Dienstag, 22. Juli 2014

Medjugorje-Botschaft vom 2. Juni 2014

Privatbotschaft an Mirjana

„Liebe Kinder! Ich rufe euch alle und nehme euch als meine Kinder an. Ich bete, dass ihr mich annehmt und als Mutter liebt. Ich habe euch alle in meinem Herzen vereint, ich bin zu euch herabgestiegen und segne euch. Ich weiß, ihr wollt Trost und Hoffnung von mir, weil ich euch liebe und für euch fürspreche. Ich ersuche euch, dass ihr euch mit mir in meinem Sohn vereint und meine Apostel seid.
Damit ihr das könnt, rufe ich euch von Neuem auf, dass ihr liebt. Es gibt keine Liebe ohne Gebet – es gibt kein Gebet ohne Vergebung, denn die Liebe ist Gebet – Vergebung ist Liebe. Meine Kinder, Gott hat euch geschaffen, um zu lieben, ihr aber liebt, um zu vergeben. Jedes Gebet, das aus Liebe kommt,
vereint euch mit meinem Sohn und mit dem Heiligen Geist; der Heilige Geist aber erleuchtet euch und macht euch zu meinen Aposteln – Apostel, die alles, was sie tun, im Namen Gottes tun werden. Sie werden mit Werken beten und nicht nur mit Worten, weil sie meinen Sohn lieben und den Weg der Wahrheit begreifen, der ins ewige Leben führt. Betet für eure Hirten, damit sie euch immer reinen Herzens auf dem Weg der Wahrheit und Liebe führen können, dem Weg meines Sohnes. Ich danke euch.“

Freitag, 18. Juli 2014

Allzeit bereit

„Manchmal sind die Tränen in unserem Leben die Brille, mit der wir Jesus sehen können“ (Papst Franziskus am Ostermontag 2013). Der Verlust irdischen Besitzes, Krankheit oder der Tod lieber Menschen kann für uns der Wendepunkt sein, aus der Abhängigkeit vom Vergänglichen herauszutreten und den Ewigen zu entdecken: Gott. Er führt ein Schattendasein in unserer Welt, weil das öffentliche Bewusstsein ihn weitgehend ausklammert und ihn nur heranzieht, wenn ein Unglück geschehen ist. „Wo war Gott?“, wird dann gefragt. Richtiger wäre zu fragen: „Wo waren wir?“

Was uns „erdet“

Die meisten Menschen leben in einer großen Gottferne, was der heutige Zeitgeist aber nicht als Verlust ansieht. Wir haben alles, was die Welt geben kann, doch im Innern gähnt eine Leere, die so viele – nicht nur die Reichen und Schönen – in Depressionen, Drogen und zum Selbstmord treibt. Was sind die Reichtümer, die uns vom Reich Gottes fernhalten? Papst Franziskus gab am 27. Mai 2013 die Antwort: Es ist die Wohlstandskultur sowie die Liebe zum Provisorischen. Er stellte fest: „Wir sind in das Provisorische verliebt.“ Die endgültigen Vorschläge Jesu „passen uns nicht“, während uns das Provisorische gefällt, weil wir „Angst vor der Zeit Gottes haben“. Wir fliehen das Endgültige und klammern Jesus aus, obwohl er doch der Herr der Zeit ist. Wir aber sind nur die Herren des Augenblicks, was sich daran zeigt, dass wir das Endgültige meiden: Wie klein ist die Zahl derer, die bereit sind, sich für immer zu binden – durch den heiligen Schwur vor Gott und Menschen – zur Ehe oder zum Priester- oder Ordensstand.
Man lebt „auf Zeit“, immer mit dem Hintergedanken, etwas Neues zu suchen, wenn das Alte nicht mehr gut läuft. Zu dieser sehr irdischen Haltung gehört die Wohlstandskultur, die sich weltweit ausbreitet und alle Entscheidungen darauf gründet, das bisher Erreichte auf jeden Fall zu sichern. Alles, was das Ersparte oder den Lebensstil gefährden könnte, ist out – weshalb man hierzulande oft auf Kinder „verzichtet“. Gleichzeitig haben Therapeuten aller Art Hochkonjunktur. Die wenigsten Menschen scheinen glücklich zu sein. Das, was ihre Seele erschüttert, ist das Ungleichgewicht in ihrem Leben zwischen dem Vergänglichen und dem Ewigen: Wer alles hat, was die Welt bieten kann, aber seine Seele verhungern lässt, wird letztlich lebensmüde. Paddy Kelly von der berühmten Kelly-Family erzählte in einer Talkshow, wie er auf dem Höhepunkt seiner Karriere aus dem Fenster springen wollte, weil er die innere Leere nicht mehr ertrug. Erst als er alles Weltliche hinter sich ließ, fand er Gott, und der Glaube war der Beginn seines neuen und glücklichen Lebens.

