Dienstag, 13. Mai 2014

Wahre Freundschaft

Vom römischen Philosophen Cicero († 43 v. Chr.) ist der Ausspruch überliefert: „Den wahren Freund erkennt man in der Not.“ Misst man die dramatischen Ereignisse von Ostern um das Jahr 30 n. Chr. daran, müsste man zu dem Schluss kommen, dass Jesus nur einen wahren Freund hatte: den Lieblingsjünger Johannes, der mit der Mutter Jesu und einigen Frauen beim Kreuz stand.

Was an Ostern geschah, ruinierte den Ruf derer, die man bis dahin „Freunde Jesu“ genannt hatte. Nicht nur, dass alle nach der Verhaftung Jesu flohen (vgl. Mk 14,50); einer von ihnen hatte seinen Meister gar für 30 Silberstücke verkauft, ein anderer, der das besondere Vertrauen des Herrn besaß, hatte ihn vor den Dienern im Hof des Hohenpriesters fluchend verleugnet: „Ich kenne den Menschen nicht!“ (vgl. Mt 26,74). Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr, mögen sich die Augenzeugen damals gedacht haben. Schließlich, nach dem Tod Jesu am Kreuz, war es keiner seiner Freunde, sondern einer seiner Henker – ein römischer Hauptmann –, der rief: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!“ (Mk 15,39).

Die Vergeltung

„Wo wart ihr, als ich euch am meisten gebraucht hätte?“ Als Jesus am Abend des Tages, an dem er von den Toten auferstanden war, zu seinen Freunden kam, stellte er diese Frage nicht. Statt eines Vorwurfs begrüßte er die Apostel mit dem Segensgruß: „Friede sei mit euch!“ (Joh 20,19ff). Er verwandelte die Zweifel, Furcht und Depression seiner Jünger in Freude. Der Auferstandene erfüllte damit ein damals etwa 700 Jahre altes Wort des Propheten Jesaja: „Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten“ (Jes 35,4). Jesus kam selbst, er ließ die Schuldigen nicht links liegen. Seine „Rache und Vergeltung“ bestand darin, seine Liebe zu ihnen zu erneuern. Er kannte sie und ihr Versagen, trotzdem liebte er sie immer noch.

Liebe trägt das Böse nicht nach

Das Kreuz war die Härteprüfung für die Liebe. Gekreuzigte – davon gab es zur Zeit Jesu viele – fluchten, schrien und verwünschten ihre Peiniger. Jesus aber ließ sich durch nichts zum Zorn reizen, sondern reagierte einzig auf jedes Wort und jede Tat der Liebe. Selbst als er im Vorhof des Hohenpriesters mitanhören musste, wie Petrus leugnete, ihn zu kennen, rief er nicht: „Du Feigling! Hast du nicht gestern noch geschworen, mit mir sogar ins Gefängnis zu gehen?“ Vielmehr blickte er Petrus nur an (vgl. Lk 22,61), der daraufhin erschüttert hinausging und voller Reue weinte.
Dieses Verhalten Jesu provoziert die Frage, wie wir, die „Freunde Jesu“ von heute, mit Schuld umgehen – und mit denen, die an uns schuldig wurden. Jesus berief ausgerechnet Petrus, der ihn verleugnet hatte, zum Menschenfischer, auf den er seine Kirche baute (vgl. Mt 16,18). Wir jedoch neigen dazu, mit Menschen, die uns in ähnlicher Weise verletzt haben, nichts mehr zu tun haben zu wollen. Obwohl wir Christen sind und Jesus ähnlich sein wollen, lassen wir die Schuld unserer Mitmenschen nicht los. Monate, Jahre, Jahrzehnte sind vergangen – und immer noch halten wir den Mitmenschen ihre alten Sünden vor. Vielleicht ist das Christentum heute so wenig attraktiv für Außenstehende, weil wir mit den Wölfen heulen und mit dem Finger auf die zeigen, deren Sünden die Presse genüsslich breit tritt, statt den vergebenden Herrn nachzuahmen, dem Vorwürfe fremd sind.
Wir möchten zwar Kinder Gottes sein, schimpfen jedoch so oft über die Fehler unserer Mitmenschen, ohne zu bemerken, dass wir Gott und seine Liebe dadurch mit Füßen treten. Wir versagen so oft, so sehr – wie die Jünger von damals.

