kindes. Als ich fertig war, bat ich die Menschen zu beten; nach einigen Minuten hob der Mann seinen Sohn vom Boden auf und ging heim.
Als an jenem Abend die hl. Messe begann, gab es eine große Aufregung in der Kirche, es wurde geklatscht, Gott gepriesen und die Trommeln geschlagen. Zuerst wusste ich nicht, was geschehen war, dann erkannte ich die Ursache: Derselbe Mann stand vor mir, mit einem großen, breiten Lächeln. Er sagte: „Schauen Sie, Pater, meinem Kind geht es besser. Sie haben meinen Sohn geheilt!“ Er sagte noch mehr, doch ich hörte nichts mehr. Ich war innerlich zutiefst bewegt durch dieses Zeichen, das Jesus diesen armen Menschen und einem jungen irischen Priester, der es so dringend brauchte, geschenkt hatte.
„Ich will selbst kommen und ihn gesund machen“ (Mt 8,7)

Aus dem Buch "Ich will selbst kommen" von P. Kevin Scallon

Mittwoch, 13. August 2014

Der fliegende Heilige

Zu den faszinierendsten Heiligen gehört der Franziskanerpater Josef Maria von Copertino (1603 - 1663) aus der Provinz Apulien in Süditalien. In einem Stall geboren, erlebte er schon in jungen Jahren Armut, Krankheit und Ablehnung. Der Schüler aber konnte auch in tiefes Staunen versinken – beim Klang der Orgel, bei der Erwähnung des Namens Jesus ... Fasziniert vom Leben des hl. Franziskus wollte er diesem nachfolgen. Doch sein Weg ins Kloster war dornig, mehrfach wurde er „wegen Unfähigkeit“ abgewiesen, bis er endlich Franziskanerminorit werden durfte. Er schien zwei linke Hände zu haben, tat sich schwer beim Lernen und schien oft geistesabwesend zu sein. Mit äußerster Mühe, durch viel Gebet und die Hilfe der Mutter Gottes schaffte er das Priesterstudium schließlich doch.
Bald merkten die Menschen nun, wie hoch er, der „Unfähige“, begnadet war: Unzählige Male schwebte er verzückt in der Luft, er hatte Visionen über die Zukunft, besaß die Gabe der Heilung und der Herzensschau. Seine charismatischen Gaben waren dermaßen spektakulär, dass viele ihn aufsuchten, einfaches Volk wie Gelehrte und Adlige. Doch der Heilige litt auch unter Verdächtigungen und Unverständnis und wurde, um dem Ansturm der Massen zu begegnen, von Kloster zu Kloster geschickt und immer mehr vor der Öffentlichkeit abgeschottet. Noch heute erfährt der hl. Josef von Copertino vor allem in seiner Heimat eine große Verehrung. Eine Kurzbiographie mit Novene und Gebeten, aus der die folgende Leseprobe stammt, möchte ihn auch hierzulande bekanntmachen.

Die letzten Jahre

Auf Bitten seiner Mitbrüder wird Pater Josef im Jahr 1657 in dem Kloster der Franziskaner-Konventualen in Osimo aufgenommen, das in der Mark Ancona liegt. Bereits bei seiner Ankunft sieht er über der Basilika von Loreto die Engel auf- und niedersteigen. Bei diesem Anblick gerät er in Ekstase und fliegt hinauf zum Giebel einer Scheune – zum heillosen Entsetzen der mitreisenden Brüder. Obwohl er auch dort ein Gefangener seiner Zelle ist, weiß er dennoch um die Gebetsanliegen, die an die Gemeinschaft herangetragen werden, um sich den Beistand des berühmten Heiligen und Wundertäters zu sichern. Br. Josef versöhnt Zerstrittene, heilt Kranke, spricht Prophezeiungen aus, hebt immer wieder in Verzückung ab, tanzt mit einer Nachbildung des Jesuskindes in seinen Armen und singt dabei vor Glück. Er hört nicht auf, für die Anliegen seiner Mitmenschen zu beten und zu opfern.

Nach monatelangem Fieber stirbt Josef Maria von Copertino am 18. September 1663 in Osimo im Kreis seiner Mitbrüder. Ein sanftes Lächeln umspielt seine Lippen. Plötzlich wird sein Haupt von einem hellen Licht umstrahlt. Friedlich und entspannt ruht sein Leib, wie im Schlaf, ohne eine Spur des Leidens oder eines Todeskampfes. Pater Josef hat seine Seele dem Schöpfer zurückgegeben.