Unsere Identität

Paulus erinnert uns daran, dass wir in Jesus Christus „nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“ sind (Eph 2,19). Wir dürfen und sollen das Irdische mit Freude und Dankbarkeit gebrauchen, doch anstatt das Vergängliche zu vergötzen, sollten wir daran denken, dass alles nur „geleast“ ist. Unsere Wurzeln liegen dort, wo unsere Zukunft liegt: In der Ewigkeit Gottes.
Jeder Mensch ist durch Gottes ewige Liebe gewollt und ins Leben gerufen worden. Weil die Liebe kreativ ist, sind wir nicht alle identisch, sondern jeder kann und darf Gott und die Mitmenschen auf einzigartige Weise lieben – so, wie niemand sonst es kann. Jeder ist berufen, eine oder mehrere Facetten der Liebe Gottes durch sein Leben aufscheinen zu lassen. Die selige Mutter Teresa beschrieb es so: „Was du tust, kann ich vielleicht nicht tun. Was ich tue, kannst du vielleicht nicht tun. Aber wir tun alle zusammen etwas Schönes für Gott.“

Wie ein Heißluftballon

Jesus stellte fest: „Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen“ (Mt 19,23). Wahrhaftig frei ist, wer nie aus dem Blick verliert, dass uns der Ruf des Vaters jederzeit ereilen kann: „Mein Kind, es ist Zeit, nach Hause zu kommen!“ Paulus betont (Phil 3,20): „Unsere Heimat aber ist im Himmel.“ Wenn dieser große Tag gekommen ist, will unsere Seele nur noch eins: so schnell wie möglich aufsteigen, hoch empor, wo der Vater darauf wartet, sein Kind in die Arme zu schließen. Ein Heißluftballon bleibt am Boden, bis das Seil gekappt und der Ballast abgeworfen wird. Dann steigt er senkrecht auf, und die Flamme des Brenners trägt ihn immer höher. Unsere Seele will genauso aufsteigen, aber die vom Papst erwähnten Reichtümer hindern sie daran. Das Seil ist der Wohlstand, der Besitz, der uns so am Herzen liegt und an den mancher sich noch auf dem Sterbebett klammert. Zum Ballast wird uns alles Provisorische, dem wir anhängen – jeder verpasste Moment, in dem wir nicht dem Ruf der Liebe folgten, sondern dem Egoismus. Wie viele Seelen sind nicht „allzeit bereit“, weil sie am Groll und der Unversöhntheit festhalten! Eine solche Seele steigt nicht auf, sondern bleibt in den Niederungen des Bodennebels gefangen.Gott ist die Liebe, eine selbstlose, vergebende Liebe. Jesus hat das durch sein Leben bezeugt. Wer liebt wie er, verwandelt irdische Momente in ewige – denn „die Liebe hört niemals auf“ (1 Kor 13,8).
Die Heiligen waren Liebende, bei vielen blieb der tote Leib noch Jahrhunderte unverwest, um uns daran zu erinnern, dass die Liebe nie vergehen wird. In jeder hl. Messe bittet der Priester darum, dass Gott uns helfen möge, dass wir „voll Zuversicht das Kommen unseres Herrn Jesus Christus erwarten“ (Embolismus). In den Sakramenten, vor allem der Eucharistie und Beichte, will Gott uns die
Gnade, lieben zu können, schenken. Haben wir „Zeit“ für Gott? Nehmen wir uns die Zeit, nicht nur den Körper oder das Haus zu pflegen, sondern auch die Seele? Papst Franziskus rief in seiner Predigt am Herz-Jesu-Fest aus: „Dies mag wie Ketzerei erscheinen, ist aber die größte aller Wahrheiten: Schwieriger als Gott zu lieben ist, sich von ihm lieben zu lassen! Viel Liebe zurückzugeben heißt, das Herz zu öffnen und uns lieben zu lassen! Zuzulassen, dass er sich uns nähert, und ihn nah zu fühlen. Zuzulassen, dass er zärtlich ist, uns liebkost.“ Sich von Gott lieben lassen – das ist möglich in der Anbetung vor dem Tabernakel, aber auch in den Sakramenten der Eucharistie und Beichte und im Gebet. Seine Liebe wird uns verwandeln, unsere irdischen Momente zu ewigen Momenten der Liebe machen und uns helfen, allzeit bereit zu sein für den Tag, an dem er kommt.