Vorbereitung auf Pfingsten

Im „Hohelied der Liebe“ versucht der Apostel Paulus das Wesen der wahren, selbstlosen Liebe zu beschreiben (1 Kor 13,4–8): „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach (…) Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.“ Jedes dieser Worte beschreibt exakt, wie Jesus sein Leben lang, besonders aber während seiner Passion, handelte. Doch sie beschreiben ebenso das Leben und Lieben der Mutter Jesu. Menschlich gesprochen hätte sie Anlass gehabt zu sagen: „Ich habe meine Pflicht erfüllt. Herr, lass mich sterben. Was soll ich noch hier auf Erden? Ich will bei Jesus im Paradies sein.“ Wir finden die Mutter Jesu jedoch inmitten der betenden Gemeinde, wo sie einmütig mit den Aposteln, Frauen und Angehörigen um den Heiligen Geist betete. Anstatt sich, traumatisiert vom Miterleben der Passion ihres Sohnes, verletzt und grollend zurückzuziehen, blieb sie den Freunden ihres Sohnes treu und in mütterlicher Liebe verbunden. Die Zeit vor Pfingsten lädt uns jedes Jahr neu ein, uns die Haltung Jesu und Mariens zu eigen zu machen. Legen wir die Fesseln der Unversöhnlichkeit, mit denen wir uns selbst gefangensetzen, am Fuß des Kreuzes nieder! Mit dem Auferstandenen dürfen wir dann allen, denen wir bisher eine alte Schuld nachgetragen haben, zurufen: „Friede sei mit dir!“ Groll, Bitterkeit und Nicht-Vergeben-Können hindern uns daran, vom Heiligen Geist erfüllt zu werden. Bitten wir Maria, die „Braut des Heiligen Geistes“, um ihre Fürsprache bei Gott, damit wir so leben und lieben können, dass die Welt uns als Freunde Gottes erkennt.

Beatrix Zureich

Zuerst erschienen in Maria - Das Zeichen der Zeit, Nr.161 2. Quartal 2014

Montag, 12. Mai 2014

Marianische Heilige

Pfarrer Rudolf Keith, der in den Nachkriegsjahren im unterfränkischen Elsenfeld wirkte, verfasste das Buch Königin aller Heiligen. Für jeden Tag des Monats Mai stellt er zwei Heiligenportraits sowie passende Gebete vor. Dadurch bringt er uns nicht nur die Heiligen näher, sondern ermöglicht uns, jeden Tag ein Gebet von oder zu diesen Heiligen zu beten. Aus diesen Portraits stellen wir hier den deutschen Mystiker Heinrich Seuse vor:

Der selige Heinrich Seuse

Um 1300 wurde in Konstanz am Bodensee der selige Heinrich Seuse geboren. Mit dreizehn Jahren brachte ihn seine tiefgläubige Mutter in das Inselkloster des hl. Dominikus, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte. Schon als Kind brachte Heinrich der Gottesmutter Blumen zum Schmuck. Als er wieder einmal die Maienkönigin mit einem Kranz der ersten Blumen gekrönt hatte, erschien ihm die Gottesmutter. Heinrich sah die Engel auf und nieder steigen in lichtem Gewand. Er hörte einen himmlisch schönen Gesang zu Ehren Mariens. Die Königin selbst schwebte über dem himmlischen Heer in Würde und Herrlichkeit.