Die Verehrung des Heiligen

Schon bald kommt es am Grab von Pater Josef in der Klosterkirche von Osimo zu auffälligen Gebetserhörungen und Wundern. Das einfache Volk verehrt den, der im Ruf der Heiligkeit starb, als einen mächtigen Fürsprecher. Auch die Kirche bestätigt sein heiligmäßiges Leben: Im Jahr 1753 wird Josef Maria von Copertino von Papst Clemens XIII. selig- und vierzehn Jahre später heiliggesprochen. Besonders in seiner süditalienischen Heimat erfreut sich der „fliegende Heilige“ bis heute großer Popularität. Er ist ein Patron der Schüler und Studenten, die ihn bei Prüfungen um Hilfe anrufen. Auch die Piloten, vor allem der (argentinischen) Luftwaffe, wenden sich an ihn als ihren Schutzpatron. Im Jahr 1963 wird er schließlich zum Schutzpatron der Weltraumfahrer ernannt. Josef von Copertino gilt als einer der bemerkenswertesten Heiligen der christlichen Mystik, doch auch zu den am wenigsten verstandenen. Er wollte nur das Eine: den Willen Gottes erfüllen. Ja, er war geradezu verrückt nach Gott. Diese Verrücktheit erfasste nicht nur seine Seele, sondern auch den ganzen Leib, der buchstäblich hinaufgezogen wurde zu Gott. Unzählige Gläubige aller Stände suchten ihn auf. Aufgrund seiner Gabe der Herzensschau wurde er vor allem von dem einfachen Volk verehrt, das seine Nähe suchte und seinen Rat annahm. Seine von Gott eingegossene Wissenschaft setzte selbst gelehrte Theologen immer wieder ins Staunen. Die Zeit seiner Isolation nutzte P. Josef zu Gebet, Gesang und Dichtung. So ist von ihm eine umfangreiche geistliche Spruchsammlung erhalten.

Aus: Gottfried Egger, Heiliger Josef von Copertino – Patron der Studenten

Sonntag, 29. Juni 2014

Der Tag des Herrn

Manchmal sagt eine wahre Geschichte mehr aus als lange Abhandlungen. Aus dieser Überzeugung heraus sammelte der französische Priester Pierre Lefèvre Dutzende Geschichten, die er in zwei Bänden publizierte: Kleine Geschichten – Große Wahrheiten. Diese richten sich an Jugendliche und Erwachsene und zeigen vor allem, welche Bedeutung die Zehn Gebote im Leben haben.

Ich laufe nicht!

Der junge Schotte Eric H. Liddell (1902–1945) war Meister im Sprint und gewann 1923 den 100-Meter-Lauf als bester englischer Athlet. Folglich wurde er 1924 ausgewählt, England bei der Olympiade in Paris zu vertreten. Doch der Wettkampf fiel auf einen Sonntag. Nach der Gewohnheit vieler Christen jener Zeit trieb Eric am Sonntag keinen Sport. Er verzichtete also auch auf den Olympiastart, um den Tag des Herrn zu ehren.

Seine Freunde konnten sich darüber nicht beruhigen. Da jedoch der 400-Meter-Lauf während der Woche stattfand, wurde Eric angeboten, daran teilzunehmen. Bevor er das Hotel verließ, um den Bus zum Stadion zu nehmen, gab ihm sein Masseur einen Zettel mit den Worten, er solle ihn direkt vor dem Lauf lesen. Als Eric im Stadion ankam, fühlten sich seine Füße an wie Blei. Er dachte: „Ich bin
zwar im 100-Meter-Lauf der Beste, vierhundert Meter sind jedoch viel zu viel für mich!“ Dann zog er das Papier aus der Tasche und las: „Im Alten Testament steht geschrieben: ,Wer mich ehrt, den werde auch ich ehren‘ (1 Sam 2, 30).“ Das machte ihm Mut, und er beschloss, sein Bestes zu geben. Vor dem Start gab er den Konkurrenten die Hand. Sein Masseur sagte: „Mit diesem Händedruck verabschiedete er sich buchstäblich von seinen Konkurrenten! Und tatsächlich, er lief derart schnell, dass keiner ihn einholen konnte. Er gewann die Goldmedaille.“
Versuchen auch wir, den Tag des Herrn in Ehren zu halten, dann wird Gott unsere ganze Woche segnen. Der Katechismus (2195) sagt: „Jeder Christ soll sich hüten, ohne Notwendigkeit andere zu etwas zu verpflichten, das sie hindern würde, den Tag des Herrn zu halten.“

Donnerstag, 26. Juni 2014

Frieden finden

In den letzten Jahrzehnten bahnte sich ein grundlegender Wandel in der Gesellschaft an, der noch nicht abgeschlossen ist. Der Australier Alan Ames (*1953) kommentiert in seinem neuen Buch Frieden finden die Friedensbewegung von 1968 und analysiert, wohin unsere Gesellschaft sich heute bewegt. Dabei legt er den Finger in die Wunden, die der Zeitgeist geschlagen hat, und weist auf mögliche Gefahren für die Zukunft hin. Hier ein Auszug aus dem Buch:

Die seelische Leere

In der Welt herrscht eine spirituelle Hungersnot, da die Herzen gegenüber dem Heiligen Geist Gottes verschlossen sind. Daher zog es viele Menschen hin zum Geist des New Age, zu östlichen Glaubensrichtungen, zur Hexerei und sogar zum Satanismus. Die Seele sehnt sich nach Erfüllung und deshalb sucht der Mensch, sofern er nicht in Beziehung mit dem wahren Gott, der Heiligen Dreifaltigkeit, steht, anderswo danach. So viele zieht es heute zu Glaubensrichtungen, in denen das Ich im Mittelpunkt steht und es darum geht, höhere Daseinsebenen zu erreichen. Es heißt oft, man könne schließlich gleichförmig werden mit dem, was als „das Göttliche“ präsentiert wird. Es ist kaum die Rede davon, Opfer zu bringen für andere oder anderen dabei zu helfen, ein heiliges und glückliches Leben zu erlangen. In der Regel geht es um das Ich und darum, wie man sein Ich verbessern und höhere Erkenntnisebenen erreichen kann (...)
Die New-Age-Philosophien sind lediglich eine Neuauflage alter heidnischer Vorstellungen, die auf verschiedene Weise präsentiert werden. Dazu gehört der Glaube an die Mutter Erde oder an eine Mutter-Göttin, an den Einfluss des Mondes, an die Macht der Kristalle, an Tier und Pflanzengeister. Man will mit dem „inneren Geist“ arbeiten, um seine Macht zu gebrauchen; den „Geist des Universums“ anzapfen; man glaubt an die Heilkraft und Macht verschiedener Götterfiguren; an Channelling durch Geister (Schreibmedium) usw. Das Kernstück all dieser und verschiedener anderer New-Age-Richtungen oder okkulter Praktiken besteht aus demselben alten Blendwerk des Bösen, und alle diese Praktiken führen von Gott weg und hinein in die Finsternis.
Zu nennen ist auch die Zauberei, die mancherorts inzwischen als eine Religion anerkannt ist (...) Der Böse bietet den Menschen durch die Zauberei Macht an, und einige Menschen verlangen in ihrer Blindheit nach dieser Macht und meinen, dadurch etwas Besonderes zu werden, über anderen zu stehen und andere kontrollieren und benutzen zu können.
Manche haben die irrige Vorstellung, mit Hilfe der so genannten „Weißen Magie“ im Stande zu sein, Gutes zu tun – doch vom Bösen kommt nichts Gutes! Auch wenn man dem Bösen einen anderen Namen gibt, um es attraktiver erscheinen zu lassen – Böses bleibt dennoch Böses (...) Jede Macht, die man durch Zauberei erhält, hat ihren Ursprung in der Macht des Bösen. Jedweder Geist, der mit Hilfe der Zauberei kontaktiert wird, ist ein böser Geist (...)
Während Christus, unser Herr, verleugnet wird, hat der Böse Christus also auf verschiedene Weise im Leben der Menschen ersetzt, und zwar so, dass die Menschen immer tiefer hinein in die Finsternis des Bösen und in den Schmerz geführt werden, der sie dort erwartet.
Wie traurig ist es doch, dass Menschen Gott ablehnen, der die Liebe, Frieden und Freude anbietet, und stattdessen denjenigen einladen, der Elend, Leiden und Aufruhr mit sich bringt!

Aus: Alan Ames, Frieden finden

Mittwoch, 25. Juni 2014

Verborgene Quellen für die Heilung

Sr. Usha SND aus Indien, seit Jahren engagiert im Heilungsdienst, beschrieb, wie der Friede in unsere Beziehungen kommen und verwundete Erinnerungen geheilt werden können. Dabei verknüpft sie Elemente aus der Psychotherapie wirkungsvoll mit den Heilungsgaben des Heiligen Geistes. Inzwischen liegt eine Neuauflage der Kleinschrift "Verborgene Quellen für die Heilung" vor. Eine Leseprobe:

Innere Heilung


Auf unserem Lebensweg sollten wir vor allem in der Kraft des Heiligen Geistes mit Jesus gehen. Unsere Heimat ist der Himmel, wo nichts Böses existiert. Oft ist unser Weg auf Erden sehr dunkel, und wenn wir durch dieses „finstere Tal“ gehen, stoßen wir zwangsläufig mit anderen zusammen und geraten in Konflikte. Oft werden wir von unserer Umgebung nicht verstanden. Wir geben uns ehrliche Mühe, mit unseren Mitmenschen zu reden, aber unsere sprachlichen und außersprachlichen Bemühungen halten andere auf Abstand. Wir reagieren mit Erstaunen und Verwirrung, und hierdurch wird wiederum die Verständigung gestört. Als Beispiel möchte ich eine persönliche Erfahrung weitergeben:
Eine Schwester sagte etwas, womit ich mich in Gedanken sehr beschäftigte. Ich war mir dessen nicht bewusst, bis jemand anderes mich fragte: „Was ist geschehen? Du siehst so besorgt aus?“ Ich antwortete: „Nein, ich bin überhaupt nicht besorgt.“ Aber der Fragende konnte die Irritation auf meinem Gesicht sehen. Dabei beruhte alles auf einem belanglosen Ereignis:Ich ging gerade durch den Haupteingang meines Konvents hinaus und sah, dass eine andere Schwester hereinkommen wollte. Deshalb ließ ich die Tür für sie offen. Eine andere Schwester hinter mir, die nicht sehen konnte, dass jemand herein wollte, platzte heraus: „Oh, du lässt immer die Tür offen!“ Ich versuchte, ihr den Grund zu erklären, aber sie antwortete schnell: „Das ist nur deine Ausrede!“ Ich erfuhr, dass ich einer einfachen Geste wegen von der einen Person für freundlich und aufmerksam gehalten wurde, von der anderen jedoch für gedankenlos und unverantwortlich. Und dieser Person muss ich vergeben, nur so kann meine Verletzung geheilt werden. Bedingungslos zu vergeben und Vergebung zu empfangen, ist der Schlüssel, der die Tür zum inneren Frieden öffnet.Kehren wir zu der Schwester zurück, die sich über mich geärgert hatte. Sie ist eine Perfektionistin. Für sie ist eine Regel eine Regel, und jede, die sie nicht einhält, ist ungehorsam. An diesem Tag kannte sie den Grund nicht, weshalb ich die Tür offengelassen hatte; sie war in dem Moment auch nicht bereit, meine Erklärung
anzuhören und sich daraufhin mit mir zu versöhnen.
Deshalb ist der beste und schnellste Weg meiner Versöhnung, dass ich mich mit ihr in der Gegenwart des Herrn in meinem Herzen versöhne: Ich beruhige mich, sehe diese Schwester in meiner Vorstellung vor mir und sage zu ihr: „Schwester, ich vergebe dir, dass du so mit mir gesprochen hast. Du hast nicht gesehen, weshalb ich die Tür offen ließ. Deshalb vergebe ich dir.“ Es ist nicht schwierig, sich die Antwort dieser Schwester vorzustellen: „Bitte vergib mir, Sr. Usha, dass ich dich auf diese Weise verletzt habe. Aber aufgrund der Umstände war mir in diesem Moment nicht bewusst, was ich zu dir gesagt habe.“
Als ich auf diese Weise vergeben und Vergebung empfangen hatte, war ich von den negativen Gefühlen befreit. Ich bat Jesus, mich und die andere Schwester mit seinem kostbaren Blut zu heilen und freizusetzen. Durch meinen Glauben weiß ich, dass ich geheilt und freigesetzt bin. Dafür danke ich Jesus!

aus: Sr. Usha: "Verborgene Quellen für die Heilung"

Donnerstag, 12. Juni 2014

Liebe

„Mach, mein Gott, dass ab sofort alles in mir Liebe sei. Der Glaube sei die Liebe, die vertraut. Die Hoffnung sei die Liebe, die erwartet. Die Anbetung sei die Liebe, die sich niederwirft. Das Gebet sei die Liebe, die mit dir spricht. Die Mühe sei die Liebe, die arbeitet. Das Opfer sei die Liebe, die sich hingibt. Nur deine Liebe sei Herr meines Willens.“
Sel. Elena Guerra

Leben aus dem Heiligen Geist

Nicht wenige Menschen fragen sich, wie sie richtig beten sollen. Eine Anregung kann der australische Mystiker Alan Ames geben, der nach seiner Umkehr im Alter von 40 Jahren das Beten mit Hilfe der Gottesmutter neu lernte. Hier ein Auszug aus seinem neuen Buch Leben aus dem Heiligen Geist:

Eine „dreifaltige“ Art des Betens

Da ich mit der Zeit viel betete und so viele Gnaden erlebte, dachte ich in meinem schrecklichen Stolz: „Ich weiß alles über das Gebet!“ Doch die Heiligen beschlossen, mir zu zeigen, dass dem nicht so war. Sie zeigten mir, dass es noch viele andere Arten des Betens gibt und dass sie alle beabsichtigten, mich Gott zu öffnen. Unsere heilige Mutter Maria zeigte mir eine „dreifaltige“ Art des Gebets. Sie sagte: „Es gibt noch eine Art zu beten, diese solltest du ausprobieren. Wenn du die Worte deines Gebets sprichst, denke sie gleichzeitig mit. Und während du sie denkst, lässt du sie aus deinem Herzen und deiner Seele aufsteigen.“ Ich versuchte es, aber irgendwie schaffte ich es nicht. Nachdem ich mich sehr bemüht hatte, gelang es mir schließlich, meine Worte und Gedanken zusammenzubekommen. Trotzdem spürte ich nicht dieselbe Freude wie bei anderen Gebeten. Ich konnte einfach nicht mein Herz und meine Seele in mein Gebet legen. Da erklärte mir die Gottesmutter: „Du hast etwas vergessen. Du hast den Heiligen Geist nicht gebeten, dir dabei zu helfen, aus dem Herzen und mit der Seele zu beten.“ Wie dumm ich doch war! Sofort bat ich den Heiligen Geist um Hilfe, und schon bald, mit etwas Ausdauer, gelang es: Beim Beten bildeten meine Worte, meine Gedanken und jeder Herzschlag eine Einheit mit jedem Wort. Während ich ein Wort sprach, dachte ich es auch. Und während ich das Worte dachte, fühlte ich es tief in mir.
Plötzlich konnte ich meine Worte, meine Gedanken und jeden Herzschlag in jedes meiner Gebete hineinlegen. Sie wurden eins, ein vollkommener Ausdruck meiner Liebe zu Gott. Mein ganzes Wesen steckte in jedem Wort eines jeden Gebets. Ich spürte, wie die Liebe Gottes mich erfüllte, mich umgab, mich immer näher zu Ihm hinzog und – oh, wie hat Er mich emporgezogen! Es war wundervoll ...
In dieser Weise gab ich mich in jedem Gebet Gott ganz hin – durch Gottes Gnade, weil Er mich liebt und mich Seine Liebe auf neue Art durch das Gebet erfahren lassen wollte. Die Mutter Gottes erklärte: „Nun ist dein Gebet vollständig und du legst dein ganzes Wesen in einer dreifaltigen Weise hinein: physisch, d.h. mit deinen Worten, sowie mit deinem Denken und deiner Seele. Auf diese Weise erhebt deine Seele deine Worte (d.h. dein physisches Wesen) und deine Gedanken zu Gott. Deine Seele ruft die Liebe nach Ihm hinaus, und wenn du in dieser Weise betest, kommt Sein göttlicher Geist tief in dich hinein, weil du jetzt ganz nach Ihm verlangst, dich Ihm im Gebet ganz hingibst, und im Gegenzug gibt Er sich dir."

aus: Alan Ames, Leben aus dem Heiligen Geist

Mittwoch, 11. Juni 2014

Jesus lebt heute

Im Jahr 1998 kam die ursprünglich aus Indien stammende Josefsschwester Margaritha Valappila mit ihrer deutschen Mitschwester Kiliana nach Bad Soden-Salmünster, wo ihr die ehemalige Kurklinik von der Eigentümerin geschenkt wurde. Dieses Haus ist seit über zehn Jahren ein aktives Evangelisationszentrum, in dem monatlich mehr als tausend Menschen an Gebets- und Einkehrtagen oder anderen geistlichen Angeboten teilnehmen. Welche Wunder sie erlebte, schildert die Schwester in ihrem Buch Jesus lebt heute:

Bei Dir ist Vergebung

Als ich noch als junge Krankenschwester in einer Gemeinde tätig war, wurde ich zu einem Schwerkranken gerufen. Bevor ich in sein Zimmer ging, informierte mich seine Frau über seine Situation: Er lebte seit über 40 Jahren getrennt von der Kirche. Eine Woche vor meinem Besuch hatte ihn der Ortspfarrer besucht. Kaum hatte dieser das Zimmer betreten, rief ihm der Kranke zu, er wolle ihn nicht sehen, und warf eine Kaffeetasse nach ihm. Seine Frau bete darum, dass ihr betagter Mann vor seinem Tod zu Gott zurückfinden möge. Der Mann war schwach und abgemagert, hatte hohes Fieber und war sterbenskrank. Ich betete in meinem Herzen und gab ihm eine Spritze gegen das Fieber. Nach einer Stunde sah ich wieder nach ihm. Er war froh, dass es ihm etwas besser ging und war schon in der Verfassung, mir Komplimente zu machen.
Bei dieser Gelegenheit wagte ich die Bemerkung, dass ich nur etwas für seinen vergänglichen Leib getan hätte, nicht aber für seine unsterbliche Seele. Sofort wurde mein Patient böse und wollte mich aus dem Zimmer werfen. Da sagte ich: „Bevor ich gehe, habe ich noch eine Frage. Was hast du gegen Gott und die Kirche?“ Aufgewühlt erzählte er: Als er aus dem Krieg zurückkam, habe er, wie viele andere, vom damaligen Pfarrer ein Grundstück haben wollen, um ein Haus zu bauen. Aber er bekam keines, und in seiner Enttäuschung habe er die Verbindung zur Kirche abgebrochen. Da nahm ich seine Hand und sagte: „Das war sicher vom Pfarrer nicht recht.“ Damit wollte ich ihn trösten. Dann fuhr ich fort: „Du weißt, dass wir alle einmal sterben müssen. Und wenn wir vor Gott stehen, wird er uns nicht fragen: Was haben die anderen gemacht? Gott wird fragen: Wo warst du, was hast du gemacht? Er macht dich nicht für die Taten des Pfarrers verantwortlich, sondern dafür, wie du reagiert hast.“ Da sah er mich mit großen Augen an und sagte ganz leise: „Hol den Pfarrer!“ Dieser kam sofort, und während er beim Kranken war, beteten dessen Frau und ich um die Bekehrung des Kranken. Nach einer Beichte mit großer Reue empfing der Kranke nach vielen Jahren die hl. Kommunion und die Krankensalbung. Am gleichen Tag starb der Mann um im Beisein von uns allen, ganz friedlich und mit Gott versöhnt. preiset den Herrn!