Beatrix Zureich

(Zuerst erschienen in "Maria - Das Zeichen der Zeit" Nr. 157)

Donnerstag, 17. Juli 2014

Alan Ames - Vortrag aus dem Jahr 2010

Aktuell versuchen wir, einige Vorträge von Alan Ames auf Youtube zugänglich zu machen. Den ersten Teil eines Vortrags, den Alan 2010 in St. Thomas am Blasenstein / Österreich gehalten hat, findet ihr hier:



Mittwoch, 16. Juli 2014

Medjugorje Monatsbotschaft Juni 2014

Monatsbotschaft der Gottesmutter Maria, der „Königin des Friedens“ an die Seherin Marija Pavlović-Lunetti vom 25. Juni 2014


„Liebe Kinder! Der Allerhöchste gibt mir die Gnade, dass ich noch bei euch sein darf und euch im Gebet zum Weg des Friedens führe. Euer Herz und eure Seele dürsten nach dem Frieden und der Liebe, nach Gott und seiner Freude. Deshalb, meine lieben Kinder, betet, betet, betet, und im Gebet werdet ihr die Weisheit des Lebens entdecken. Ich segne euch alle und halte für jeden von euch Fürsprache vor meinem Sohn Jesus. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!“

Der Weg des Friedens

Am 24. Juni feiert die Kirche den Festtag der Geburt des hl. Johannes des Täufers, des Patrons der Pfarrkirche in Medjugorje. Gewiss ist es kein Zufall, dass die Gottesmutter am Tag darauf den Weg des Friedens erwähnt, auf den Zacharias nach der Geburt des Johannes im Lobgesang hinweist (Lk 1,78f): „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um (...) unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.“ Wie Johannes will Maria den Weg bereiten für das Kommen des Herrn. Der Herr will und wird kommen, doch das ist kein Automatismus, sondern wir sind gerufen, unseren Teil beizutragen. Maria bereitet ihm den Weg, indem sie uns anleitet, durch das Gebet offen für ihn zu werden. Das Gebet ist der Weg zu Jesus, der unser Friede ist.

Was wirklich zählt

Mit Bestürzung hören wir von Menschen, die trotz Reichtum, Ruhm und Luxus am Leben zerbrechen. Sie haben alles und sind doch zutiefst unglücklich. An ihnen wird deutlich, dass „Herz und Seele nach Frieden, Liebe und nach Gott und seiner Freude dürsten“. Nur wer Gott hat, hat alles. Gott erst genügt ...

Die Weisheit des Lebens

Im Weisheitsbuch Sirach (1,20) lesen wir: „Wurzel der Weisheit ist die Gottesfurcht, ihre Zweige sind langes Leben.“ Maria sagt, dass wir im Gebet die Weisheit des Lebens entdecken werden. Gott ist das Leben. Seine Weisheit ist Liebe. Gottes Liebe hat einen Namen: Jesus Christus. Ewig wird leben, wer nur eine Furcht kennt: die Furcht, Jesus zu verlieren.