Heinrich wurde Dominikanermönch. Bis zum vierzigsten Lebensjahr übte er eine unglaubliche Buß-Strenge. Es folgte eine Schule des Leidens: Verlust seiner Ehre, Untreue der Freunde, ein Gefühl der Verlassenheit von Gott. Gelassen ertrug er alles und wurde dafür zuletzt mit einem tiefen Seelenfrieden beschenkt. Als Dominikaner stellte er sich ganz in den Dienst Mariens. Öfter besuchte sie ihren Diener in seiner Zelle. Heinrich wollte sein Glück als Marienverehrer mit allen teilen. Seinen Beichtkindern gab er den Rat, täglich neun Ave Maria zu beten. Das erste am Morgen kniend, um alle guten Werke der Himmelskönigin in die Hände zu legen, damit sie diese kostbar mache und dem himmlischen Vater darbringe. Sieben Ave sollten den Tag über gebetet werden, damit das reinste Herz Mariens die Sünder zu Gott bringe und allen eine gute Sterbestunde erbitte. Das letzte Ave betete er am Abend in dem Anliegen, dass Maria alles gut mache, was wir tagsüber versäumt haben. Doch Heinrich ehrte auch alle Frauen um der Gottesmutter willen. Als er wieder einmal unterwegs war, kam er zu einem schmalen Steg, der über eine große Pfütze führte. Da kam ihm eine arme Frau entgegen, und Heinrich verließ sogleich den Steg und trat in die Pfütze, um auszuweichen. Da fragte die Frau: „Ehrwürdiger Vater, wie kommt es, dass Ihr mir Platz macht, da ich doch gern Euch ausgewichen wäre?“ Heinrich antwortete: „Es ist meine Gewohnheit, allen Frauen Ehre zu erweisen um der zarten Gottesmutter willen.“

Auszug aus dem Buch Königin aller Heiligen von Rudolf Keith
Zuerst erschienen in MARIA - Das Zeichen der Zeit (MZZ) Nr 161. 2. Quartal 2014

Freitag, 9. Mai 2014

Gefährliche Meditation

Als Jugendliche verlor Renate Frommeyer ihren Glauben. Mit ihrem erfolgreichen Ehemann und den vier Kindern führte sie ein konsum-orientiertes Leben. Wie es dazu kam, dass sie tief in die Abgründe der Esoterik und des Okkultismus gerissen wurde, welche Erfahrungen sie mit Transzendentaler Meditation (TM), Geistheilung, Gurus und Götzen machte, beschreibt sie in ihrem neu erschienenen Buch Gefährliche Meditation, aus dem folgende Leseprobe stammt:

Einstieg in die östliche Meditation

Nachdem mein Mann und ich den Einführungskurs absolviert und jeder sein persönliches Mantra erhalten hatte, begannen wir regelmäßig morgens und abends zu meditieren, d. h. wir wiederholten ständig unser Mantra. Zuvor stimmten wir uns mit bestimmten Übungen (Asanas), auf diese Meditation ein. Von nun an besuchten wir regelmäßig das TM-Zentrum und wurden dort immer mehr mit dem hinduistischen Glauben vertraut gemacht. Um den Meditationslehrer herum hatte sich eine
Sehr schnell ordnete sich nun unser Leben (…) Auch das Chaos in unserem Haus löste sich auf und immer größere Ordnung trat ein (…) Allerdings gerieten wir nun in ein anderes Extrem. Durch die regelmäßigen Besuche im TM-Zentrum lernten wir viele Menschen kennen. Von ihnen erhielten wir [esoterische] Bücher über fast jeden Bereich des Lebens. Und wir probierten nach und vieles davon aus.
Nachdem wir Alkohol und Zigaretten entsorgt hatten, durften unsere „normalen“ Bekannten unsere Tiefkühlschränke leeren und alle Fleischvorräte mitnehmen. Da ja die Tiere in der östlichen Philosophie als unantastbar und als Wiedergeburten angesehen werden, wurden wir zwangsläufig Vegetarier und verzichteten ebenfalls auf Eier. Als nächstes wurde der Zucker verbannt und wir erwarben eine Getreidemühle. Morgens gab es nun ein Müsli aus geschrotetem Korn mit Früchten und Joghurt. Das Mittagessen bestand aus einem Rohkostsalat und Kartoffeln sowie einem mit Schrot angemachten Gemüse, natürlich alles biologisch (…)
feste Gruppe von Schülern gebildet. Regelmäßig zeigte man uns Videos von dem Gründer Maharishi und gab uns hinduistische Kultbücher wie die Bhagavad Gita sowie Bücher von hinduistischen Mönchen, z. B. von Yogananda, Muktananda, Sivananda und anderen zu lesen. (Nach meiner Umkehr konnte ich eine ganze Aschentonne mit solchen Büchern füllen, die ich auf diesem Weg entsorgt habe!) Nach etwa einem halben Jahr ließen wir auch unsere Kinder, die damals zwischen vier und elf Jahre alt waren, in die TM einführen (…), auch sie erhielten ein Mantra.