Ein Ausschnitt aus dem Buch "Jesus lebt heute" von Schwester Margaritha Valappila

Offizielle Homepage des Evangelisationszentrums

Dienstag, 10. Juni 2014

Die kleine Araberin

Ein Ausschnitt aus dem Buch "Mirjam - Die kleine Araberin" von Sr. Emmanuel Maillard

Welche Freude, Mirjam von Betlehem zu kennen und sie bekannt zu machen! Für gewöhnlich die kleine Araberin genannt, mit dem Ordensnamen Schwester Maria von Jesus dem Gekreuzigten wurde sie am 13. November 1983 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Ihr Leben war ein wahres Epos, eine Geschichte des Sieges vom Licht über die Dunkelheit, vom Licht des Heiligen Geistes über die Übel in dieser Welt. Ein wunderbares helles Licht, wie wir es heute so dringend brauchen.

Mirjam war jung, einfallsreich und originell. Sie ging auf völlig unkonventionellen Wegen, was besonders erstaunlich ist, da sie nie lesen und schreiben gelernt hatte. Sie ist eine Abenteurerin erster Klasse, aber auch eine gute Freundin. Und trotzdem führte sie ein Jahrhundert lang ein Schattendasein. Es bedurfte unseres geliebten Johannes Paul II., um sie aus der Vergessenheit zu holen. Wenn die Kirche sie uns jetzt vor Augen führt, so ist dies vor allem ein Sieg im großen Kampf gegen die Finsternis, eines Kampfes gegen das Vergessen. Dies erinnert uns an Schwester Faustyna Kowalska, die im dritten Jahrtausend als erste Frau heiliggesprochen wurde. Auch sie war zunächst mit ihren Schriften unbeachtet geblieben, bevor Johannes Paul II. sie der ganzen Welt bekannt machte.

Wir müssen dem Leben und der Botschaft von Mirjam große Bedeutung beimessen. Denn nach diesem langen Schattendasein hat das, was jetzt augenfällig wieder zum Vorschein kommt, bereits viele gestärkt und erleuchtet, die um jeden Preis nach der Wahrheit suchen, besonders aber die Jugend. Wir können es als Vorsehung betrachten, dass Mirjam so lange unbekannt geblieben ist, denn dadurch wirkt ihre Botschaft heute um so stärker. Ich spreche hier von einem Sieg, weil Mirjam in ihrem Leben schwere Kämpfe bestehen musste. Vom Himmel erhielt sie wunderbare Gnaden, die sie darin stärkten. Oft musste sie sich mit Satan persönlich auseinandersetzen – in ihren Lehren klärt sie uns deshalb besonders über diesen geistigen Kampf auf.

Eine kleine Anekdote

Während meines Aufenthaltes in Israel erfuhr ich von dieser kleinen Schwester und war sogleich von dem Ausmaß des geistigen Kampfes ergriffen – ja betroffen. Ein Priester aus Betharam, Pater Jeangrand (†), hielt sich im Jahr 1977 ebenfalls in Nazaret auf. Er war Seelsorger im dortigen Karmeliterkloster und besaß ein tiefgehendes Wissen über Mirjam, die er auf rührende Weise verehrte. Wenn man Pater Jeangrand über Mirjam erzählen hörte, so meinte man, direkt mit dem Himmel verbunden zu sein! Mein Herz hüpfte vor Freude. Er lieh mir ein wunderbares Buch über Mirjam, das von ihrem geistlichen Vater, Pfarrer Estrate, geschrieben worden war. Da dieses Buch (auf Französisch) nur schwer zu finden ist, bat er mich: „Schwester Emmanuel, geben Sie gut auf dieses Buch acht. Behandeln Sie es wie Ihren Augapfel!“ Ich versprach ihm, ganz besonders gut darauf aufzupassen.
Auf dem Weg nach Hause hielt ich bei einem Lebensmittelgeschäft an, um etwas Brot für die Gemeinschaft einzukaufen. Als ich zum Auto zurückkam – war das Buch verschwunden!

Die Geschichte von der Schlange

Eines Tages saß Mirjam in der Küche und aß ihren Brei, ganz allein. Auf einmal kroch eine große Schlange langsam auf sie zu, schlängelte sich hinauf auf den Tisch und fing an, aus Mirjams Teller zu fressen. Beim Anblick der Schlange fiel Marjam keineswegs in Panik – höchstwahrscheinlich war sie sich der Gefahr gar nicht bewusst – sie packte sogar den Kopf der Schlange, um ihr zu helfen, tauchte ihn in den Teller und begann, gemeinsam mit der Schlange zu essen. Dann kam die Magd herein ... Sie stieß einen lauten Schrei aus und scheuchte, von panischer Angst ergriffen, die Schlange fort. Mirjam aber blieb äußerst ruhig.
Anhand dieser Episode können wir schon erraten, wie Mirjam in Zukunft ihre Siege über die Mächte der Finsternis erringen wird: durch ihre Unschuld und ihre Reinheit! Satan kann Unschuld nicht ausstehen. Aber Mirjam besaß diese erstklassige Waffe: Durch ihre Unschuld und ihre Demut, durch den Frieden ihrer Seele, die ganz in Gott versunken war, stellte sie sicher, dass der Böse keine Macht über sie hatte. Freilich wird er sich zeigen, er wird Mirjam von Anbeginn an bis zum Ende auf den Fersen sein, um sie anzugreifen und zu versuchen, sie zu Fall zu bringen. Aber dies wird nicht gelingen, weil Mirjam ihre Seele mit Gott vereint hat, in Unschuld und Reinheit.