(Beatrix Zureich)
Auch erschienen im monatlichen "Echo von Medjugorje"

Dienstag, 15. Juli 2014

Die Berufungsgeschichte von Papst Franziskus

Als Jorge Maria Bergoglio am 17. Dezember 1936 als erstes von fünf Kindern einer italienischen Einwandererfamilie in Buenos Aires geboren wurde, hätte niemand gedacht, dass er einmal der erste Papst aus Lateinamerika werden würde.
In einem Interview, das Kardinal Bergoglio am 1. November 2012 in einem argentinischen Lokalradio gab, deutete er an, wie wichtig seine Großmutter für sein Hineinwachsen in den Glauben gewesen war: „Der nächste Bruder wurde nur 13 Monate nach mir geboren. Die Mutter war mit uns beiden überfordert und hat mich morgens zur Großmutter gebracht, nachmittags wieder abgeholt ... Sie war auch jene, die mich das Beten lehrte und mir Heiligengeschichten erzählte.“ Wie wäre Bergoglios Lebensweg wohl verlaufen, wenn diese einfache, aber tiefgläubige Großmutter nicht gewesen wäre? Ihr Gebet, ihr Vorbild und die Zeit mit ihrem Enkel haben reiche Frucht gebracht!
Berufen aus Barmherzigkeit
Die priesterliche Berufung des heutigen Papstes ist auf eine besondere Gnade Gottes zurückzuführen, wie das vatikanische Pressebüro verlautbarte: „Am Fest des hl. Matthäus (21. September) im Jahr 1953 erlebte der junge Jorge Mario Bergoglio im Alter von 17 Jahren auf ganz besondere Weise die liebende Gegenwart Gottes in seinem Leben. Nach einer Beichte fühlte er, wie sein Herz berührt wurde, und spürte die Herabkunft der Barmherzigkeit Gottes, der ihn mit einem Blick der zärtlichen Liebe zum Ordensleben berief, in die Nachfolge des hl. Ignatius von Loyola.“
Diese Beichte war nicht geplant. Jorge war mit Freunden unterwegs und betrat dabei die Josefskirche unweit seines Elternhauses. In der dunklen Kirche sah er einen Priester, der im letzten Beichtstuhl der linken Seite vor dem Altar saß. Es war ein leukämiekranker Aushilfspriester, der ein Jahr später starb. Eine unerklärliche Kraft zog den jungen Mann in den Beichtstuhl, und am Ende dieser denkwürdigen Beichte wusste er, dass er Priester und Jesuit sein sollte... Seither hat die Barmherzigkeit Gottes einen festen Platz in seiner Spiritualität. Er hat nie vergessen, was dieses Sakrament in seinem eigenen Leben bewirkte.
Kaum auszudenken, was gewesen wäre, hätte dieser kranke Priester sich nicht so aufopferungsvoll in den Beichtstuhl gesetzt ... denn Gott wirkt sehr oft durch Menschen und gerade auch durch die Priester, die – wie hier – die späteren Früchte ihres aufopferungsvollen Dienstes nicht immer erleben.
Zu seinem Wappenspruch wählte Bergoglio die Worte aus einer Predigt des großen englischen Heiligen Beda (†735), mit dem dieser die Berufung des hl. Apostels Matthäus beschrieb: „mit Erbarmen und Erwählen [sah Christus ihn an]“. Wes Geistes Kind Papst Franziskus ist, zeigt nicht zuletzt seine zweimalige Bitte an den Patriarchen von Lissabon, ihn und sein Papstamt (am 13. Mai) der Gottesmutter von Fatima zu weihen. Sobald er die Gelegenheit hat, wird er gewiss, wie die letzten drei Päpste vor ihm, selbst zur Mutter von Fatima pilgern, so wie er sich bereits am Tag nach seiner Wahl vor dem uralten Gnadenbild der Gottesmutter und „Beschützerin des römischen Volkes“ (Salus Populi Romani) anvertraute.

(Zuerst erschienen in "Maria - Das Zeichen der Zeit")