Gefangen in einer okkulten Spirale

Das erste Mantra schien nach etwa zwei Jahren seine Aufgabe erfüllt zu haben. Es hatte sozusagen das Bewusstsein genug aufgepflügt, so dass dieses bereit war für ein neues Mantra, d. h. für einen neuen Götzennamen. Dieses neue Mantra sollte uns weiter in Richtung Erleuchtung führen. So wurden wir immer mehr dem Einfluss dämonischer Kräfte ausgeliefert. Im Lauf der folgenden Jahre brachte der Guru Maharishi immer neue, oft spektakuläre Techniken heraus. Diese mussten in Kursen, die oft auch im Ausland stattfanden, teuer erlernt und geübt werden (…) Bald galten wir in der TM-Szene des deutschsprachigen Raumes als die ideale Vorzeigefamilie. In allem folgten wir dem Guru, den wir oft auch privat in seiner Residenz in der Schweiz besuchten (…)
Infolge des steten Eintauchens in die hinduistische Philosophie, durch das Lesen von Schriften des östlichen Gedankenguts sowie das Ausüben all der TM-Techniken fand jedoch eine Art Gehirnwäsche statt. Wir verfielen Schritt für Schritt den östlichen Ideologien, später kamen noch Dinge wie Runen-Lesen und indianische Praktiken hinzu (…) Getrieben von einer tiefen unbewussten Unerfülltheit probierten wir – wie fast alle TM-Praktizierenden – zusätzlich mehr oder weniger intensiv alle möglichen esoterischen bzw. okkulten Praktiken und Heilmethoden aus, z. B. Astrologie, Reiki, Pendeln, Rutengehen, Bach-Blütentropfen, Homöopathie und vieles andere mehr. So legte ich mir vor dem morgentlichen Meditationsprogramm erst einmal die Tarot-Karten (…) Die so teuer erkauften Praktiken und Techniken versprachen Harmonie, Frieden, Wohlstand und Erfüllung. Doch tatsächlich blieb sowohl bei uns wie auch bei den meisten anderen Meditierenden kein Stein auf dem anderen. Fast alle Ehen gingen auseinander. Da wir ja weder an einen persönlichen Gott noch an die Erlösung durch Jesus Christus glaubten, musste es jemanden geben, der diese Sehnsucht der Seele stillte. Man konzentrierte sich deshalb ganz auf den Guru (…) Wir waren wie besessen von seinen Ideen und Zielen. Wir lebten in einer spirituellen Luftblase, in der wir zum Spielball der Mächte der Finsternis wurden. Heute kann ich nur davor warnen, auch nur einen kleinen Zeh in diese Mausefalle zu stecken, denn es wird äußerst schwierig sein, sich wieder daraus zu befreien!

Ein Auszug aus dem Buch "Gefährliche Meditation" von Renate Frommeyer

Dem Bösen entgegentreten

"Sei immer bereit, dem Bösen entgegenzutreten, und fürchte dich nie, dies zu tun. Meine Liebe ist eine Barriere gegen das Böse. Und wenn du in Meiner Liebe lebst und dienst, bist du in Sicherheit."
Worte von Gott Vater an Alan Ames