Mirjams Eheversprechen

Mirjam wuchs heran. Sie war etwa acht Jahre alt, als ihr Onkel Ibillin verließ, um sich mit seiner Familie und Mirjam in Alexandrien niederzulassen. Er war immer sehr nett zu Mirjam und behandelte sie wirklich wie ein Kind seiner Familie. Aber ohne ihr Wissen war Mirjam bereits mit einem Jungen verlobt worden. Solche von den Eltern arrangierte Eheversprechen waren wie in den meisten arabischen Familien der Gegend auch in dieser Familie etwas ganz Normales. Es war im Jahr 1858, als ihr Onkel und ihre Tante diesem kleinen zwölfjährigen Mädchen ankündigten, dass es schon bald einen Jungen, den der Onkel bereits vor mehreren Jahren für es ausgewählt hatte, heiraten sollte.
Man kleidete sie nun in prächtige Kleider, man schenkte ihr Schmuck, frisierte ihre Haare auf elegante Weise – kurz und gut, man machte aus ihr eine strahlende Braut. Mirjam aber erinnerte sich, dass sie mit fünf Jahren ihr Leben dem Herrn geweiht und tief in ihrem Herzen beschlossen hatte, nie jemand anderem zu gehören als Jesus allein. Noch eine Woche bis zum Hochzeitstag, und Mirjam flehte die Jungfrau Maria an, ihr zu Hilfe zu eilen und diesem Heiratsplan ein Ende zu bereiten.
Sie redete mit ihrem Onkel, aber der Onkel blieb sehr bestimmt, er wich nicht von seiner Entscheidung ab. Für ihn war es unbedingt erforderlich, seine verwaiste Nichte zu verheirateten, sie wäre dann gut versorgt. Entsprechend der Mentalität der damaligen Zeit und dem patriarchalischen Gesellschaftssystem war das die einzige Zukunft, die er für sie planen konnte.
Aber die Mutter Gottes wachte über die zukünftige Braut ihres Sohnes. So flüsterte sie ihr in der Nacht eine kleine List ins Ohr, eine klassische List, die man auch im Leben der heiligen Katharina von Siena finden kann. Mirjam verstand sie sofort, und gleich am nächsten Morgen schnitt sie sich ihre schönen langen Haare ab. Denn es war undenkbar, dass ein Orientale eine Frau so ohne Haare heiratet! Das gab es nicht, es wäre eine Schande gewesen!
So brachte Mirjam ihrer Familie, den Gästen und ihrem versprochenen Bräutigam am Hochzeitsmorgen ihre Haare schön geschmückt auf einem Tablett dar. Die List hatte gut funktioniert. Doch ihr Onkel wurde vor Ärger gewalttätig: Er schlug sie, bis sie blutete. Mirjam wird fortan die Spuren dieser brutalen Schläge auf ihrem Körper zurückbehalten. Dann wurde sie aus der Familie verstoßen und fand sich wieder als Sklavin der Sklaven. Denn es traf sich, dass einige schwarze Dienerinnen dem Onkel zu Diensten standen. Nun, diese Dienerinnen bekamen den Auftrag, Mirjam nicht zu schonen und ihr die schwersten Arbeiten zu übertragen.
Für die nächsten drei Monate wird Mirjam diesem Regime von Verfolgungen und Demütigungen ausgesetzt. Gott allein weiß, was sie damals auszuhalten hatte! Aber anstatt zu rebellieren und sich über ihr Schicksal zu beklagen, nimmt Mirjam diese neue Bürde mit großer Freude auf sich, so sehr war sie mit dem Herrn und den himmlischen Mächten vertraut. Und obwohl ihr Leben nach außen hin äußerst hart erscheint, trägt Mirjam den Himmel in ihrem Herzen und bleibt voller Freude inmitten der gröbsten Arbeiten. Sie empfindet eine echte Glückseligkeit und nimmt ihr Schicksal an als eine Gnade. Denn diese harten Arbeiten und diese Prüfung, verstoßen worden zu sein, werden es ihr ermöglichen, ihre Zugehörigkeit zu Gott zu stärken.