Montag, 14. Juli 2014

Tausend Kilometer für eine Beichte

Ein Priester aus Südkorea erzählt:
Der Krieg in Korea (1950–1953) ging seinem Ende entgegen. Die ganze Nacht feuerten die UN-Truppen ihre Geschosse vom Nam-san (Berg südlich der koreanischen Hauptstadt Seoul) herunter, und die Nordkoreaner schossen hinauf. Es war ohrenbetäubend, pausenlos feuerten die Kanonen drauflos, die ganze Stadt Seoul bebte. In jeder Straße, in jeder Gasse ausgebrannte, ausgebombte, zerstörte Häuser, hier und dort Leichen, in den letzten Zügen liegende Schwerverwundete, Feuerschein und Rauch. Überall fürchterliches Getöse, markerschütternde Schreie, Hilferufe. Die Hölle war los. Auch unser Luftschutzbunker war von Feuer und Rauch umgeben. Da gewahrte ich plötzlich, wie sich mir ein nordkoreanischer Soldat und eine Frau mittleren Alters näherten. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Da hörte ich wie von Weitem: „Hochwürden, Hochwürden!“ Ich dachte: „Weshalb ruft man unter diesen Umständen laut nach dem Priester? Der nordkoreanische Soldat bringt mich um!“ Doch nein, nicht von weit her kam die Stimme, sondern direkt vor mir stand eine mir wohlbekannte Ordensfrau. Sie schüttelte und rief mich. Der Nordkoreaner, in einer Hand das schussbereite Gewehr, fuchtelte mit der anderen Hand vor meinem Gesicht herum. Ich dachte: Das ist das Ende! Verzweifelt schrie ich: „Warum?“ Da kamen die Schwester und der Nordkoreaner ganz dicht zu mich heran. Einen Augenblick fragte ich mich, ob ich im nächsten schon tot sei. Da vernahm ich die von Tränen erstickte Stimme des nordkoreanischen Soldaten: „Hochwürden! Hochwürden!“, stammelte er. Er war ein Katholik! Er kam von Sinui-ju an der chinesischen Grenze, war bis zur südlichsten Stellung der Nordkoreaner vorgedrungen, hatte tausend Gefahren überstanden, und war nun auf der Flucht gen Norden.
Er legte beide Hände auf meinen Kopf, schob den Mund an mein Ohr und begann seine Beichte. Ich spürte seinen heißen Atem in meinem Ohr, seine Hände zitterten mitleiderregend auf meinem Kopf. Weil in dem kleinen Luftschutzbunker viele Menschen eng zusammengepfercht waren, musste die Beichte auf diese ungewöhnliche Weise vor sich gehen: in dem einen Ohr weiterhin den betäubenden Kanonendonner, Hilfeschreie, das Getöse der einschlagenden Granaten, in dem anderen Ohr gleich einem ratternden Maschinengewehr die Sünden, die der Nordkoreaner losschoss.
Endlich war die Beichte zu Ende. „Hochwürden, danke!“, sagte er. Sichtlich erleichtert ergriff er meine Hände und erzählte mir unter Tränen die aufregende Geschichte, wie er mich gefunden hatte: Als der Krieg ausbrach, hatte er die jahrelang vergeblich gesuchte Gelegenheit genutzt, in den Süden zu kommen, um dort einen Priester zu finden, dem er nach sechzehn Jahren zum ersten Mal wieder seine Sünden beichten könnte. Das war sein brennendster Wunsch, seine große Hoffnung. Wer in diesem Krieg Sieger oder Verlierer sein würde, interessierte ihn nicht. Nach Überquerung des 38. Breitengrades (Teilungslinie zwischen Nord- und Südkorea) hatte er jede erreichbare katholische Kirche aufgesucht, fand aber nirgends einen Priester. Er kam nach Seoul, suchte Tag und Nacht, aber wen er auch ansprach, niemand konnte oder wollte ihn zu einem Priester führen.
Er warf sich vor der großen Mutter-Gottes-Statue vor der Myeng-Dong-Kathedrale nieder und betete aus ganzem Herzen, die Mutter Gottes möge ihm einen Priester schicken. Weiter auf dem Weg nach Süden schlich er sich zu jeder nur denkbaren Kirche; aber stets mit dem gleichen Misserfolg.
Am Naktong-Fluss wurde seine Einheit vernichtet, nur er überlebte. Bevor er sich nach Norden zurückzog, machte er noch einige erfolglose Versuche. Er war sich klar, dass er in Nordkorea wohl zeitlebens keinem Priester mehr seine Sünden beichten könnte, und so zog es ihn nochmals zu der Marienstatue vor der Myeng-Dong-Kathedrale. Er warf sich vor ihr nieder, und als er so unter Seufzern mit seinem Gewehr auf dem Boden stampfte, ging gerade eine Ordensschwester vorüber. Sie brachte ihn in unseren Luftschutzbunker ...