Aktuelle Gebetstage mit Alan Ames 

Donnerstag, 8. Mai 2014

Der Maßstab Christi

Liebe Freunde in Christus,

ein Blick in die Welt von heute zeigt uns viel Leiden und Schmerz. So viele Menschen sind unglücklich, verwirrt, verloren und leiden an innerer Leere. Trotz alledem sollten wir weder verzweifeln noch die Hoffnung verlieren noch Angst haben. Es ist leicht, Gedanken und Gefühlen der Hoffnungslosigkeit nachzugeben, apathisch zu werden und zu glauben, man könne nichts tun und müsse den Zustand der Welt akzeptieren, weil die Dinge halt nun einmal so seien und man nichts
dagegen tun könne. Die Medien präsentieren uns täglich in den Nachrichten so viel Trauriges, Leid und Böses, dass sich ein Ermüdungsprozess einzuschleichen scheint, so dass die Menschen beinahe unempfindlich werden für das, was geschieht, und die Bedrängnis der anderen ihnen egal wird. Die  Täuschungsmanöver der Machthabenden untergraben das Vertrauen der Menschen in andere. Wenn die Menschen die Hoffnung, das Vertrauen und Mitgefühl verlieren, verschließen sich die Herzen gegen Gott und öffnen sich der Finsternis. Diese Finsternis umgibt die Welt, und wenige
erkennen dies. Wir als Nachfolger des Herrn Jesus sollten den Mut jedoch nicht verlieren! Wir sollten erkennen, dass Gott uns dazu beruft, die Lichter Seiner freudigen Liebe zu sein und die Hoffnung zu allen zu tragen. Wir sollten die Jünger sein und die herrliche Wahrheit Jesu zu allen bringen in dem Wissen, dass wir dadurch und durch Gottes Gnade das Leben anderer und sogar die Welt zum Besseren verwandeln können. Wir können diejenigen sein, die den Menschen helfen, unserem Herrn Jesus zu vertrauen, indem wir ihnen zeigen, dass sie uns vertrauen können. Wir sind hier, um andere in Liebe zum Herrn zu erheben, damit die Verwirrung sich lichtet, die Leere ausgefüllt wird und die Verlorenen in Ihm den Weg finden. Damit dies möglich wird, müssen diejenigen, die dem Herrn nachfolgen, selbst zum Atem der Wahrheit werden, der die Täuschungen der Welt hinwegbläst. Wir müssen den Menschen das Gute in der Welt zeigen, indem wir sie die Güte Gottes in uns sehen lassen. Leider handeln manche Katholiken nicht so, da sie selbst über den Zustand der Welt verzweifelt sind. Manche haben Angst, die Welt werde untergehen, und sie beschäftigen sich mehr damit, als die Liebe unseres Herrn Jesus mit anderen zu teilen.
Unser Glaube ruft uns dazu auf, nicht zu verzweifeln, keine Angst zu haben und sich keine Sorgen um sich selbst zu machen, sondern wie Christus zu sein: Wir sollen Lichter sein in der Finsternis; Hoffnung bringen, wo es keine gibt; den Unglücklichen das Glück bringen; die Angst ersetzen durch das Gottvertrauen; die Menschen aus der Verzweiflung heraus und zum Herrn hin erheben und ein sinnentleertes Leben erfüllen mit der Liebe Gottes.
Lassen wir nicht zu, dass die Menschen sagen, wenn sie Katholiken sehen: „Die sind genauso wie wir!“ Lassen wir sie sagen: „Hier sind furchtlose, freudige, liebende Menschen, denen ich ähnlich sein will!“ Lasst uns den Maßstab und die Fahne Christi in der Welt errichten, welche alle zu Christus hinziehen, so dass alle in Ihm Frieden haben und in Seiner göttlichen Liebe das Heil finden können.

Gottes Segen!
Alan Ames


(Maria - das Zeichen der Zeit, Juli 2011)

Das größere Wunder

Die Grottenzeitung von Lourdes berichtete um das Jahr 1960 von einem Wunder seelischer Art, das sich in einer französischen Stadt zugetragen hat:

Vor einigen Jahren lag in einem Krankenhaus ein Junge von zwölf Jahren, der über und über von Geschwülsten bedeckt war und sich kaum rühren konnte. Trotzdem war er immer fröhlich und dankbar für jeden Liebesdienst. Er hatte nur einen Wunsch: Er wollte nach Lourdes zur Grotte kommen, von der er so viel gehört hatte. Sein Vater jedoch war ein eingefleischter Kommunist, der auch die Mutter stark beeinflusste; er wollte die Reise nach Lourdes nicht erlauben. Weil er sah,
dass seine Weigerung dem kranken Sohn Kummer bereitete, gab er endlich doch nach, aber er verbat sich, dass man ihm von Lourdes Albernheiten erzählte.
Die Mutter reiste mit, denn der Kleine brauchte ständig Betreuung. In Lourdes kam man im Hospital bei der Grotte unter, und eine Krankenpflegerin dort nahm sich der beiden liebevoll an. Am dritten  Tag sagte die Mutter zu der Pflegerin: „Ich habe schon fünfundzwanzig Jahre nicht mehr gebeichtet. Glauben Sie, dass mein Sohn gesund wird, wenn ich die Sakramente empfange?“ Die Pflegerin antwortete, man könne das nicht voraussagen, aber dies sei gewiss, dass Gott ihren guten Willen sicher und reichlich belohnen werde, und zwar in der Weise, wie es für alle am besten ist. Am Tag darauf hatte die Frau gebeichtet und kommuniziert und war restlos glücklich darüber. Nur um eines bat sie: Man möge es ihrem Sohn ja nicht sagen, denn der Arzt hatte erklärt, die geringste Aufregung – auch eine freudige – könne seinen plötzlichen Tod verursachen. Die Pflegerin versprach zu schweigen.
Vor der Abreise der beiden fragte die Pflegerin den Kleinen: „Wie bist du zufrieden mit deiner Reise nach Lourdes?“ Der Junge antwortete: „Ich habe zur Mutter Gottes gesagt, dass mir viel lieber wäre, die Mutter würde sich bekehren, als dass ich selbst gesund würde.“ Und er weinte. Die Pflegerin sprach mit dem Arzt, ob sie den Jungen trösten dürfe mit der Mitteilung, dass die Mutter sich bereits bekehrt habe, und der Arzt erlaubte es. Sie fragte den Knaben: „Kannst du ein großes Geheimnis für dich behalten?“ – „Ja“, sagte er. – „Aber du darfst es auch deiner Mutter nicht sagen.“ Nach einigem Schwanken sagte er: „Ich verspreche es.“ – „Nun schau, mein Kleiner“, sagte die Pflegerin, „deine Mutter ist in Lourdes zur Beichte und Kommunion gegangen.“ Die Pflegerin bekam Angst. Denn aus  dem Knaben leuchtete eine Freude hervor, die ihn zu überwältigen drohte. Man musste an den Himmel denken. Endlich sagte er: „Jetzt kann ich ruhig sterben!“, und versuchte, seine geschwollenen Hände über der Brust zu kreuzen. Obwohl sich sein Zustand von Tag zu Tag verschlechterte, verminderte sich seine Heiterkeit nicht im Geringsten. Er lag in seinem Bettchen wie ein Engel. Er war schon wieder in das heimatliche Krankenhaus gebracht worden, da eröffnete er einer Schwester seinen Wunsch, zu Hause sterben zu können – bei Vater und Mutter. Man brachte ihn sogleich heim, denn es ging mit ihm zu Ende, und schon in der Nacht klingelte das Telefon, dass er zum lieben Gott gegangen sei.
Die Familie wohnte in der „roten“ Vorstadt, und die Pflegeschwester ging hinaus, um zu beten und den Kleinen nochmals zu sehen, der ihr ans Herz gewachsen war. Er lag so schön auf der Bahre, ein überirdisches Lächeln schien sein Gesicht zu umspiegeln. Diese Ruhe strahlte auch das Gesicht der Mutter aus. „Hören Sie“, sagte die Mutter, „es ist ein wahres Wunder geschehen in dieser Nacht. Kaum hatte unser Kleiner seinen letzten Atemzug getan, stand mein Mann auf und sagte zu mir: ‚Ich möchte ihn einmal wiedersehen!‘ Dann zögerte er einen Augenblick, nahm seinen ganzen Mut zusammen und sagte: ‚Bring mich morgen früh zu einem Priester ...‘“ –
Hätte die Mutter Gottes ein größeres Wunder vollbringen können?