Ausschnitt aus dem Buch "Mirjam - Die kleine Araberin" von Sr. Emmanuel Maillard

Dienstag, 27. Mai 2014

Der Himmel

Das Leben schreibt viele Geschichten, und einige davon sind sehr geeignet, tiefe Wahrheiten aufzuzeigen. Dazu gehören folgende zwei Geschichten aus P. Petar Ljubicics Buch "Beispiele, die ermutigen":

Der Reiche und der Himmel

Ein Priester predigte am Hochfest Christi Himmelfahrt begeistert über den Himmel. Als er die Kirche verlassen wollte, kam ein reicher Mann auf ihn zu und sagte: „Pater, Sie haben sehr schön und gut über den Himmel gesprochen, aber Sie haben uns nicht gesagt, wo der Himmel ist.“ Der Priester antwortete: „Ich zeige Ihnen, wo er ist. Oben in diesem Haus, im letzten Stockwerk, wohnt eine arme Witwe mit ihren beiden Söhnen. Alle sind krank und haben Hunger. Sie leiden große Not! Schicken Sie jemanden, der sie besucht. Geben Sie ihnen ein bisschen zu Essen, Holz und Kleidung. Dann nehmen Sie die Heilige Schrift und lesen das 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums, in dem Jesus über den Jüngsten Tag spricht. Ich bin sicher, Sie werden gleich verstehen, wo der Himmel ist. Falls nicht, kommen Sie bitte noch einmal zu mir, dann werde ich es Ihnen genauer erklären.“ Der Reiche gehorchte dem Priester. Noch am selben Tag besuchte er die kranke Witwe und beschenkte sie reichlich. Er kehrte zu dem Priester zurück und sagte: „Pater, ich habe nicht nur erfahren, wo der Himmel ist, sondern ich war sogar dort! Ich kann mit meinen armen Worten nicht ausdrücken, was ich in meiner Seele fühle! Aber ich kann Ihnen so viel sagen: Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so glücklich!“

Aus einer Predigt an ein Brautpaar

Bei einer kirchlichen Trauung gratulierte der Priester dem jungen Paar mit den Worten: „Streitet euch! Streitet euch oft! Das ist mein aufrichtiger und brennender Wunsch für euch und mein bester Glückwunsch!“ Die Gäste wurden nervös, das Brautpaar war sprachlos. „Was meint er damit? Macht er einen Scherz?“ Da sprach der Priester weiter: „Wenn er zu dir sagt: Kauf dir einen neuen Wintermantel!, sagst du: Nein! Ich habe einen, der noch gut ist, doch du brauchst noch Fachbücher. Wenn sie zu dir sagt: Geh dir ein Fußballspiel ansehen, ich weiß, dass du das gern tust!, sagst du: Nein! Ich gehe zwar gern zum Spiel, aber ich liebe dich noch mehr, dich und unser Zuhause. Ich bleibe heute lieber bei dir! Streitet so bei allem in eurem gemeinsamen Leben: ,Auf dass es für dich schöner sei und es dir besser gehe!‘ – ,Nein, dir!‘ Streitet beharrlich, mit der Kraft der Liebe. Und ihr werdet erfahren, was Glück ist.“ Zur Nachahmung empfohlen!

Auszug aus dem Buch "Beispiele, die ermutigen, anziehen aber auch ermahnen" von P. Petar Ljubicic, erschienen im Miriam Verlag

Montag, 26. Mai 2014

Befehlsverweigerung

Auf einem amerikanischen Kriegsschiff fiel einem Matrosen seine Jacke ins Meer. Er fragte einen Offizier, ob er ins Meer springen dürfe, um die Jacke wiederzuholen. Der Offizier sagte: „Nein“, denn das Schiff stand kurz vor dem Einsatz. Der Matrose sprang aber doch in das Meer, erwischte die Jacke und kam wieder auf das Schiff .
Als der Offizier das sah, ging er voll Zorn auf ihn zu und sagte: „Das ist Befehlsverweigerung. Sie kommen vor das Kriegsgericht!“ Und wirklich: Nach dem Einsatz kam der Matrose vor das Kriegsgericht und der Kapitän legte ihm eine schwere Strafe auf. Er fragte aber: „Nun sagen sie mir doch, warum haben Sie wegen dieser lumpigen Jacke den Befehl verweigert?“ Da zog der Matrose ein Bild aus der Jacke. Es war das Bild seiner Mutter und er sagte: „Wegen dieses Bildes habe ich es getan!“ Da war der Kapitän so gerührt, dass er sagte: „Ein Soldat, der so seine Mutter ehrt, den kann ich nicht bestrafen!“, und er nahm die Strafe zurück.
Wer eine Medaille bei sich trägt, trägt das Bild seiner himmlischen Mutter bei sich. Er ehrt dadurch seine himmlische Mutter und stellt sich unter ihren besonderen Schutz und Maria kann ihr Versprechen einlösen: „Wer eine geweihte Medaille trägt, wird große Gnaden erlangen!“

Karl M. Harrer
Zuerst erschienen in "Erlebnisse mit der Wunderbaren Medaille."