Aus: Karl Maria Harrer, Die schönsten Mariengeschichten Bd. 2

Dienstag, 8. Juli 2014

1873: Ein Josefswunder in Santa Fé

Welch außerordentliche Früchte das Gebet um die Fürbitte des hl. Josef haben kann, zeigt ein Ereignis aus dem Jahr 1873 in Santa Fé, USA. Schwester M. Florian berichtet.

Unsere Schwestern hatten beschlossen, von mexikanischen Zimmerleuten eine Kapelle nach dem Muster der „Sainte Chapelle“ in Paris bauen zu lassen. Nach den Plänen des Architekten P. Mouly wurde das Gebäude in fünf Jahren errichtet. Die Kapelle war 22,5m lang, 7,5m breit und 25,5m hoch. Als der Bau fast fertig war, bemerkte man mit Erschrecken einen Konstruktionsfehler. Die Kapelle war sehr schön geworden, ebenso auch die Empore an der Rückwand. Doch es gab keinen Weg, um von unten nach oben zu kommen, man hatte den Treppenaufgang vergessen! Verschiedene Fachleute wurden zu Rate gezogen, und von allen kam dieselbe Antwort: „Nichts zu machen! Für eine Treppe reicht der Platz nicht aus. Es gibt nur eine Lösung: entweder eine Leiter benützen oder die ganze Empore neu bauen.“
Man kann sich die Entäuschung und Ratlosigkeit der Schwestern vorstellen. Doch als Frauen mit starkem Glauben beschlossen sie, vorerst nichts zu unternehmen, sondern statt dessen eine Novene zum hl. Josef zu beten und die Hilfe der göttlichen Vorsehung abzuwarten.
Am letzten Tag der Novene klopfte ein Mann mit grauem Haar und einem Esel, der mit einer Werkzeugkiste beladen war, an die Tür und wünschte mit Schwester Magdalena, der damaligen Oberin, zu sprechen. Er wollte sich gern beim Bau der besagten Treppe nützlich machen, worüber die Mutter Oberin geradezu entzückt war. Nach dem Zeugnis mehrerer Schwestern, die ständig beim Bau zugegen waren, benutzte der geheimnisvolle Handwerker für seine Arbeit nur eine Säge, ein Winkelmaß und einen Hammer. Anstelle von Nägeln verwendete er hölzerne Nieten. Sie entsannen sich, auch einige Bottiche gesehen zu haben, in welchen Holzstücke in Wasser eingeweicht lagen.
Als Mutter Magdalena den unbekannten Baumeister nach erfolgreicher Arbeit entlohnen wollte, war dieser nicht mehr aufzufinden. Alle Nachforschungen blieben erfolglos, und im Bauholzlager vor Ort gab es nicht einmal einen Kaufbeleg für das verwendete Holz.
Die Treppe ist eine Konstruktion mit 36 Stufen in zwei Spiralen von genau 360 Grad, ohne jegliche Zentralstütze. Sie läuft von der Empore nach unten auf den Fußboden, und wird nur von diesen gestützt. Man spürt beim Begehen der Treppen eine gewisse Elastizität, was sich in einer leichten vertikalen Schwingung äußert, wie etwa bei einer großen Sprungfeder. Viele Architekten und Konstrukteure aus dem Ausland haben im Laufe der Jahre dieses Meisterwerk der Baukunst besichtigt und untersucht. Sie alle sind erstaunt, dass diese Treppe nicht in sich zusammengestürzt ist. Doch sie steht nach über 100 Jahren täglicher Benutzung immer noch. Das Holz weist eine große Härte auf und stammt mit Sicherheit nicht aus New Mexiko. Seine Herkunft konnte bis heute noch nicht abschließend geklärt werden.
Ist der hl. Josef selbst der Baumeister? Die Schwestern sind davon überzeugt, dass diese Treppe die Antwort auf ihr vertrauensvolles Bitten zum glorreichen Bräutigam der Gottesmutter war. –

Dieser Bericht will uns ermutigen, den hl. Josef in allen Nöten vertrauensvoll anzurufen. Dies empfiehlt auch die Kirchenlehrerin Teresa von Avila (†1582). Wenn auch Sie eine Novene zum hl. Josef beten wollen, finden Sie eine große Auswahl an Gebeten im Buch „Verehrt den hl. Josef“.