Aus "Die schönsten Mariengeschichten" von Karl M. Harrer

Mittwoch, 7. Mai 2014

Papst Johannes XXIII

Wie viele Menschen arbeiten im Vatikan?“, wurde Papst Johannes XXIII. einmal gefragt. Die Antwort war kurz: „Etwa die Hälfte!“ So war Papst Johannes XXIII. – einfach und heiter wie ein Kind.
 

Als er Papst wurde, hörte man ihn klagen: „Warum hat Gott mich so wenig fotogen gemacht? Er wusste doch, dass ich Papst werden würde!“ Gewiss war er keine „Schönheit“, jedoch ein prächtiger Mensch mit einer schönen Seele. Der heilige Thomas von Aquin sagt, Schönheit sei „die Ausstrahlung der inneren Vollkommenheit“. Diese Vollkommenheit besaß der Papst.
Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Angelo Giuseppe Roncalli war nicht nur warmherzig, sondern auch mutig. Während des Zweiten Weltkriegs wirkte er als Apostolischer Delegat in der Türkei. Durch seinen Einsatz wurde ein Schiff mit 650 jüdischen Kindern an Bord gerade noch vor dem Zugriff der Nazis gerettet. Er ging auf alle Menschen zu, getreu dem salesianischen Grundsatz: „Das Verbindende, nicht das Trennende suchen.“ Das von ihm einberufene Zweite Vatikanische Konzil konzentrierte sich denn auch nicht auf die Verurteilung von Irrtümern, sondern auf die Vermittlung der Glaubensinhalte und das die Menschen Verbindende.

Johannes XXIII. wurde im Jahr 2000 selig gesprochen. Am Barmherzigkeitssonntag 2014 erfolgte durch Papst Franziskus die Heiligsprechung.

Worte von Papst Johannes XXIII.


"Nächstenliebe beginnt mit Achtung und Höflichkeit. Ich bitte alle und empfehle allen: Liebe, Liebe, Liebe, im Denken, im Urteilen und im Reden! Lass dich nicht beirren von verrückten Ideen, die im Umlauf sind. Überlege mit deinem Kopf und nicht mit dem der anderen! Stellt euch nicht auf die Seite derer, die immer Kritik üben, denn kritisieren ist leicht, aber handeln ist schwer."

"Man muss lernen zu leiden, ohne auch nur merken zu lassen, dass man leidet. Freilich stechen und schmerzen auch die kleinen Kreuze. Man muss sie aber mit großer Geduld zu tragen suchen. Meistens hängen sie ein wenig von den Fehlern der anderen und ein wenig von unseren eigenen ab."

"Ich sorge mich um nichts anderes, als Tag für Tag den Willen des Herrn zu tun. Glaubt mir, das ist das schönste Leben!"

"Jede Form von Misstrauen oder Unhöflichkeit, vor allem gegen die Kleinen, die Armen, die Geringen– jedes absprechende und unüberlegte Urteil bereitet mir Schmerz und tut mir im innersten
Herzen weh."

"Ein Tag ohne Gebet ist wie ein Himmel ohne Sonne, wie ein Garten ohne Blumen."

"Der Herr hat mir viele Freuden beschert, weil ich mich daran gewöhnt habe, nicht die Fehler der anderen unter die Lupe zu nehmen, sondern daran zu denken, dass auch ich meine Fehler habe."

"Wenn wir uns nicht allzu wichtig nehmen, wird das Leben viel schöner. Denn wir merken allmählich, dass nichts von dem wahr ist, was wir uns einbilden, wenn wir uns gekränkt fühlen."

"Ich werde es mir zum Grundsatz machen, alle und alles anzuhören, es zu bedenken und zu studieren, um mein Urteil sehr langsam zu bilden und nicht geschwätzig zu sein."

"Man sollte sich immer in die Haut der anderen hineindenken, auch wenn diese nicht immer in allem recht haben und sich nicht immer vorbildlich benehmen."


Zuerst erschienen in Abbé Pierre Lefèvre, Ein reiches Erbe und "Maria - das Zeichen der Zeit"